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04/21/2021

Covid-19-Impfung: Run auf Risiko-Atteste

Wiener Ärztin stöhnt unter Anträgen und sagt: Öffnen wir Impfung für alle. Aufwand rechtfertigt die Priorisierung nicht mehr.

von Clemens Neuhold

Die praktische Ärztin in Wien Ottakring, Irene Lachawitz, erstickt in Anfragen nach Risiko-Attesten. Damit können sich all jene, die zur "Risikogruppe" zählen, in einer Impfstraße immunisieren lassen. Das gilt auch für psychisch Kranke. Beides macht den potenziellen Impf-Kreis schon sehr groß.

„Ich bleibe derzeit täglich zwei Stünden länger in der Praxis“, erzählt sie. „Statt diese Zeit für Risiko-Atteste aufzuwenden, würde sie Patienten lieber gezielt zur Impfung einladen. „Viele wissen gar nicht, dass sie längst dran wären oder kennen sich beim Anmelden auf der Impfplattform nicht aus. Das gilt besonders für meine Patienten mit Migrationshintergrund.“ Für diese hätte sie gerne mehr Zeit.

Migranten schlechter informiert

Weil die Impfung aber noch nicht für alle offen ist, muss sie sich an die Priorisierung halten und ist in erster Linie mit Attesten für die gut Informierten beschäftigt. Bei psychisch Kranken sollte der Vorrang Schizophrenen, schwer Depressiven oder Menschen mit einer bipolaren Störung gelten. Doch alle Depressiven in Behandlung sind zur Impfung zugelassen und werden beim Arzt nicht abgewiesen. „Wer nimmt in Wien kein Antidepressivum?“, sagt Lachawitz absichtlich überspitzt. In die allgemeine Risikogruppe würden bereits Asthmatiker oder Menschen mit einem Body-Mass-Index über 30 fallen. „Hören wir langsam mit der Priorisierung auf, sie rechtfertigt den Aufwand nicht mehr.“

Ihre ersten Impfdosen erhält Lachawitz nächste Woche. Ab dann sollte das Impfen bei den niedergelassenen Ärzten in Wien so richtig losgehen. Spätestens dann plädiert sie für eine Öffnung für alle. Fürchtet sie dann keinen Ansturm? „Selbst wenn“, sagt sie, „es sollen ja alle geimpft werden und dann liegt es an uns, flexibel zu priorisieren und einen älteren Asthmatiker einem jungen vorzuziehen“.

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