Hitzewarnung Burgenland: Warnstufe Rot wegen 40 Grad – Tipps, Maßnahmen und erhöhte Waldbrandgefahr.
So gefährlich ist Hitze
Ollie Jay möchte wissen: Wie viel Hitze hält der Mensch aus? Um die Frage zu beantworten, benutzt der Medizinprofessor an der University of Sydney eine Klimakammer, vier mal fünf Meter groß. Darin lassen sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung variieren, um die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu studieren.
Auch andere Labors nutzen ähnliche Kammern, um zu prüfen, wie viel Hitze wir vertragen. Relevant dabei ist nicht nur, was das Thermometer anzeigt, sondern die sogenannte Feuchtkugeltemperatur. Sie berücksichtigt neben der Temperatur in Grad Celsius den Einfluss der Luftfeuchtigkeit und damit den Umstand, dass der Körper in feuchter Umgebung weniger Hitze abgeben kann.
Wenn beispielsweise – wie momentan in Teilen Österreichs – die Temperatur bei 37 Grad liegt und die relative Luftfeuchte bei 55 Prozent, ergibt dies eine Feuchtkugeltemperatur von 29 Grad. Kritisch wird es ab 31 Grad Feuchtkugeltemperatur, und dieser Wert ist in diesen Tagen keineswegs ausgeschlossen: Bei wie prognostiziert 39 Grad und 55 Prozent Luftfeuchte wäre die Schwelle erreicht – und damit eine potenziell lebensbedrohliche Situation.
Serien von Hitzetagen
Für das kommende Wochenende wurde die höchste Warnstufe wegen extremer Hitze ausgerufen. Bereits in den Tagen davor verzeichneten Messstationen in vielen Ländern Europas, ob in Frankreich, Deutschland, Italien oder Großbritannien, Rekordwerte in dichter Abfolge. Es waren keine Einzelausschläge, sondern Abfolgen von Hitzetagen und Tropennächten. Serien von drei- oder mehrtägigen Hitzeperioden häuften sich in den vergangenen Jahrzehnten: Von rund 50 größeren Hitzewellen seit 1950 trat fast die Hälfte seit 2012 auf.
Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind längst messbar, wobei Europa als besonders betroffen gilt. Zwei bis fünf Todesfälle pro 100.000 Personen sind auf extreme Hitze zurückzuführen. Im Jahr 2024 beispielsweise starben mehr als 60.000 Menschen in Europa infolge von Hitzebelastung.
Seit langem monieren Forschende, dass die Folgen von Hitze auf den Organismus immer noch unterschätzt werden. Einer der deutlichsten Effekte ist die Vasodilatation: Die Gefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt, das Herz pumpt stärker. Ab 35 Grad verändern sich zudem die Fließeigenschaften des Blutes und die Gerinnungsneigung. Eine der größten Gefahren hoher Temperaturen betrifft denn auch das Herz, verbunden mit erhöhtem Risiko für Infarkte und Rhythmusstörungen, besonders bei Herzpatienten und älteren Personen.
Entzündung im Gehirn
Menschen, die an einer beeinträchtigten Lunge leiden, erleben in Hitzephasen ebenfalls bedrohliche Zeiten. Hier spielen auch indirekte Effekte wie eine Zunahme der Ozon- und Feinstaubbelastung eine Rolle. Hitze belastet außerdem das Gehirn, indem sie die Funktion von Nervenzellen beeinträchtigt, oxidativen Stress und kleine Entzündungen im Gehirn fördert. Weiters kann die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger werden, weshalb manche Umweltgifte eher ins Gehirn gelangen. Hoch relevant sind Hitzeperioden zudem für Schwangere, weil das Risiko von Frühgeburten steigt.
Generell sind ältere, chronisch kranke Personen sowie Kinder besonders betroffen, Städter mehr als die Landbevölkerung, sozial Schwache stärker als Menschen, die ihre Behausungen eher hitzefest gestalten können.
Was Linderung verschafft
Die relativ überschaubare Zahl an praktikablen Tipps, um die heißen Tage zu überstehen, gelten dennoch für alle: viel trinken, eventuell auch leicht gesüßtes Leitungswasser (aber keine Softdrinks); das Körpergewicht kontrollieren, um zu großen Flüssigkeitsverlust zu bemerken; die Haut immer wieder feucht benetzen; Ventilatoren benutzen; helle, luftdurchlässige Kleidung tragen; zumindest gelegentlich kühlere Räume aufsuchen, um dem Organismus Erholung zu gönnen, sei es im Keller oder im Supermarkt.
Für Mütter mit Kleinkindern hat Ollie Jay noch einen Ratschlag, streng wissenschaftlich geprüft: Feuchte, helle Tücher über Kinderwägen konnten die Temperatur um mehrere Grad senken.