Zwei Polizisten stehen vor dem Gatter der russischen Botschaft in Wien.
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Wen Russland mit seinen Spionageanlagen in Wien abhört

Österreich hat drei Diplomaten Russlands ausgewiesen. Es geht um russische Abhöranlagen in Wien. Wen spioniert Moskau damit aus?

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Es ist ein Gewirr aus Antennen, das drei russische Botschaftsmitarbeiter ihre Posten gekostet hat: Auf den Dächern der russischen Botschaft in Wien im Bezirk Landstraße und einer russischen Diplomatensiedlung in Wien Donaustadt stehen Spionageanlagen, die den internationalen Datenverkehr anzapfen. Nun hat Österreich die drei Mitarbeiter, die angeblich an der russischen Satellitenspionage beteiligt gewesen sein sollen, ausgewiesen.

Doch wen spioniert Russland mit diesen Anlagen eigentlich genau aus?

Abhörziele: UN und Afrika

Eine von der Straße nicht sichtbare Antenne der russischen Botschaft und alle Anlagen der Diplomatensiedlung in Wien-Donaustadt sind auf Eutelsat-Satelliten gerichtet, sagt der auf Geheimdienstaktivitäten spezialisierte Journalist Erich Moechel gegenüber profil. Moechel beobachtet die Spionageanlagen Russlands schon seit mehreren Jahren und hat erst kürzlich mittels einer hochaufgelösten Karte der Wiener Magistratsabteilung 41 für Stadtvermessung analysiert, auf welche Ziele die russischen Antennen gerichtet sind.

Botschaftsgebäude von außen, rechts russische Fahne.
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Botschaftsgebäude Russlands in Wien Landstraße: Hier auf dem Dach steht eine Spionageantenne.

Über die Eutelsat-Satelliten können die russischen Abhöranlagen die Internetkommunikation afrikanischer UN-Büros mit der Uno-City in Wien und anderen internationalen Organisationen abhören. Weil die Verschlüsselung aufwendig ist, schicken UN-Büros, anders als die meisten Botschaften, ihre Kommunikation unverschlüsselt nach Österreich.

Zusätzlich lässt sich der Funkverkehr von Schiffen und Erdölbohrinseln rund um Afrika als auch von Flugzeugen abhören. Mit den restlichen Antennen kommuniziert Russland mit eigenen Vertretern in Afrika und überträgt Propaganda.

Sobald man die IMSI-Kennung einer Person hatte, konnte man auch ihren Standort ermitteln.

Erich Moechel

Experte für russische Satellitenspionage in Österreich

Auch die IMSI-Kennung (International Mobile Subscriber Identity) vieler afrikanischer Mobiltelefonnutzer lässt sich mit den Spionageanlagen absaugen. Die IMSI ist die Identifikationsnummer jedes Mobiltelefonnutzers, die auf der SIM-Karte gespeichert wird. Viele Mobilfunkfirmen in Afrika müssen aus technischen Gründen große Datensätze via Satellit überspielen, nebenbei werden auch die Standortdaten der Nutzer übertragen. Russland hört mit. Das ist eine begehrte Information, weiß Moechel: „Die USA haben diese Infos ebenfalls in ihrem Drohnenkrieg im ‚War on Terror‘ genutzt. Sobald man die IMSI-Kennung einer Person hatte, konnte man auch ihren Standort ermitteln.“ 

Österreich zögerte bei Ausweisungen

Die DSN soll das Außenministerium laut profil-Informationen mehrmals aufgefordert haben, den Druck auf Russland zu erhöhen, die Abhöranlage abzubauen, und notfalls Diplomaten auszuweisen. Es gebe eine Liste an elf Personen, die als Techniker mit der Instandhaltung der Spionageanlage betraut sind, so dieselbe Quelle.

Schild mit der Aufschrift "Botschaft der russischen Föderation"
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Spionage ist hierzulande nur strafbar, wenn sie sich gegen die Interessen der Republik Österreich richtet.

Insgesamt braucht es für die Wartung der Antennen und die Bedienung der dazugehörigen Computernetzwerke rund 25 Personen, schätzt Moechel. Diese Anlagen können große Mengen an Daten vorsortieren und werden mittels Glasfaserverbindung weiter nach Russland geschickt. Die nun ausgewiesenen Personen, die Österreich mittlerweile verlassen haben, waren als Diplomaten akkreditiert, so das Außenministerium auf profil-Anfrage. Es handelt sich also nicht, wie teilweise medial spekuliert, um „technisch-administratives“ Botschaftspersonal, dessen diplomatischer Schutz geringer ist als der akkreditierter Diplomaten.

Moechel geht davon aus, dass es sich höchstwahrscheinlich um hochrangige Agenten des russischen Außenaufklärungsdienstes SWR handelt. Dem Außenministerium liegen aktuell keine „keine definitiven Informationen“ dazu vor, ob die ausgewiesenen Personen für den SWR tätig waren, heißt es auf Anfrage.

Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin vor russischer Flagge, er geht nach rechts mit einer roten Mappe in der Hand.
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SWR-Chef Sergei Naryschkin

Mehrere russische Geheimdienste, darunter auch der SWR, sind mit der Satellitenspionage betreut. Neben Wien verfügt Russland auch in anderen Städten Europas, darunter Madrid und Berlin, über ähnliche Abhöranlagen. In Österreich soll Russland laut einem Bericht von „ORF Wien“ auf österreichischen Druck bereits Abhöranlagen abgebaut haben.

Österreich, das seit Beginn des Ukraine-Krieges 14 russische Diplomaten ausgewiesen hat, muss damit rechnen, dass als Reaktion nun ebenfalls österreichische Mitarbeiter der Moskauer Botschaft zu „persona non grata“ erklärt werden.

Raphael  Bossniak

Raphael Bossniak

ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.