Geschwungene digitale Datenstraße mit leuchtenden Zahlen und Buchstaben auf dunklem Hintergrund
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Zwei vom WWTF geförderte Forschungsprojekte sollen die Forschung mit Registerdaten erleichtern.

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Wir machen aus Daten Erkenntnisse“, sagte Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, als sie ankündigte, dass das Austrian Micro Data Center künftig an die zentrale Datendrehscheibe dadeX angeschlossen sein wird. Warum, ist leicht erklärt: Seit der Regierungszeit von Joseph II. werden in Österreich die sogenannten Registerdaten erfasst. Dabei handelt es sich um Sammlungen diverser Informationen über die Bürger*innen, die der Staat für administrative Tätigkeiten benötigt. „Registerdaten ermöglichen den Zugang zu detaillierten Informationen über die Merkmale von Individuen und Unternehmen und decken dabei die gesamte Population ab“, sagt Prof. Jesús Crespo Cuaresma von der WU Wien. „In dieser Hinsicht liefern sie das umfassendste und detaillierteste Bild eines Landes, das uns zur Verfügung steht.“ Und genau das macht sie für die Forschung so interessant, da sie Informationen – auch über längere Zeiträume – liefern, die sonst kaum erhebbar wären. Bislang konnten Forschende zwar schon auf einen Teil der Registerdaten zugreifen, allerdings nach einer langwierigen Bewerbung. Durch den jüngsten Beschluss der Bundesregierung sollten alle Daten veröffentlicht werden und Wissenschafter*innen einfacher zur Verfügung stehen. 

Mann mit grauem Haar und schwarzer Brille lächelt frontal in die Kamera
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Prof. Jesús Crespo Cuaresma, WU Wien

Hilfestellung

Dabei ergibt sich ein Problem. „Registerdaten wurden allerdings nicht für die Forschung, sondern für administrative Prozesse produziert“, erklärt Dr. Monika Mühlböck vom Institut für Höhere Studien (IHS). „Es ist nicht die Art von Forschungsdokumentation, die Wissenschafter*innen im Allgemeinen gewohnt sind.“ Um hier Abhilfe zu schaffen, schrieb der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) einen Call namens DARE (Data Research) aus. Dieser fördert Projekte, die gute Datenpraktiken in der Forschung unterstützen, indem sie übertragbare Anwendungen für eine breitere wissenschaftliche Nutzung über einzelne Projekte hinaus erarbeiten. „Unsere Idee ist, sich zu überlegen, welche Daten und Variablen in sozialwissenschaftlichen Projekten am häufigsten benötigt werden“, so Monika Mühlböck. „Und daraus resultierend eine Verknüpfung zwischen den Registern zu erstellen, sodass man unterschiedliche Informationen zu einer Person bekommt.“ In ihrem vom WWTF geförderten Projekt erarbeitet sie gemeinsam mit Nadia Steiber von der Uni Wien einen Code, der die gewünschten Registerdaten über mehrere Jahre hinweg verknüpft. Mühlböck: „So erhalten Forscher*innen Informationen zur Entwicklung von Haushalten, die sie nur noch auf ihre Projekte anpassen müssen.“ Für die Politikwissenschafterin ist es essenziell, dass alle Registerdaten zugänglich gemacht werden müssen. „Der politische Wille und die Priorisierung in den Ministerien dürfen dafür nicht ausschlaggebend sein“, sagt sie. „Denken wir an Corona: In Krisenzeiten braucht die Regierung schnell bestimmte Informationen, um eine evidenzbasierte Politik betreiben zu können, allein das ist ein Grund, Registerdaten für die Wissenschaft zu öffnen.“ 

Porträt einer lächelnden Frau mit zusammengebundenem Haar vor hellem Hintergrund
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Dr. Monika Mühlböck, Institut für Höhere Studien

Weitergedacht 

Auch Jesús Crespo Cuaresma wird für sein Projekt vom WWTF gefördert. Ihm geht es um die Verbesserung der sogenannten agentenbasierten Modellierung. „Sie wird seit Langem etwa in der Epidemiologie, Ökologie oder den Computerwissenschaften eingesetzt“, sagt der Wirtschaftswissenschafter. „Mit ihr können das Verhalten wirtschaftlicher Akteure sowie deren Interaktionen realistischer abgebildet werden als mit vielen klassischen analytischen Instrumenten der ökonomischen Theorie.“ Vor allem bei heterogenen Reaktionen, also wie verschiedene Personen oder Unternehmen unterschiedlich auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren, ist die agentenbasierte Modellierung besonders aussagekräftig. Allerdings benötigt man dafür Daten, die eine Verteilung wirtschaftlicher Ergebnisse über Individuen hinweg erklären – etwa nach Alter, Bildungsstand, Geschlecht, Beruf oder Wohnort –, und bei Unternehmen beispielsweise nach Größe, Branche oder Exponiertheit gegenüber dem internationalen Wettbewerb. Diese Komplexität macht ihre Programmierung und Schätzung zeit- und rechenintensiv. „Ziel unseres Projekts ist, eine Plattform bereitzustellen, über die potenzielle Nutzer*innen bestehende agentenbasierte Modellstrukturen für Österreich benutzerfreundlich verwenden können“, so Crespo Cuaresma. „Neben der Darstellung, wie makroökonomische Variablen innerhalb bestehender agentenbasierter Strukturen auf politische Schocks reagieren, soll die Plattform auch Zugang zu den zugrunde liegenden Codes ermöglichen.“ So sollen wichtige positive Spill-over-Effekte entstehen, indem die in Wien betriebene Forschung zu agentenbasierter Modellierung in den Sozialwissenschaften international stärker verbreitet wird. „Auf administrative Daten zuzugreifen, bedeutet einen Quantensprung für die rigorose wissenschaftliche Analyse“, betont der Wirtschaftswissenschafter. „Wird ihr Zugang weiter erleichtert, können wir die Zahl der Forschungsfragen, die sich beantworten lassen, deutlich ausweiten.“