Tankstelle
Eine Anzeigetafel der Preise für Benzin,Diesel und AdBlue an einer Tankstelle in Niederösterreich.
Amerikas Krieg, Europas Schaden
Vier Jahre ist es jetzt her, dass die Folgen des Krieges in der Ukraine zu einer Energiekrise in Europa führten. Die Preise für Öl und Gas schossen in die Höhe, und Regierungen mussten Unternehmen und Haushalten mit hunderten Milliarden Euro aushelfen.
„Spillover“, zu Deutsch so viel wie „Übertragung“, nennt man die Auswirkungen von Ereignissen auf einer Ebene oder Region auf andere Bereiche. Für Europa könnte dieser Effekt einmal mehr schmerzhaft sein.
Die Kosten sind explodiert, weil der Iran die Straße von Hormus de facto geschlossen hat. Der Seeweg zwischen dem Oman und dem Iran ist der einzige Weg hinaus aus dem Golf und damit eine der weltweit wichtigsten Engstellen für den Energietransport. Ein Großteil der Exporte aus den Golfstaaten fließt durch das Nadelöhr – fast 30 Prozent des gesamten globalen Seehandels mit Rohöl. Zumindest bis vor kurzem. Aus Angst vor iranischen Angriffen wagen sich kaum noch Schiffe durch die Meerenge.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Militäreskorten für Containerschiffe und Tanker in der Straße von Hormus angekündigt, doch dafür müssten erst die Waffen schweigen. Die Frage ist nur: Wann wird das sein?
Es droht ein Schock für Europas Wirtschaft
Im derzeit günstigsten denkbaren Szenario, in dem der Konflikt innerhalb weniger Wochen beigelegt wird, geht die EU-Kommission davon aus, dass er keine größeren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die europäische Wirtschaft haben wird. Eine „länger andauernde“ Krise hingegen, so EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis, „könnte zu einem erheblichen Schock für die Weltwirtschaft und die europäische Wirtschaft führen“. Höhere Energiepreise würden die Inflation anheizen, gleichzeitig könnten hohe Arbeitslosigkeit und ausbleibendes Wirtschaftswachstum zu Stagnation führen.
„Stagflation“ heißt diese Horrorkombination aus Krisenszenarien, und sie ist so etwas wie der Endgegner für die Stabilität von Regierungen. Geplante Vorhaben bleiben dann meist auf der Strecke, und Wirtschaftskrisen mit erhöhten Lebenskosten führen erfahrungsgemäß zum Aufstieg politischer Randparteien.
Doch das kümmert US-Präsident Donald Trump wenig. „Die kurzfristigen Ölpreise, die nach dem Ende der iranischen Atombedrohung schnell fallen werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt“, schrieb Trump am Sonntagabend, nachdem der Ölpreis auf über 100 Dollar angestiegen war, auf „Truth Social“. Und er fügte in den üblichen Großbuchstaben hinzu: „NUR NARREN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!“
Wie schlimm es für Europa wird, liegt in erster Linie daran, wie lange der Krieg andauert. Einfluss darauf hat die EU nicht. Lediglich Donald Trump kann die Frage beantworten, was es braucht, damit der Krieg endet. Womöglich kennt der US-Präsident die Antwort darauf selbst nicht, zumindest hat er die Kriegsziele in den vergangenen zehn Tagen mehrmals geändert.
Welche Folgen der Krieg im Nahen Osten auf Europa haben könnte und bereits hat, hören Sie in der aktuellen Folge des profil-Podcasts „Schlacht um Europa“.