Luftaufnahme einer Kläranlage mit mehreren runden und rechteckigen Becken sowie angrenzenden Gebäuden und Bäumen
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H2Ohhhhh: Wie Technologie den Wasserfußabdruck minimiert

Österreichs Wasserschatz ist ein elementarer Wirtschaftsstandortvorteil. Um ihn zu erhalten, setzt die heimische Industrie auf Kreislaufführung und die boomende Umwelttechnik-Branche auf Innovationen. Im internationalen Vergleich sind sie darin sogar richtig gut.

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Zweimal der Wörthersee. So viel Wasser benötigen Österreichs Industrieunternehmen im Jahr. Ob Chemie- oder Lebensmittel-, Stahl- oder Textil-, Mikroelektronik-, Pharma- oder Papierbranche: So gut wie jeder Sektor hängt an der Leitung. Rund 70 Prozent des gesamten heimischen Wasserbedarfs gehen auf die Wirtschaft. Ein relativ hoher Anteil; global betrachtet beträgt er nur zwischen 20 und 25 Prozent. Auch im Vergleich zur Landwirtschaft und den Haushalten scheinen die heimischen Unternehmen überdurchschnittlich durstig. Allein die zehn wasserintensivsten – darunter der Chemikalienhersteller Metadynea in Krems, der Stahlkonzern Voestalpine oder der Pharmariese Novartis – entnahmen nach Greenpeace-Recherchen 2024 so viel Grundwasser wie vier Millionen Österreicher:innen zusammen.

Elementare Ressource 

Selbst dort, wo Wasser nicht für die Produktion, Reinigung oder Kühlung gebraucht wird, geht in Zeiten der Dekarbonisierung ohne H₂O wenig. Viele Anlagen laufen heute (nur noch) mit Hydrostrom, Wasserkraft ist mit 60 Prozent die tragende Säule im österreichischen Strommix. So betont denn auch das Positionspapier „Standortfaktor Wasser“ der Industriellenvereinigung die ökonomische Dimension der sicheren, nachhaltigen, planbaren und kostengünstigen Verfüg- und Nutzbarkeit der Ressource Wasser: „Sie ist imperativ für den Produktionsstandort Österreich und unabdingbar zur Erreichung ambitionierter Klimaziele.“

Nicht zu vergessen: Neben den wasserintensiven Industrien sind die Sektoren „Elektrizitätserzeugung aus Wasserkraft“ sowie „Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Wasserbau“ selbst zentrale Wirtschaftsfaktoren. Im Rahmen einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica wurde etwa die volkswirtschaftliche Bedeutung von Österreichs Wasserversorgern untersucht. Allein diese schufen 2024 rund 12,5 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung. Im selben Jahr sicherte die gesamte Wasserwirtschaft – berücksichtigt man neben den direkten auch die indirekten und induzierten Effekte – laut dem Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) rund 454.000 Arbeitsplätze, einen Produktionswert von 122 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von 46 Milliarden Euro. Das entsprach rund 16 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Auch volkswirtschaftlich ist Wasser also ein Schwergewicht. 

Best Practice

Die Wirtschaft ist sich ihrer Abhängigkeit vom H₂O mehr als bewusst. Und auch ihrer Verantwortung für die elementare Ressource. Viele (Industrie-)Unternehmen setzen bereits seit Jahren auf unterschiedlichste Strategien und Technologien, um ihren Wasserfußabdruck zu reduzieren: von wasserarmen Produktions- und Reinigungsmethoden, bei denen etwa Sprüh- statt Schwallwasser eingesetzt wird, bis hin zu „Closed-Loop-Systemen“, wo (Kühl-)Wasser nach der Nutzung aufbereitet und wiederverwendet wird. 
Im BMW-Werk Steyr konnte der Wasserverbrauch zum Beispiel durch den Einsatz von Trockenabscheidung in der Lackierung und die Aufbereitung von Regenwasser signifikant reduziert werden. Das Papierindustrieunternehmen Mondi hat mit geschlossenen Kreisläufen und modernen Kläranlagen seinen Wasserverbrauch minimiert. Und SalzburgMilch berichtete Anfang 2025 von Wassereinsparungen in Höhe von fünf Millionen Litern jährlich – dank der Installation von GEA Centrifuge Water Saving Units in den Produktionshallen. Zusätzlicher Benefit: Auch die Abwassermenge wird dadurch mittel- und langfristig signifikant sinken.

