Langenlois gegen Schimanek: Kampf ums Forsthaus bei Kronsegg
Offiziell beginnt diese Geschichte nicht 1976, obwohl in diesem Jahr vieles seinen Anfang nahm. Offiziell beginnt sie am 1. Mai 1991. An diesem Tag wird Hans Jörg Schimanek senior Mieter eines Hauses, das für jeden Immobilienmakler eigentlich schwer vermittelbar wäre: zu abgelegen, zu alt, zu heruntergekommen. Das „Alte Forsthaus“ Kronsegg bei Langenlois in Niederösterreich. Mitten im Wald, erreichbar nur über eine schmale Forststraße. Das Haus selbst ist einfach beschrieben: rund 90 Quadratmeter Wohnfläche, Vorraum, Wohnküche, Wohn-Schlafzimmer, Dusche und WC, dazu Keller und Dachboden, ein Brunnen und drei Schuppen. Direkt darüber liegt die Burgruine Kronsegg, ein Ort, an dem gelegentlich Wanderer vorbeikommen und manchmal auch einzelne Heimaturlauber stehen bleiben. Hin und wieder verschlägt es aber auch Rechtsextreme in die Gegend. Die „Sächsischen Separatisten“, ein rechtsextremes Netzwerk, das vom „Tag X“ fantasierte und sich auf den Umsturz der Gesellschaft vorbereitet hatte, wollte das Forsthaus ursprünglich als Rückzugsort nutzen. Das führte auch den Verfassungsschutz dazu dem alten Haus einen Besuch abzustatten, nachdem dort im Rahmen einer Hausdurchsuchung Waffen, NS-Devotionalien, Fotos, teils auch ältere und neuere Munition in größerer Menge, dazu militärisch anmutende Ausrüstung inklusive Schalldämpfer und Tarnkleidung gefunden wurde, wurden die Mitglieder der Gruppe, darunter Jörg und Jörn Schimanek, Enkel von Hans Jörg Schimanek senior, verhaftet. Sie stehen in Dresden vor Gericht. Das allein war der Gemeinde damals noch zu wenig, um den Mietvertrag mit der Familie zu beenden. Auch die Verurteilung von Hans Jörg Schimanek junior – Vater von Jörg und Jörn – änderte daran zunächst nichts. Selbst seine spätere neuerliche Verurteilung im Jänner 2026 wegen erneuter Wiederbetätigung führte nicht dazu, dass in Langenlois jemand ernsthaft zum Telefon griff und das Thema Forsthaus auf die Tagesordnung setzte.
Es brauchte noch einen weiteren Fall.
Erst die Verurteilung von René Schimanek im März 2026 brachte Bewegung in die Sache. Der Grund war eine Todesanzeige für seinen 2024 verstorbenen Vater Hans Jörg Schimanek, in der auf der Parte ein Irminsul-Symbol verwendet wurde, ein Symbol welches auch die SS genutzt hatte. profil machte die umstrittene Todesanzeige damals öffentlich. Dieser Vertrag ist, abgesehen von einer zentralen Klausel, bemerkenswert schlicht. 2000 Schilling Miete im Monat, umgerechnet rund 145 Euro. Zuvor hatte die Familie das Haus faktisch ohne Mietzins genutzt, im Gegenzug für die Zusage von Hans Jörg Schimanek senior, das Gebäude instand zu halten. Dafür wurde über 15 Jahre kein Mietzins eingehoben. Als einziger Kündigungsgrund ist im Vertrag festgehalten, dass eine Auflösung möglich ist, wenn das Objekt nicht mehr als Hauptwohnsitz genutzt wird. In Langenlois geht man heute davon aus, dass genau dieser Punkt damals nie konsequent überprüft wurde, insbesondere die Ummeldung des Hauptwohnsitzes von Schimanek senior. Dieser dürfte noch im selben Jahr der Vertragsunterzeichnung seinen Hauptwohnsitz nach Wien verlegt haben. Zur Erinnerung: Auch in der Wohnung in Wien fanden im Zuge der Ermittlungen zu den „Sächsischen Separatisten“ Hausdurchsuchungen statt. Hintergrund für den Umzug von Schimanek senior waren damals die Ereignisse rund um seinen Sohn Hans Jörg Schimanek junior, der Anfang der 1990er-Jahre im Umfeld des verurteilten Neonazis Gottfried Küssel und der VAPO, Volkstreue außerparlamentarische Opposition, eine militante österreichische neonazistische Gruppe, als führender Neonazi aktiv war.
Nun aber gibt es ein Problem. René Schimanek bestreitet, jemals Hauptmieter des Forsthauses gewesen zu sein. Laut Bürgermeister Harald Leopold (ÖVP) soll er zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung im Forsthaus seinen Hauptwohnsitz gemeldet gehabt und diesen erst wenige Wochen später verlegt haben. Schimanek selbst wollte auf profil-Nachfrage keine Stellungnahme abgeben. Juristisch ist die Causa längst in Bewegung. Beim Bezirksgericht Krems wurde der Fall erstinstanzlich verhandelt. Dort argumentierte Schimanek erneut, nicht Hauptmieter des Hauses zu sein und daraus folge auch, dass er nicht aus einem Mietverhältnis entfernt werden könne. Hauptmieterin sei seine Mutter gewesen, so Schimanek bei Gericht, die allerdings keine Angaben zu den konkreten Mietverhältnissen machen konnte. Nach einer ersten Entscheidung liegt der Akt nun beim Landesgericht Krems, nachdem Schimanek Berufung eingelegt hatte.
Er betont außerdem auch, es habe nie einen Mietvertrag mit ihm gegeben, der ursprüngliche Vertrag sei ausschließlich auf seinen Vater gelaufen. Gleichzeitig finden sich in den Gemeindearchiven Unterlagen, die dieser Darstellung zumindest ein Stück weit entgegenwirken. In einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2001 wird festgehalten, dass Schimanek nach der Ablehnung eines Dachbodenausbaus „um die Bewilligung zum Umbau des angrenzenden Schuppens“ angesucht habe. Dadurch sollte zusätzlicher Wohnraum von rund 12,5 Quadratmetern entstehen. Zu diesem Zeitpunkt lebte er demnach bereits gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Forsthaus. Im selben Beschluss wird er ausdrücklich als „Mieter des Hauses bei der Ruine Kronsegg“ bezeichnet. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, der Umbau bewilligt. Sollte der Mietvertrag aufgelöst werden, plant die Gemeinde ein Museum aus dem Haus zu machen.
In seiner politischen Laufbahn hat Schimanek nach seiner Verurteilung immerhin selbst Konsequenzen gezogen: Er legte sein Amt als Stadtrat in Langenlois zurück und trat auch aus der FPÖ aus. Aktuell ist er im Freiheitlichen Bildungsinstitut tätig. Vonseiten der FPÖ heißt es auf profil-Nachfrage dazu, er habe sich in dieser Funktion „keinerlei Fehlverhalten geleistet“.