zu sehen ist der US-Präsident Donald Trump am 4. Januar 2026 auf dem Rückflug nach Washington, D.C. an Bord der Air Force One mit Reportern.
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Wie Dänemark in Grönland aufrüstet – Trumps Spott im Faktencheck

Donald Trump spottet über Dänemarks Grönland-Strategie. Zur Aufrüstung in der Arktis habe man „nur einen weiteren Hundeschlitten angeschafft“. Tatsächlich investiert Kopenhagen bis 2033 Milliarden. Auch, aber nicht nur in die Hundeschlitteneinheit.

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You know what Denmark did recently to boost up security on Greenland? They added one more dog sled.

Donald Trump, US-Präsident

am 4.1.2026 an Bord der Air Force One vor Journalist:innen

Größtenteils falsch

US-Präsident Donald Trump möchte sich Grönland einverleiben. Wie genau, das lassen er und seine Administration offen – während einige US-Medien berichteten, dass ein Kauf geprüft werden soll, schließt das Weiße Haus einen Militäreinsatz dezidiert nicht aus. Man brauche Grönland, aus Gründen der „nationalen Sicherheit“, wie der US-Präsident jüngst wiederholte. Nach dem völkerrechtswidrigen Eingreifen in Venezuela sagte Trump an Bord der Air Force One vor Reporterinnen und Reportern: „Wissen Sie, was Dänemark kürzlich getan hat, um die Sicherheit in Grönland zu erhöhen? Sie haben einen weiteren Hundeschlitten angeschafft“, sagte Trump. „Das ist wahr. Sie hielten das für eine großartige Maßnahme.“

Die Aussage wurde zwar zigfach in Nachrichtensendungen gespielt, wahrer wird sie deshalb aber nicht. Denn statt nur einen Hundeschlitten anzuschaffen, antwortete Dänemark mit einem milliardenschweren Verteidigungspaket. Mehr als 13,7 Milliarden US-Dollar (88 Milliarden dänische Kronen) sollen in die Sicherheit Grönlands, der Arktis und des Nordatlantiks fließen. Die Einkaufsliste: fünf neue arktische Patrouillenschiffe mit Eisbrecherfähigkeiten, hochmoderne Langstreckendrohnen, ein neues Luftüberwachungsradar in Ostgrönland.

Dazu kommen Investitionen in die Infrastruktur: Am Flughafen Kangerlussuaq soll umgebaut werden, damit künftig F-35-Kampfjets stationiert werden können. Zusätzlich hat Dänemark beschlossen, „16 weitere F-35-Kampfflugzeuge anzuschaffen, wodurch sich die Gesamtzahl der F-35-Flugzeuge der dänischen Streitkräfte auf 43 erhöht“, erklärt ein Sprecher des dänischen Verteidigungsministeriums gegenüber profil. In der Hauptstadt Nuuk soll ein neues militärisches Hauptquartier samt Marinekai entstehen. Geplant sind auch neue Spezialeinheiten, ein Untersee-Kommunikationskabel, das Warnsystem S!RENEN und im laufenden Jahr 2026 soll über eine eigene grönländische Ranger-Einheit entschieden werden.

Auch die von Trump indirekt angesprochene Sirius-Patrouille – eine traditionsreiche Hundeschlitteneinheit – soll gestärkt werden. Hier ist eine verstärkte Rekrutierung vor Ort vorgesehen. Die beiden Aufrüstungs-Abkommen, auf die sich das dänische Parlament im Vorjahr geeinigt hat, verfolgen zwei Ziele: bestehende Einheiten sollen personell und infrastrukturell verstärkt werden, gleichzeitig sollen neue militärische und technologische Fähigkeiten aufgebaut werden.

zu sehen ist das dänische Marineschiff P572 Lauge Koch, das am 8. März 2020 vor Nuuk patrouillierte.
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Dänemark rüstet in der Arktis auf

Dänemark investiert bis 2033 rund 5,6 Milliarden Euro in die militärische Sicherung Grönlands und baut dafür seine Marine, Luftüberwachung und Infrastruktur mit neuen Kriegsschiffen, Drohnen, F-35-Kapazitäten und Militärbasen aus.