Aktueller Wasserbedarf in Österreich

(insgesamt 3,14 Mrd. m3)

  • 70% Industrie und Gewerbe
  • 24% Wasserversorgung (Haushalt)
  • 4% Landwirtschaft
  • 2% Ausgewählte Dienstleistungen (u. a. Beschneiung, Golfplatzbewässerung)

Österreichische Lösungen für globalen Wasserschutz

Andritz Environment & Energy
Wertvoller Dünger
Andritz liefert Anlagen zur Behandlung von Klärschlamm – einem Nebenprodukt der Abwasserreinigung, das Stickstoff, Phosphor und andere wichtige Nährstoffe enthält. In ihnen werden die flüssigen Rückstände zu trockenem Granulat verarbeitet. Dieses kann als Dünger genutzt werden. Das reduzierte Gewicht senkt zudem die CO2-Emissionen beim Transport um bis zu 70 Prozent. 

Donau Chemie Gruppe 
Saubere Leistung
Das Unternehmen entwickelt Lösungen für die Reinigung von Trink-, Schmutz- und Abwasser. Mit dem Produkt „Donau PAC AQUACLEAR“ lassen sich etwa Mikroschadstoffe und Phosphate aus Abwasser entfernen – ohne Umbauten der Kläranlage. Das ermöglicht es den Klärwerken, zukünftige Umweltstandards schon heute zu erfüllen.

Pipelife Österreich
Volles Rohr
Die Wienerberger Tochtergesellschaft kombiniert Rohrsysteme mit digitalen Lösungen zur Leckageortung und Netzüberwachung. Mit Hilfe von „predictive maintenance“ können sanierungsbedürftige Stellen ermittelt und direkt ersetzt werden. Angesichts von teils massiven Wasserverlusten in europäischen Leitungsnetzen durch Rohrbrüche liegt hier enormes Einsparpotenzial.

Agrobiogel
Feuchte Böden
Das Start-up und BOKU-Spin-off hat ein biologisch abbaubares Hydrogel aus Holz (Retentis®) entwickelt. Mit dem Granulat vermischte Böden können bis zu 95 Prozent des einsickernden Wassers aufnehmen und so 40 Prozent an Bewässerung sparen. 

Inzwischen helfen auch KI-gestützte Analysen, Betriebsabläufe zu optimieren oder Leckagen in Echtzeit zu erkennen. Wie effizient die Bemühungen insgesamt sind, drückt sich im Anteil des Sektors Industrie & Gewerbe am tatsächlichen Wasserverbrauch aus: IV-Schätzungen zufolge liegt er „eher im einstelligen Prozentbereich“ – dank sauberer, effizienter Kreislaufführung. Gut so. Denn Österreich ist zwar vergleichsweise wasserreich. Doch dieser Schatz will bewahrt werden, stellt der Klimawandel doch selbst ein Land am Strome vor Herausforderungen. So sind zum Beispiel vier der zehn in der Greenpeace-Erhebung genannten wasserintensivsten Unternehmen in Regionen angesiedelt, in denen es bis 2050 in trockenen Jahren ein deutlich erhöhtes Risiko für Wasserknappheit geben könnte. Etwa im südlichen Wiener Becken. 

Österreich hat einen großen Standortvorteil aufgrund seiner guten Wasserversorgung. Mit umsichtigen Investitionen in die Zukunft können wir diesen Vorteil erhalten und weiter ausbauen. Auch die starke Position Österreichs im Bereich der Wassertechnologie gilt es europäisch und international zu stärken. Hier gehören wir bereits heute zur Weltspitze und sollten alles daran setzen, dass das so bleibt.

