Hofreitschule
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Spanischen Hofreitschule, Michael Enzinger, die neue Chefin der Spanischen Hofreitschule Alexandra Kaszay, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und ein Lipizzaner.
Hofreitschule: Sonderprüfung endet mit Blamage
Alexandra Kaszay hätte sich einen besseren Start verdient gehabt. Dass bei ihrer Antritts-Pressekonferenz eine ganze Reihe von Fragen zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Revisionsberichten und anderen offenen Rechnungen gestellt wurden, hätten Eigentümervertreter Norbert Totschnig (ÖVP) und Aufsichtsratschef Michael Enzinger leicht verhindern können.
Bevor ich Ihnen erzähle, warum so viele Fragen offen sind, eine Ultrakurzfassung der Ereignisse (Ich habe hier, hier und hier schon darüber geschrieben): Im Sommer 2025 hatte ein Whistleblower schwere Vorwürfe wegen falscher Reisekosten- und Spesenabrechnungen gegen den früheren Hofreitschulchef Alfred Hudler erhoben. Wie eine Untersuchung durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer später ergab, war an den Vorwürfen nichts dran (auch die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen deswegen inzwischen eingestellt). Dennoch drängte Johannes Abentung, Generalsekretär im Landwirtschaftsministerium, vehement auf eine Entlassung Hudlers.
Jetzt kommt der Plottwist: Bei der Überprüfung der Spesen stellte Alfred Hudler Schlampereien in der Finanzabteilung fest und ließ diese auf Herz und Nieren prüfen. Dabei stellte sich heraus, dass der langjährige Leiter der Finanzabteilung offene Rechnungen im Ausmaß von 700.000 Euro nicht gezahlt hatte. Er hatte das Unternehmen im Sommer 2025 verlassen, kurz nachdem die Spesen-Vorwürfe lanciert wurden.
Die Rechnungen werden zwar umgehend beglichen. Der Aufsichtsrat entlässt Hudler auf Druck des Ministeriums dennoch wegen „gravierender Verfehlungen“. Er habe den Leiter der Finanzabteilung nicht ausreichend kontrolliert.
Johannes Abentung – er hatte Strafanzeige gegen Hudler eingebracht – hat dazu am 23. Jänner 2026 Fragen der Staatsanwaltschaft beantwortet. Die Umstände der nicht bezahlten Rechnungen konnten laut Abentung im Zuge einer Prüfung der Internen Revision geklärt werden. Ob sich daraus strafrechtlich relevante Vorwürfe ergeben, beantwortet Abentung mit „Nein“. Ob irgendwelche strafrechtlichen Handlungen oder Malversationen von Hudler festgestellt werden konnten? Abentungs Antwort: „Nein“.
Die Interne Revision des Landwirtschaftsministeriums hat unglaubliche fünf Monate gebraucht, um einen Bericht darüber zu verfassen, ob sich Alfred Hudler im Zusammenhang mit den unbezahlten Rechnungen etwas zuschulden habe kommen lassen.
Der 47 Seiten umfassende Bericht der Internen Revision liegt profil vor. Wieso es fünf Monate gedauert hat, dieses Dokument zu erstellen, erschließt sich nicht. An der besonderen Sorgfalt der Verfasser kann es nicht gelegen haben. An mehreren Stellen heißt es beispielsweise, der frühere Aufsichtsrat hätte die Prüfung der Finanzabteilung im Sommer 2025 veranlasst. Tatsächlich hatte Hudler selbst den Auftrag dazu gegeben.
Bemerkenswerte Einseitigkeit
Dazu kommt eine bemerkenswerte Einseitigkeit. Dass der langjährige Leiter der Finanzabteilung Rechnungen im Ausmaß von 700.000 Euro nicht bezahlt hatte und in den Monaten vor seinem Ausscheiden etliche seiner Aufgaben vernachlässigt hatte, erklären die Prüfer des Ministeriums recht wohlwollend mit der hohen Arbeitsbelastung und dem „Druck des ehemaligen Geschäftsführers auf den vormaligen Finanzleiter“.
Die Conclusio: „Es wäre die Aufgabe des ehemaligen Geschäftsführers gewesen, die Finanzabteilung bzw. Buchhaltung insbesondere aufgrund der wachsenden Anforderungen ausreichend auszustatten.“ Dabei heißt es nur wenige Seiten davor: „Im Rahmen der Schlussbesprechung wies die interimistische Geschäftsführerin darauf hin, dass der vormalige Finanzleiter und Prokurist über eine Vollmacht für Personalthemen verfügte und sich demnach sein Personal in der Buchhaltung selbst ausgewählt hätte.“
An einer anderen Stelle notieren die Prüfer zwar eine ganze Reihe von Maßnahmen, die Hudler zur Entlastung des Finanzchefs getroffen hatte: „Auslagerung der HR-Agenden“, „Einstellung einer Controlling-Mitarbeiterin“, „Aufbau einer Kostenrechnung mit Unterstützung von Externen“, „Coaching mit dem Geschäftsführer“, „Externe Beauftragung Neuverhandlung und Neuausschreibung von Verträgen“. Aber selbst das wird Hudler zum Vorwurf gemacht. Die Entlastungsmaßnahmen „wären für den vormaligen Finanzleiter in erster Linie mit zusätzlichem Arbeits- und Zeitaufwand verbunden gewesen“, heißt es unter Berufung auf „langjährige MitarbeiterInnen“ der Hofreitschule.
Teilweise gleiten die Feststellungen beinahe schon ins Komische ab. Hudler hatte im Sommer 2025 Auszüge seiner E-Mail-Korrespondenz mit dem Finanzleiter vorgelegt, um zu dokumentieren, dass er dessen Arbeit sehr wohl kontrolliert hatte. Zu dem Mailverkehr „ist kritisch anzumerken, dass dieser sehr einseitig ist. Bis auf wenige Ausnahmen sind keine Antwortmails vom vormaligen Finanzleiter enthalten.“ Allerdings hatte niemand jemals nach den Antwortmails gefragt. Alfred Hudler hat überhaupt keine Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen.
Anfang März hat der ermittelnde Polizist an die Staatsanwaltschaft Wien in einem Zwischenbericht festgehalten: „Angemerkt werden darf, dass bei Durchsicht des Berichts bis dato keine zu verfolgenden Tathandlungen eruiert werden konnten.“
Ich habe Minister Totschnig bei der Pressekonferenz am Dienstag gefragt, ob das nicht eine Blamage ist. Mehr als „zu laufenden Verfahren nehme ich keine Stellung“, ist ihm leider nicht eingefallen. Aber er hatte immerhin die Gelegenheit dazu.