Was wir über den mutmaßlichen Trump-Attentäter wissen
Es ist eines der wichtigsten Ereignisse für die US-amerikanische Presse – mit einer mehr als hundertjährigen Tradition. Einmal im Jahr findet im berühmten Hilton-Hotel in Washington D.C. das sogenannte Korrespondenten-Dinner (White House Correspondents’ Dinner) statt. Donald Trump war der Veranstaltung in seiner ersten Amtszeit ferngeblieben. Vergangenen Samstag sollte er dort erstmals eine Rede halten.
Diese war mit großem Interesse erwartet worden. Nicht zuletzt deswegen, weil Trump die Presse regelmäßig scharf angreift und ihr vorwirft, „Fake News“ zu verbreiten. Viele rechneten mit einer langen, aber auch provokanten Ansprache. Aber dazu kam es nicht. Die Gäste aßen gerade die Vorspeise aus Frühlingserbsen und Burrata, als um 20:30 plötzlich Schüsse zu hören waren. Ein schwer bewaffneter Attentäter war in das Hotel eingedrungen. Sicherheitskräfte konnten den Angreifer überwältigen und Trump sowie weitere ranghohe Regierungsmitglieder evakuieren.
Bei der Veranstaltung waren neben Trump und seiner Frau Melania auch Vizepräsident JD Vance, Pressesprecherin Karoline Leavitt sowie mehrere Kabinettsmitglieder, darunter der Verteidigungs- und der Gesundheitsminister, anwesend. Trump nach am selben Wochenende ein Bild des überwältigten Schützen auf seinem „Truth-Social“-Account geteilt. Es zeigt den Schützen, wie er mit nacktem Oberkörper auf dem Teppichboden des Hotels liegt, die Arme hinter dem Rücken fixiert.
Wer ist der Tatverdächtige?
Laut Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Schützen um einen Einzeltäter: einen 31-Jährigen aus Los Angeles. Laut seinem vielfach von Medien zitierten LinkedIn-Profil studierte er Maschinenbau in Kalifornien und schloss im vergangenen Jahr mit einem Master ab. Er arbeitete demnach als Nachhilfelehrer und als Entwickler von Videospielen. Die Tatwaffen hatte er legal erworben – eine Pistole im Jahr 2023 und eine Schrotflinte im Jahr 2025.
Was ist das Motiv?
Aus Ermittlerkreisen ist bekannt, dass der Schütze vor der Tat eine Art Manifest an Familienangehörige verschickte. Er schreibt über seine Ablehnung gegenüber der US-Regierung und dass er ihre Vertreter „vom höchstrangigen bis zum niedrigsten" ins Visier nehmen wollte. Trump wird in dem Schreiben nicht namentlich genannt, aber es gibt klare Bezüge zu ihm. Er wird unter anderem als „Verräter“ bezeichnet, der „Verbrechen“ begehe. Laut einem Bericht der „New York Times“ kritisiert der Schütze eine Reihe von Maßnahmen der US-Regierung. Darunter Gewaltvorfälle in Flüchtlingslagern, Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik sowie den tödlichen Angriff auf eine Schule im Iran. All dies, so der Schütze, sei „kein christliches Verhalten.“
Schlampige Sicherheitsvorkehrungen
In seinem Manifest wundert sich der Mann außerdem, wie locker die Sicherheitsvorkehrungen im Hotel waren. Vor dem Attentat nahm der Verdächtige den Zug nach Washington und checkte als Gast in dem Hilton-Hotel ein. Auch geladene Journalisten und Journalistinnen hatten sich gewundert, wie schwach die Sicherheitsvorkehrungen waren. Erst unmittelbar vor dem Ballsaal, in dem das Dinner stattfand, gab es Schleusen mit Metalldetektoren.
Trump will eigenen Ballsaal bauen
Trump entging bereits im Juli 2024 nur knapp der Kugel eines mutmaßlichen Attentäters. Bereits damals entbrannte eine Debatte darüber, ob die Sicherheitsvorkehrungen rund um den damaligen Präsidentschaftskandidaten ausreichend sind. Sicher ist: Das White House Correspondents’ Dinner wird wohl so bald nicht mehr in einem Hotel stattfinden – und wenn, dann, mit deutlich besseren Sicherheitsvorkehrungen. Noch am Wochenende schlug Trump eine neue Location vor, die ihm schon länger vorschwebt. Er will den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen lassen, um dort für 400 Millionen Euro einen riesigen Ballsaal errichten zu lassen. Trump nennt es „das beste Gebäude seiner Art auf der ganzen Welt“ und will es vollständig mit Spenden, nicht mit Steuergeld, bezahlen. Ein US-Bundesgericht hat den Bau allerdings vorläufig gestoppt. Jetzt nutzt Trump das Attentat vom Wochenende, um Werbung für den Bau zu machen.