Georg Schöppl

Mann im Anzug mit grünem Krawatte steht im Freien vor unscharfem Hintergrund aus Bäumen und Weg
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Georg Schöppl, Vorstandssprecher der Bundesforste und Leiter der IV-Fokusgruppe „Standortfaktor Wasser“ über zentrale Handlungsfelder der künftigen Wasserpolitik

Wasserstress

Bereits heute leiden laut der Europäischen Umweltagentur jedes Jahr rund 20 Prozent des europäischen Territoriums und 30 Prozent der Bevölkerung unter Wasserstress. Dürren lassen die Grundwasserreserven schrumpfen. Die Wasserknappheit führt zu Ernteausfällen, höheren Kosten für die Wasser- und Energieversorgung, Produktionsdrosselungen in wasserintensiven Branchen … 

Der Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen wie Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Stromerzeugung und Industrie wird in Zukunft wohl noch deutlich schärfer. Schon in den vergangenen 100 Jahren hat sich der globale Wasserbedarf versechsfacht, 2030 wird er die verfügbaren Ressourcen um 40 Prozent überschreiten. Neben Bevölkerungs-, Konsum- und Wirtschaftswachstum ist die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz zum Treiber geworden. Bis 2050 wird die KI-Expansion laut einer Studie von Xylem und Global Water Intelligence voraussichtlich zu einem zusätzlichen Wasserbedarf von 30 Billionen Litern pro Jahr führen.

Mitte 2025 hat das EU-Parlament den zunehmenden Wasserstress „zu einer der drängendsten Herausforderungen Europas“ erklärt. Meistern will man sie  mit Hilfe der „Europäischen Strategie für Wasserresilienz“. Die Ziele: Wasserinfrastruktur modernisieren, Verbrauch senken, Wiederverwendung fördern. Als Nebeneffekt der besseren Wasserbewirtschaftung sollen EU-Unternehmen wettbewerbsfähiger werden. Dazu tragen etwa die Digitalen Produktpässe bei, die Transparenz und Effizienz in der Wassernutzung zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor und  -vorteil machen.

Zur Lösung des Problems beitragen sollen aber auch innovative Umwelt- und Wassertechnologien. Die Erwartungen sind hoch. Betrug das globale Marktvolumen dieser Zukunftsbranche 2016 noch rund 3,2 Billionen Euro, wuchs es bis heute auf über fünf Billionen an. Und Europa ist mit 40 Prozent aller Patentanmeldungen, die im Zeitraum 1992 bis 2021 im Bereich „Wassertechnik“ erfolgten, gut positioniert. Auch dank österreichischem Erfindergeist. 2021 lagen wir  auf Platz 15 der weltweiten Patentanmeldungen im Technologiebereich „Wasser & Abwasser“ und punkteten vor allem bei Innovationen zur Wasseraufbereitung, mit intelligenten Leitungssystemen und digitalen Überwachungslösungen.

Rot-weiß-roter Milliardenmarkt

Die rund 3.300 Unternehmen zählende heimische Umwelttechnik-Branche gilt jedenfalls als eine der innovativsten der Welt, ihre Technologien sind global gefragt. Die Exportquote lag 2023 bei über 80 Prozent, der Umsatz bei rund 22 Milliarden Euro, ein Anstieg um mehr als das elffache seit 2013. Und auch die Beschäftigungszahlen legten in diesem Zeitraum um 300 Prozent zu, wie aus dem Bericht „Österreichische Umwelttechnikwirtschaft 2024“ des IWI hervorgeht. 
Die Zahlen zeigen: Wirtschaftlicher Erfolg und Ressourcenschonung, Wohlstand und Klimaschutz, hochwertige Arbeitsplätze und eine Verbesserung der Lebensqualität schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Wer Wasser effizient nutzt, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil in einer Welt, in der jeder Tropfen zählt.

Text: Daniela Schuster