Detail einer Skulptur mit einer Figur in aufwändiger Kleidung und Perlenketten vor einem Schild, darüber eine Schlange und eine Hand
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Die Kaisergruft, Grablege der Habsburger, verborgen hinter einem schlichten Torbogen am Neuen Markt im 1. Wiener Gemeindebezirk, birgt die sterblichen Überreste einer Dynastie, die über sechs Jahrhunderte lang die europäische Geschichte prägte.

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Von Joseph Roth romanhaft verdichtet zum zentralen Erinnerungsort eines untergegangenen Reiches, ist sie bis heute ein Fixpunkt im österreichischen kulturellen Gedächtnis.

Am Anfang der Kaisergruft steht eine Frau. 

Maria Anna von Tirol (1585–1618), die tiefreligiöse Ehefrau von Kaiser Matthias, stiftete das Kapuzinerkloster samt Grablege 1618 für sich und ihren Mann. Ihr folgten bis heute 119 Männer und 30 Frauen in die Gruft, darunter so einflussreiche wie Kaiserin Maria Theresia (1717–1780), die den Spagat zwischen politischer Herrschaft und 16 Geburten zu bewältigen hatte und für ihre häufigen Besuche am Grab ihres Gemahls Franz Stephan einen handbetriebenen Aufzug in die Gruft einbauen ließ.

Wenige Schritte entfernt ruht Kaiserin Elisabeth (1837–1898), die die Kapuzinergruft mehrfach in Gedichten verarbeitet hat.

An meinen Haaren möchte ich sterben, notierte Elisabeth Ende der 1880er-Jahre. Das tägliche stundenlange Frisieren war ihr eine Last und gab ihr kreativen Freiraum zugleich. Sie nutzte die Zeit des Stillsitzens zum Erlernen von Alt- und Neugriechisch. Um unbemerkt Städte, Straßencafés und Buchhandlungen zu erkunden, ließ sie ihre Friseurin dann und wann auch als Double auftreten.

Auf einem ihrer anonymen Streifzüge ereilte Kaiserin Elisabeth 1898 der Tod durch die Feile Luigi Luchenis an der Uferpromenade in Genf. Ihr Begräbnis in der Kapuzinergruft war ein Medienereignis, das Mark Twain vom Fenster seines Hotels am Neuen Markt aus verfolgte und kommentierte.

Weit weniger bekannt ist das Schicksal von Elisabeths Schwägerin Maria Annunziata (1843–1871), Prinzessin von Sizilien. Geboren in eine Welt im Umbruch, die Luchino Visconti in „Il Gattopardo“ filmisch einfing, musste sie mit ihrer Familie vor Garibaldis Truppen nach Rom fliehen, wo sie, staatenlos, Erzherzog Carl Ludwig, den Bruder Kaiser Franz Josephs, heiratete.

Fast vergessen, steht das Schicksal der mit nur 28 Jahren verstorbenen Erzherzogin Maria Annunziata stellvertretend für die überwältigende Mehrheit der hier beerdigten Frauen, die zu Lebzeiten die Dynastie der Habsburger und das Wiener Hofleben prägten und durch ihre familiären Netzwerke mit ganz Europa verbanden. Ihre Geschichte gilt es in der Kapuzinergruft zu entdecken.