SPÖ-Chef Andreas Babler, Herausforderer Christian Kern und die Landeschefs Daniel Fellner, Sven Hergovich und Max Lercher
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Schönreden und schmollen: Wie die SPÖ-Putschisten ihre Niederlage verdauen

Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler hat den nächsten parteiinternen Machtkampf überstanden. Seine Kritiker in den Ländern bleiben – aber wie machen sie nach ihrer gescheiterten Machtübernahme jetzt weiter?

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Andreas Babler hat, wie es scheint, mehrere politische Leben. Nachdem er sich einst schon gegen Hans Peter Doskozil durchsetzte, gab nun auch der ehemalige Bundeskanzler Christian Kern seine Pläne auf, beim Parteitag am 7. März gegen ihn anzutreten.

Kern meinte es durchaus ernst: Er traf sich im Wiener Rathaus mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig und der Dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures. Doch die Wiener Landespartei und die Gewerkschaft verwehrten Kern die erhoffte Unterstützung. Seine Fürsprecher, die er vor allem in Niederösterreich, in Kärnten, in der Steiermark und im Burgenland fand, waren ihm nicht genug. 

Plötzlich will niemand mehr etwas mit dem gescheiterten Putschversuch zu tun gehabt haben, exemplarisch dafür steht der niederösterreichische SPÖ-Landeschef Sven Hergovich, der plötzlich erklärt, er sei „kein Freund von Personaldebatten“ und werde am Parteitag für Babler stimmen. 

Die Kritiker Bablers werden trotzdem eher nicht verstummen, wie ein profil-Rundruf zeigt. Ein Strategiewechsel steht an.

Ein Partei-Insider aus Kärnten etwa macht keinen Hehl daraus, dass sich die Genossen im Süden am Parteitag einen Gegenkandidaten zu Babler gewünscht hätten, schlägt nun aber überraschend positive Töne gegenüber der Bundespartei und ihrer Regierungsarbeit an. Dass etwa in den privaten Wohnungsmarkt eingegriffen werde, sei vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen, lobt er. Man müsse die Erfolge nur besser vermarkten.

Vorsichtige Versöhnung

Gerade in der Kärntner SPÖ ist man vor der Landtagswahl 2028 nervös: Daniel Fellner, der Langzeit-Landeshauptmann Peter Kaiser beerben wird, soll die rote Vormachtstellung im traditionell blauaffinen Bundesland verteidigen. Laut Umfragen kommt es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der FPÖ. Bablers linkes Image wird da als wenig hilfreich angesehen.

Wenn es darum gehe, „das Beste für Kärnten rauszuholen“, werde man die Bundesregierung zwar weiter kritisieren, sagt der Rote aus Kärnten. Aber: Beim Parteitag am 7. März hätte jeder antreten können – wer das nicht tue, sollte sich mit Kritik zurückhalten. Mit Personaldebatten sollte vorerst Schluss ein, so der Insider.

Wenn die Landtagswahlen – vor Kärnten wählen Oberösterreich, Tirol und Niederösterreich – nicht wie gewünscht ausgehen, „dann sollte man nicht jede Niederlage auf die Bundespartei schieben“.

Ob man sich an diese Worte erinnert, wenn es so weit ist?

Auffälliges Schweigen am Aschermittwoch

Beim Politischen Aschermittwoch der SPÖ Steiermark tat man lieber gleich so, als hätte man mit dem allen nichts zu schaffen: Fellner und sein steirischer Kollege Max Lercher erwähnten den parteiinternen Machtkampf nur am Rande. Man hätte Kern ja eingeladen, aber er habe „in letzter Sekunde abgesagt“, scherzte der steirische SPÖ-Chef etwa.

Lercher, unter Kern Bundesgeschäftsführer und später offen Unterstützer von Hans Peter Doskozils Ambitionen auf den Bundesparteivorsitz, richtete profil vorab nur aus: „Die Diskussion ist – wie wir jetzt wissen – irrelevant. Wir kümmern uns um die Lebensrealitäten der steirischen Bevölkerung und wollen nicht ständig über parteipolitische Gremien und Statuten diskutieren.“

Als eigene Niederlage wollen sich die Babler-Kritiker den Rückzug Kerns keinesfalls eingestehen. Obwohl ihm ja der ein oder andere unter ihnen zumindest gut zugeredet haben muss. Ein Roter aus einem Flächenbundesland zeigt sich im Gespräch mit profil nun sogar bitter enttäuscht vom einstigen Kanzler, den man noch vor wenigen Tagen recht offen unterstützt hatte. Er wirft ihm „mangelnde Entschlusskraft“ vor. Hätte er früher abgesagt, hätte am 7. März noch jemand anderes gegen Babler antreten können. So hat Kern möglicherweise unfreiwillig mitgeholfen, Babler einzuzementieren. 

Die Kritik, die bleibt

Auch wenn der Machtwechsel in der SPÖ vorerst vom Tisch ist, wollen die Unzufriedenen weiter über Inhalte diskutieren. Mit Bablers Kurs sei im ländlichen Raum nichts zu gewinnen, ist man überzeugt.

Dass die Attacken gegen die Parteispitze den noch relativ unbekannten Parteichefs in den Ländern dazu dienen, ihr Profil zu schärfen und Aufmerksamkeit zu erhaschen, gesteht man ein. Dennoch: Es müsse vor allem Babler sein Image verbessern – und es sei Aufgabe der Bundesparteispitze, die einstigen Doskozil-Unterstützer einzubinden. 

Immerhin, so das Resümee dieses SPÖlers, habe es im Duell Kern gegen Babler „keine so tiefen Verletzungen“ geben, wie einst beim Duell zwischen Babler und Doskozil. Die ewige Führungsdiskussion werde erst enden, wenn die SPÖ wieder erfolgreich sei, glaubt der Funktionär.

Für Erfolg auf Bundesebene war die Debatte um Kern aber nicht förderlich, kritisiert man hingegen in der Wiener Landespartei. Es habe keinen Plan gegeben, wie es mit Kern an der Spitze überhaupt weitergehen sollte: Mit 18 Prozent in Umfragen in Neuwahlen zu gehen oder die Koalition vor den Kopf zu stoßen – beides hätte wohl nicht geklappt, moniert man in der Wiener Partei. Und tatsächlich: Lösungen dafür haben die Babler-Kritiker nicht.

In Wien hofft man nun, dass Babler am Parteitag von nicht all zu vielen Delegierten gestrichen wird. 

Konstantin Auer

Konstantin Auer

seit 2025 als Projektleiter des „Frühstück“-Newsletters im Digitalteam des profil, davor bei PULS24 und Kurier. In seinen Recherchen geht es meist um soziale Ungerechtigkeiten, menschliche Abgründe und juristische Herausforderungen im Graubereich zwischen Chronik und Politik.