Pedro Sánchez steht vor einer Spanien- und EU-Flagge.
Bild anzeigen
Spaniens Premier Pedro Sánchez tritt als einziger EU-Staatschef den USA selbstsicher entgegen. Porträt eines Anti-Trump.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Es sind drei Wörter des spanischen Premiers Pedro Sánchez, die US-Präsident Donald Trump sauer aufstoßen: „Nein zum Krieg!“ Der Sozialist rückt im spanischen Fernsehen aus, um die US-Luftschläge auf den Iran zu verurteilen. „Wir dürfen nicht mit dem Schicksal von Millionen Menschen russisches Roulette spielen“, sagt der spanische Staatschef. Er spricht langsam und sorgfältig, blättert bedacht durch seine Notizzettel. Es ist ein durchkalkulierter Auftritt und das neueste Aufbegehren des Premiers gegen Trump.

Wir werden jeglichen Handel mit Spanien einstellen. Wir wollen nichts mehr mit Spanien zu tun haben.

Donald Trump

US-Präsident

Dessen völkerrechtlich illegale Luftschläge auf den Iran drohen Europa in eine Wirtschaftskrise zu stürzen. Doch die EU-Staatschefs reagierten vorsichtig – wohl um notwendige US-Unterstützung für die Ukraine nicht weiter zu gefährden. Europa wirkte wie gelähmt. Nur Sánchez konterte und verbot den Amerikanern prompt, zwei wichtige Mittelmeerstützpunkte in Südspanien zu nutzen, um Attacken auf den Iran durchzuführen. Trump wütete. „Spanien verhält sich furchtbar. Wir werden jeglichen Handel mit Spanien einstellen. Wir wollen nichts mehr mit Spanien zu tun haben“, sagte der US-Präsident.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und Spaniens Premier Pedro Sánchez sitzen auf Sofas.
Bild anzeigen

Pedro Sánchez (hier mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas) erkannte Palästina offiziell als Staat an.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Parteivorsitzende der regierenden Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) Trump vor den Kopf stößt: Als Trump sich vorbehaltslos hinter Israels Krieg in Gaza stellte, sprach Sánchez von einem „Genozid“ und legte mit einer staatlichen Anerkennung Palästinas nach. Während Trumps Einwanderungsbehörde ICE Jagd auf Migranten machte, ermöglichte Spanien die Einbürgerung von rund einer halben Million illegale Einwanderer (die meisten aus Südamerika). Sánchez' Taktik scheint zu sein, sich als europäischen Anti-Trump zu inszenieren. Doch welches Kalkül steckt hinter dem Showdown mit dem US-Präsidenten?

Alte Narben

Um Sánchez‘ Haltung nachvollziehen zu können, muss man in das Jahr 2003 zurückblicken. Rund zwei Millionen Menschen protestieren damals gegen den Irak-Krieg der USA. Durch Barcelona und Madrid hallt der Lärm von Töpfen und Pfannen, die Protestierende aufeinanderschlagen. Unter ihnen ist auch der 30-jährige Sánchez, damals noch einfaches PSOE-Mitglied und als Unternehmensberater tätig.

Demozug, Plakat mit "No a la ocupacion" ist lesbar.
Bild anzeigen

„Nein zur Besatzung“: Nur in Madrid demonstrierten mehr als eine Million Menschen.

Raphael  Bossniak

Raphael Bossniak

ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.