Andreas Babler, Christian Stocker, Beate Meinl-Reisinger
Andreas Babler, Christian Stocker, Beate Meinl-Reisinger
Die kleinen Freuden: Lichtblicke im Jahr 2026
Beginnen wir mit einem Thema, das politisch erstaunlich lange ignoriert wurde, obwohl es die Hälfte der Bevölkerung betrifft.
Entlastung für Frauen
Periodenprodukte und Verhütungsmittel werden ab 2026 billiger. Nicht, weil Hersteller plötzlich altruistisch werden, sondern weil der Staat endlich auf die Idee kommt, die Umsatzsteuer darauf zu streichen. Tampons, Binden, Kondome, die Pille - alles steuerfrei.
2021 wurde die Steuer auf Periodenprodukte bereits von 20 auf 10 Prozent halbiert. Im neuen Jahr sind diese Produkte völlig von der Steuer befreit. Gestrichen wird auch die 20-prozentige Steuer auf Kondome, die Pille, Spiralen, Verhütungsstäbchen oder Hormonpflaster.
Das ist kein revolutionärer Akt, sondern eine überfällige Korrektur. Aber immerhin: Wer regelmäßig einkauft, wird es merken. Und manchmal sind es genau diese kleinen Entlastungen, die den Unterschied machen zwischen Ärger und Schulterzucken an der Supermarktkassa.
Entlastung beim Strom
Der zweite Lichtblick kommt aus der Steckdose. Strom wird für Haushalte günstiger. Die Elektrizitätsabgabe wird auf den EU-Mindestsatz gesenkt – von 1,5 Cent pro Kilowattstunde auf 0,1 Cent. Das soll die Stromkosten drücken und die Inflation einbremsen. Finanziert wird das Ganze aus Sonderausschüttungen und Rücklagen staatlicher Unternehmen und kostet insgesamt rund 500 Millionen Euro.
Natürlich: Netzgebühren bleiben, regionale Unterschiede auch. Und nein, niemand wird jubelnd die Jahresabrechnung einrahmen. Aber nach Jahren, in denen Energiepreise vor allem ein Synonym für Schockstarre waren, ist es zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Reparieren statt Wegwerfen
Drittens: Reparieren statt Wegwerfen wird wieder attraktiver. 2026 kommt eine neue Reparaturförderung, die kaputte Waschmaschinen, Laptops oder Kaffeemaschinen ein bisschen weniger schmerzhaft macht. Die neue „Geräte-Retter-Prämie“ ersetzt den ausgelaufenen Reparaturbonus. Bis zu 130 Euro Zuschuss sind drin.
Das ist keine große Industriepolitik, aber ein pragmatischer Ansatz: Dinge länger nutzen, statt sie bei der ersten Fehlermeldung zu entsorgen. Gut fürs Gewissen, gut für alle, die ohnehin schon das Gefühl haben, dass alles ständig neu gekauft werden muss.
Entlastung beim Wohnen
Und dann ist da noch der Wohnbereich - traditionell kein Ort für gute Nachrichten. Bereits im Frühjahr hatte die Bundesregierung eine Aussetzung der Mieterhöhung bei geregelten Mieten, also vor allem im Altbau und Gemeindebau, beschlossen. Im Herbst einigten sich ÖVP, SPÖ und Neos schließlich auch auf eine Mietpreisbremse für ungeregelte Mietverhältnisse. Steigt die Inflation über drei Prozent, greift künftig eine Art politischer Dämpfer. Vier Prozent Inflation würden also nicht vier Prozent mehr Miete bedeuten, sondern rund 3,5. Bei sechs Prozent wären es etwa 4,5. Mehr als einmal im Jahr erhöhen geht außerdem nicht mehr. Das neue Modell soll für bestehende ebenso wie für neue Mietverträge gelten.
Heuer wurden Mieterhöhungen überhaupt ausgesetzt, 2026 dürfen die Mieten maximal um ein Prozent steigen, 2027 um zwei. Ab 2028 gilt dann auch für geregelte Mietverhältnisse dieselbe Drei-Prozent-Regel wie für freie.
Die Mietpreisdeckelung ist kein Wundermittel, sie löst die Wohnkrise nicht, und sie hilft nicht allen gleichermaßen. Aber sie verhindert zumindest, dass die Mieten im nächsten Jahr wieder ungebremst davon galoppieren. In Zeiten, in denen „leistbar wohnen“ oft wie ein nostalgischer Begriff aus den 1990ern klingt, ist selbst das schon etwas.
Natürlich wäre es unseriös, diese Punkte als Wendepunkt zu verkaufen. 2026 wird kein Jahr der großen Entspannung. Aber vielleicht eines, in dem nicht alles gleichzeitig teurer wird. Und manchmal ist das schon ein kleiner Lichtblick.