„Trumps Aussage lässt komplett außer Acht, dass die Dänen sehr wohl angekündigt haben, kurz-, mittel- und langfristig entsprechende Investitionen zu tätigen“, sagt Oberst Markus Reisner, Militärexperte des österreichischen Bundesheers. Wie weit einzelne Projekte bereits fortgeschritten sind, unterscheidet sich – einige Maßnahmen befinden sich noch in Planung, andere wurden bereits angestoßen. Die arktische Spezialeinheit Sirius aufzustocken, sei kurzfristig die einfachste Maßnahme, so der Experte. Doch Trump geht es um etwas anderes: um Einfluss in der Arktis und die Schwäche europäischer Staaten, die sich militärisch kaum allein verteidigen können.

„Dänemark dient hier als Beispiel für ein europäisches Land, noch dazu ein kleines Land, das sehr eingeschränkte militärische Kapazitäten hat“, sagt Reisner. Auch milliardenschwere Aufrüstungsprogramme würden nichts daran ändern, dass Kopenhagen allein nicht die militärische Schlagkraft aufbringen könne, die für die Kontrolle einer strategisch so wichtigen Region nötig wäre.

Warum die Arktis umkämpft ist

In dieses Muster passt auch eine weitere Aussage Trumps, die er unmittelbar vor der Hundeschlitten-Bemerkung machte: Grönland sei von „russischen und chinesischen Schiffen umgeben“. Das sei weniger eine exakte Lagebeschreibung, vielmehr eine „typische rhetorische Zuspitzung, die im Kern auf eine reale strategische Verschiebung hinweist“, so Reisner. Hintergrund ist der zunehmende Wettbewerb um Einfluss in der Arktis. Durch das Abschmelzen des Polareises – eine Folge der menschengemachten Erderhitzung – wird die Region militärisch besser zugänglich. Gleichzeitig eröffnen sich neue, kürzere Seewege zwischen Europa, Asien und Nordamerika. Und diese möchte sich Trump sichern. Der US-Präsident hat dabei aber ein Problem.

Denn Russland verfüge in der Arktis über klare Vorteile. „Russland ist aufgrund seiner historischen Entwicklung und geografischen Lage derzeit die einzige Macht, die über eine ausreichende Anzahl an Eisbrechern verfügt, um diese Routen zu sichern, während China mit unglaublicher Schnelligkeit versucht, technologisch nachzuziehen“, erklärt Reisner. Die militärische Präsenz, insbesondere auch durch Atom-U-Boote, diene dabei als Signal der Stärke. Durch das Auftauchen in der „Mitte der Flugstrecke“ demonstrieren die Mächte ihre Fähigkeit, Raketen mit verkürzter Flugzeit abzufeuern, was Grönland zu einem existenziellen Vorposten der Überwachung macht. „Interkontinentalraketen würden abgefeuert nicht von den USA aus über den Atlantik anfliegen, sondern über den Nordpol, denn das ist der kürzere Weg“, erklärt Reisner das militärische Wettrüsten in der Arktis.

Die Hundeschlitten-Polemik und die Aussage, dass sich rund um Grönland russische und chinesische Schiffe tummeln, erfüllen vor allem eine politische Funktion: Sie stellen den dänischen Einfluss als unzureichend dar – und sollen als Argumentationsgrundlage für weitreichende US-Ansprüche auf Grönland dienen.

Fazit

Donald Trumps Behauptung ist größtenteils falsch. Dänemark rüstet in der Arktis und im Nordatlantik auf, insgesamt sind Anschaffungen von militärischem Gerät, Personalaufstockungen und Infrastrukturmaßnahmen von bis zu 13,7 Milliarden US-Dollar geplant. Umfasst sind darin unter anderem fünf neue Patrouillenboote mit Eisbrecherfähigkeiten, Langstreckendrohnen, ein Luftüberwachungsradar, der Ausbau des Flughafens Kangerlussuaq für F-35-Kampfjets sowie ein neues militärisches Hauptquartier in Nuuk. Zwar wird auch die Sirius-Patrouille, die tatsächlich mit Hundeschlitten operiert, personell gestärkt. Der Großteil der Milliarden fließt aber in Hochtechnologie. Trumps Spott trifft einen winzigen Aspekt der dänischen Aufrüstungspläne – die Dimension der milliardenschweren Investitionen ignoriert er hingegen komplett.

Julian Kern

Julian Kern

war bis März 2026 Journalist im Digitalteam.