Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega bei der Feier zum 47. Jahrestag der sandinistischen Revolution
Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega bei der Feier zum 47. Jahrestag der sandinistischen Revolution
Daniel Ortega oder wie kleidet man sich, wenn man eine Diktatur ausruft?
Das weiße Hemd. Blütenweiß steht für die Makellosigkeit, mit der Daniel Ortega den Übergang von einer linken Revolutionsbewegung zu einer beispielhaften Diktatur hingekriegt hat (mit einem Zwischenstopp in einer halbwegs demokratischen Republik). Das krawattenlose Hemd mit offenem Knopf ist schnörkellos wie Ortegas Botschaft an sein Volk: „Sie können es vergessen, hier in Nicaragua wird es keine Wahl mehr geben!“
Die burgunderrote Jacke. Die sportliche Freizeitjacke anstelle Ortegas alter, olivgrüner Kommandanten-Uniform signalisiert zivile Milde: Es muss keine Militärdiktatur sein, eine Diktatur tut es auch! Die diskreten Epauletten als Accessoires wiederum lassen alle Optionen offen. Zudem ist die Jacke ebenso proletarisch (so was kann sich nun wirklich jeder leisten) wie internationalistisch, denn dergleichen findet man im Herrenbekleidungsgeschäft am Stadtrand von Managua ebenso wie am Wühltisch in einem beliebigen Primark. In diesem lässigen Golden-Agers-Look macht man im Rentneralter gute Figur, auch wenn man wie Ortega mittels Ausschaltung freier Wahlen noch eine unlimitierte Amtszeit dranhängt. Die Farbe Burgunderrot ist eine bestechende Wahl, sie ist „sanfter als leuchtendes Rot und zugleich markanter als neutrales Schwarz“, schwärmt das Modemagazin „Vogue“. Vielleicht noch wichtiger: Sie ist historisch die Farbe der Herrscher.
Der Schnauzer. Wer wie Ortega mal gegen eine nicaraguanische Diktatur gekämpft hat (die von Anastasio Somoza, gestürzt 1979) und mal dafür (aktuell, die eigene), braucht ein ästhetisches Element der Kontinuität. Seine legendären übergroßen Brillen legte der Fehlsichtige ab, geblieben aber ist der Schnauzer. Was das Soli-Shirt für den Internacionalista, ist der Schnurrbart für den lateinamerikanischen Potentaten. Pinochet (Chile), Stroessner (Paraguay), Maduro (Venezuela) – jeder interpretierte ihn auf seine Weise. Ein todschicker Klassiker.
Die Kappe. Ab 80 gilt eine Schirmkappe als flott. Das Logo „República de Nicaragua“ erinnert neckisch daran, dass es in dem Land entsprechend den Grundsätzen einer Republik tatsächlich mal Wahlen gab, die Machtwechsel zur Folge hatten. 1990 etwa, als Ortega gegen die Oppositionelle Violeta Chamorro verlor. Apart!
Bewertung: 11 von 10