Präriesalbei, Wüstenmalve, Palmlilie
Der Wassermangel des heurigen Frühlings konnte dem Trockenbeet in Tulln nichts anhaben. Präriesalbei, Wüstenmalve, Palmlilie, südafrikanische Purpurdistel, Liebesgras und Bergminze stammen aus Gebirgsregionen am Mittelmeer und aus amerikanischen Steppen. Sie überbrücken Trockenphasen problemlos, lieben die Hitze – kommen aber auch mit den Wintertemperaturen in Österreich zurecht. „Was sie allerdings nicht mögen, sind nasse Füße“, sagt Leeb.
Deshalb ließ sie beim Anlegen des Präriebeets vor vier Jahren den Boden 25 Zentimeter tief mit dem Bagger abtragen. Dann füllte sie fünf Zentimeter Kompost und zehn Zentimeter Felsbrechgut ein, eine Mischung aus Sand und kleinen Steinen, und mischte diese mit der Motorhacke kräftig durch. In die folgenden zehn Zentimeter Felsbrechgut setzte sie die Pflanzen. Bis heute wurden diese weder gedüngt noch gegossen, außer in der Anwachsphase. „Zugegeben, der Auf- wand am Anfang ist groß, danach ist er dafür umso kleiner“, sagt Leeb.
Trockenbeete ohne Drainage
Aber es geht auch einfacher. Susanne Leeb führt durch Gärten, in denen Trockenpflanzen Dürrezeiten trotzen, ohne eine komplizierte Drainage zu brauchen. Schafgarben blühen in allen Schattierungen mit Kartäusernelken, Graslilien, Natternkopf und Taglilien um die Wette.
Wenig Aufwand
Schafgarbe und Wolfsmilch kommen auch ohne Drainage aus.
Gelber Scheinsonnenhut, Wolfsmilch und Gräser sind ebenfalls robust. Dazwischen ragen die abgeblühten Riesenkugeln des Zierlauchs hervor, einer genügsamen Frühlingspflanze, die in ihrer Zwiebel hervorragend Wasser speichern kann.
Hilfe für wasserliebenden Pflanzen
Wer auf gewohnte, aber wasserliebende Stauden wie Phlox oder Hortensie nicht verzichten will, kann ihnen das Leben erleichtern. Etwas Ziegelsplitt oder Pflanzenkohle in die Erde einzuarbeiten, hebt die Speicherfähigkeit des Bodens.
Noch effektiver ist Wasserspeichergranulat, auch Hydrogel genannt. In den Boden eingebracht, speichert der natürliche Stoff Lignin, ein Abfallprodukt aus der Holzerzeugung, Wasser und gibt es in Trockenperioden langsam ab. Die Granulate halten drei bis fünf Jahre und werden mit der Zeit ökologisch abgebaut. „Damit kann man im Garten oder auf dem Balkon die Gießintervalle verlängern“, sagt Leeb.
Immer mulchen!
Blanke Erde ist in Zeiten des Klimawandels ein Tabu. Der Boden müsse immer gemulcht, also abgedeckt sein, rät Gärtnerin Leeb. Das verhindert übermäßige Verdunstung und bereichert das Bodenleben. In der Garten Tulln verwendet sie dafür Laub, Grasschnitt, gehäckselte Sträucher, und in den Präriebeeten decken die Kieselsteine ab. Auch Stroh, Hanfschäben und Heupellets, die nach dem Ausbringen und Gießen aufquellen, ergeben gute Mulchschichten. Sie sind Rindenmulch vorzuziehen, weil dieser vor dem Verkauf oft mit Fungiziden behandelt wurde.
Sortenreinen Rasen sucht man in der Gartenausstellung in Tulln hingegen vergeblich. Die Halme im Bürstenschnitt brauchen zu viel Wasser und sind deshalb nicht mehr zeitgemäß. Sie wichen Trockenrasen mit Kräutern und artenreichen Wiesen, die nur alle zwei bis drei Wochen gemäht werden. Die Gärtnerinnen und Gärtner stellen die Rasenmäher zudem etwas höher als für gewöhnlichen Rasen. Auch das verhindert schnelles Austrocknen. „Unsere Rasenflächen sind während länger anhaltenden Trockenperioden teilweise braun – und das ist okay, denn sobald wieder Niederschlag kommt, ist er wieder sattgrün“, sagt Leeb.
Ein Anblick, an den man sich in Österreich gewöhnen muss, wie Christian Böhm vom Wasserverband Lockenhaus im Burgenland kürzlich im profil-Interview sagte. Den Rasen in trockenen Jahren automatisch zu bewässern, belaste die Trinkwasserreserven enorm. „Die Mengen werden häufig unterschätzt. Durch so eine Bewässerungsanlage kann pro Nacht die Menge einer kleinen bis mittleren Poolfüllung fließen“, sagte Böhm.
Klimafitte Bäume
Was, wenn man einen klimafitten Baum pflanzen will? In Susanne Leebs Privatgarten steht ein Schlafbaum. Mit seinen fedrigen Blättern spendet er den perfekten Schatten, schwärmt sie: „Wir brauchen keinen Sonnenschirm.“ Die Baumart stammt aus Asien und hält den Winter im Osten Österreichs gut aus. Für Gärten, auch im raueren Westen Österreichs, eignen sich weitere genügsame Einwanderer wie Blasenesche, Silberlinde, Ginko, Amber oder Schnurbaum. Aber auch heimische Arten wie Blumenesche, Kornelkirsche (Dirndl), Feldahorn, Hopfenbuche, Traubeneiche oder Winterlinde haben sich als trockenresistent erwiesen.
Neuer Trend: Fugenbegrünung
Trittfester Mauerpfeffer zwischen den Pflastersteinen
Weil der Schnee im Winter zunehmend fehlt, greifen Gartengestalter immer öfter zu immergrünen Sträuchern. Lorbeerschneeball und Orangenblumen überwintern in unseren Breiten problemlos, im milden Tulln hat Susanne Leeb sogar schon Olivenbäume und Zistrosen ausgepflanzt. Ein weiterer Trend ist die Fugenbegrünung: Wer in der Garten Tulln über Pflastersteine läuft, findet in den Zwischenräumen keinen Beton, sondern trittfesten Mauerpfeffer und Stachelnüsschen. Auf frequentierten Wegen sind die Kriechpflanzen grün und kurz, abseits davon üppig und mit feinen, gelben Blüten geschmückt.