Bunte Häuser bedeckt mit Schnee in einer Küstenstadt mit Bergen im Hintergrund.
Grönland: Die ungewisse Zukunft der Insel
Wenn man Aqqalu Jerimiassen fragt, ob er Angst vor Donald Trump hat, dann schickt der 39-Jährige ein Foto. Es zeigt ihn selbst auf einem Protest. Der 39-Jährige trägt eine dicke Winterjacke und schreit sich die Seele aus dem Leib. In der Hand hält er die rot-weiße Flagge seines Landes.
Jerimiassen ist einer von 31 Abgeordneten im Inatsisartut, dem Parlament Grönlands. Er lebt in Avannaata, einer der nördlichsten Kommunen der Welt. Wenn er nach Nuuk, in die Hauptstadt will, muss er das Flugzeug nehmen.
Dort, in Nuuk, hat sich Jerimiassen auch den Protesten vor dem US-Konsulat angeschlossen. „Donald Trump ist völlig unberechenbar. Je nachdem, mit welchen Fuß er am Morgen aufsteht. Ich traue seinen Worten nicht", schreibt er an profil.
Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Lesen Sie hier die profil-Analyse) ging erstmals ein tiefer Seufzer durch Europa. Trump ließ sich von NATO-Generalsekretär Mark Rutte besänftigen. Der Rahmen für ein Abkommen wurde gelegt.
Zuvor hatte Trump gedroht, Grönland, wenn nötig, mit Gewalt einzunehmen. Gegen europäische Länder, die sich ihm in den Weg stellen, wollte er Zölle verhängen. Damit stellte er die NATO vor ein Dilemma. Grönland gehört völkerrechtlich zu Dänemark. Dass NATO-Länder einander gegenseitig angreifen hat es noch nie gegeben. Willkommen in der neuen, verrückten Weltordnung! (Lesen Sie hier meinen Kommentar dazu)
Jetzt wird verhandelt. Aber worüber?
Die gute Nachricht: Trump zieht erstmals Verhandlungen vor. Letzte Woche traf sich eine Arbeitsgruppe mit ranghohen Vertretern aus den USA, Grönland und Dänemark für Gespräche. US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich nach dem Treffen zuversichtlich und erklärte: „Ich denke, wir werden das schaffen.“ Weitere Details nannte er nicht.
Aqqalu Jerimiassen, der Abgeordnete, kennt den konkreten Inhalt des Abkommens nicht. Die Verhandlungen führt der Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen. Er ist 34 Jahre alt und erst seit kurzer Zeit im Amt. Einen Beitritt zu den USA hat er kategorisch ausgeschlossen. „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssen, dann entscheiden wir uns für Dänemark“, lautet ein Zitat von ihm.
Unabhängigkeit auf Eis
Dabei hatte es in den Jahren davor eine Debatte gegeben, ob sich Grönland für unabhängig erklären sollte. Atassut, die Partei von Aqqalu Jerimiassen, hatte ein solches Szenario stets abgelehnt und dazu aufgerufen, sich nicht zu vorschnell von Dänemark zu lösen. „Wir sind zu klein, um unabhängig zu sein. Sonst kommen mächtigere Länder, annektieren uns und übernehmen die Regierung“, sagt ein weiterer Atassut-Politiker im Gespräch mit profil. Zumindest diesbezüglich, sagt er, gebe es jetzt Einigkeit auf der Insel.
„Wir stehen Seite an Seite und zusammen. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir Grönländer sind. Und wir haben keine Angst vor Trump“, so der Appell des Politikers. Wir werden sehen, ob sich die USA davon beeindrucken lassen.