Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 6. April droht Donald Trump dem Iran mit Militärschlägen
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Trump und Iran: Gestern Völkermord-Drohung, heute Waffenruhe

Im Iran gilt eine zweiwöchige Feuerpause. In den Tagen zuvor hatte Trump seine Rhetorik eskaliert – bis zur Völkermord-Androhung.

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Update Stand 08.04.2026 • 08:12 Uhr

Die USA und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Die Straße von Hormus – mit bestimmten Einschränkungen – für den Schiffsverkehr geöffnet werden.

Trump hatte der iranischen Führung eine Frist bis um 02:00 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gesetzt. Zuvor hatte er tagelang gedroht, den Iran "auslöschen" zu wollen. Am Dienstag, kurz vor Redaktionsschluss dieses Newsletters eskalierte Trump seine Rhetorik in ein nie dagewesenes Ausmaß. 

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Donald Trump ist dafür bekannt, das Unsagbare auszusprechen. Aber der Satz, den er gestern auf seine Social-Media-Plattform „Truth Social“ postete, überschreitet jede Grenze. Noch nie hat sich ein US-Präsident so geäußert. 

„Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation untergehen, um nie wieder auferstehen zu können. Ich will nicht, dass das passiert, aber vermutlich wird es das“, so Trump. Das sind brutale Vernichtungsfantasien, wie sie auch von einem römischen Tyrannen hätten stammen können. Trump droht nicht mehr nur dem Mullah-Regime und ihrem Nuklearprogramm, sondern allen Iranerinnen und Iranern. 

„Das Statement von Trump klingt wie eine Ankündigung von Völkermord. Das ist genozidale Sprache“, sagt der österreichische Völkerrechtler Ralph Janik. Und er gibt ein Beispiel: „Wenn ein israelischer Staatschef das gesagt hätte, würde Israel wegen Völkermords verurteilt werden.“ Denn für eine Verurteilung braucht es bekanntlich nicht nur militärisches Vorgehen, sondern auch die sprachliche Entmenschlichung des Gegners als Kollektiv. Janiks Einschätzung: Sollte Trump jemals vor dem Strafgerichtshof landen, dann hätte er es den dortigen Richterinnen und Richtern mit seinem Posting auf „Truth Social“ leicht gemacht. 

Aber das sind nur theoretische Fantasien. Denn Trump ist weder angeklagt, noch kümmert ihn das Völkerrecht im Allgemeinen. Im Gegenteil. Als US-Präsident kündigt er seit Tagen Kriegsverbrechen an. So drohte er dem Iran mit „der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke binnen weniger Stunden“. All das sind Ziele, die (anders als Nuklearanlagen) nicht rein militärisch genutzt werden, sondern auch von der iranischen Zivilbevölkerung. Trump geht noch einen Schritt weiter. Die USA würden das Land „in die Luft jagen“, wenn die dortige Führung dem Ultimatum nicht nachkomme. Dieses lautet: Teheran soll die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Straße von Hormus öffnen. Das Ultimatum lief heute Nacht um 02:00 Uhr österreichischer Zeit aus.

„Öffnet die verdammte Straße (von Hormus), ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben“, schrieb Trump am 5. April in einem weiteren Posting. 

Aber Teheran knickt nicht ein, sondern erhebt eigene Forderungen. Darunter Kriegsreparationen sowie die vollständige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen. Und nicht nur das: Die iranische Führung sucht die Konfrontation, nennt Trump „wahnhaft“ und „arrogant“. Iran sitzt am längeren Ast, wie es aussieht. Denn mit der Straße von Hormus hält das Mullah-Regime eine Trumpfkarte in der Hand. Denn die Versorgung der Welt hängt von diesem Nadelöhr ab. 

Konflikt mit unklarem Ausgang

Trump hat sich verkalkuliert. Er dachte wohl, der Krieg im Iran sei nach wenigen Tagen oder Wochen beendet. Jetzt schlittern die USA in einen Konflikt mit unklarem Ausgang für die gesamte Region. 

„Die USA hat gehofft und darauf gebaut, dass sich die Leute im Iran erheben und im Chaos des Krieges ihre Regierung stürzen“, sagt der Völkerrechtler Ralph Janik im neuen profil-Podcast „Die Schlacht um Europa“. Aber damit habe Trump den „Charakter des iranischen Regimes“ verkannt. „Solche Regime sitzen noch fester im Sattel, wenn sie unter Bedrängnis stehen“, sagt Janik. 

Und wie soll Europa jetzt damit umgehen, dass Trump das Völkerrecht mit Füßen tritt? Darum und um viele weitere Fragen geht es im neuen profil-Podcast mit dem Titel „Ist das Völkerrecht am Ende?“ Janik erzählt unter anderem, wie der Gaza-Krieg das Völkerrecht aufgeweicht hat. Er räumt aber auch mit Mythen rund um Österreichs Neutralität auf und diskutiert, wo deren Grenzen liegen. 

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.