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Amoklauf in Graz: Mutmaßliche Spendenbetrügerin muss vor Gericht

Sanela G. muss vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Graz hat Anklage wegen schwerem gewerbsmäßigem Betrug eingebracht.

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Der Amoklauf von Graz jährt sich am 10. Juni zum ersten Mal. An diesem Tag betrat ein 21-Jähriger mit einem Rucksack voller Waffen und Munition das BORG Dreierschützengasse. Im dritten Stock zog er sich in einer Toilettenanlage um, rüstete sich aus und begann zu schießen. Sieben Minuten dauerte die Tat. Zehn Menschen mussten sterben, neun Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrerin. Elf weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Der Täter nahm sich noch am Tatort das Leben. Es war eines der brutalsten Gewaltverbrechen in der Geschichte der Zweiten Republik.

Auf die Tat folgte eine Welle der Solidarität. Menschen legten Blumen nieder, versammelten sich am Grazer Hauptplatz, spendeten Geld für die Hinterbliebenen. Und genau dieses Mitgefühl soll eine Frau skrupellos ausgenutzt haben. Die mittlerweile österreichweit bekannte mutmaßliche Spendenbetrügerin Sanela G. steht im Verdacht, sich nach dem Amoklauf als Angehörige von Opfern ausgegeben und auf der Plattform „GoFundMe“ ein falsches Spendenkonto eingerichtet zu haben. 

profil und das Monatsmagazin „Datum“ deckten gemeinsam auf, dass die Frau über Jahre hinweg ein komplexes Netz aus erfundenen Identitäten und Täuschungen aufgebaut haben soll. Nun hat die Staatsanwaltschaft Graz Anklage wegen schwerem gewerbsmäßigem Betrug eingebracht.

Gerichtsverfahren 

Laut Anklageschrift, die profil vorliegt, soll Sanela G. seit zumindest Mai 2024 einen Schaden von insgesamt 62.014,41 Euro verursacht haben. Allein mit dem gefälschten Spendenaufruf nach dem Grazer Amoklauf soll sie 38.524 Euro lukriert haben. Den Großteil des Geldes habe sie laut Ermittlungen für ihren eigenen Lebensunterhalt verwendet.

Doch damit nicht genug. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau auch vor, Sozialleistungen erschlichen zu haben. Sanela G. soll angegeben haben, eine Ausbildung zur Pflegeassistenz zu absolvieren, die von Mai 2024 bis Mai 2027 dauern sollte. Um Notstandshilfe und ein Pflegestipendium zu erhalten, habe sie laut Anklage gefälschte Schulbesuchsbestätigungen vorgelegt. Dazu soll sie das Datum auf der Bestätigung mehrfach manipuliert haben, um weiterhin die Sozialleistung „Notstandhilfe-Schulung“ beziehen zu können.

Sanela G. soll aus beinahe jeder noch so kleinen Gelegenheit Kapital geschlagen haben. So bot sie im Mai 2025 in einer Facebook-Gruppe für Tierschutzprojekte ein Kleid zur Versteigerung an. Der Erlös sollte angeblich gespendet werden. Eine Frau überwies ihr 30 Euro, das Kleid kam jedoch nie bei ihr an. Als die Polizei Sanela G. in der ersten Einvernahme darauf ansprach, bestritt sie zunächst überhaupt, ein Facebook-Konto zu besitzen. Erst im Zuge der Ermittlungen rund um das gefälschte Spendenkonto nach dem Grazer Amoklauf konnten die Behörden das Facebook-Profil ihr zuordnen.

Die gemeinsamen Recherchen von profil und „Datum“ deckten das Lügennetzwerk von Sanela G. auf, das sie sich über Jahrzehnte hinweg durch dutzende Online-Identitäten, erfundene Schicksale und manipulierte Dokumente aufgebaut haben soll. Nun muss sich Sanela G. vor Gericht verantworten. Die Verhandlung ist für den 21. Mai anberaumt.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.