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faktiv
07/20/2021

Verursacht die Bodenversiegelung mehr Überschwemmungen?

Österreich ist Europameister beim Betonieren. Das wird sich in den nächsten Jahren rächen.

von Franziska Dzugan, Ines Holzmüller

Knapp 13 Hektar Land werden in Österreich täglich mit Häusern, Straßen, Gewerbegebieten, Parkplätzen, Freizeitanlagen und Industriehallen verbaut, was der Größe von 18 Fußballfeldern entspricht. Zielvorgabe der EU wären 2,5 Hektar pro Tag. Österreich verliert jährlich 0,5 Prozent seiner Ackerfläche - doppelt so viel wie Deutschland. Das heimische Straßennetz ist mit 15 Metern pro Kopf eines der dichtesten Europas; Deutschland und die Schweiz bringen es nur auf die Hälfte.

Bauen wir weiter wie bisher, werden bis 2050 weitere 5260 Quadratkilometer Grünfläche in Österreich verschwinden - das entspricht dem Doppelten der Fläche Vorarlbergs. "Dabei geht nicht nur fruchtbares Ackerland verloren, sondern auch wertvolle Lebensräume der Kulturlandschaft wie artenreiches Grünland, Streuobstwiesen und Moore", so Biologe Franz Essl von der Universität Wien. Das dramatische Sterben der Tiere und Pflanzen (70 Prozent sind seit 1986 verschwunden) wird weitergehen. Der Flächenfraß beschleunigt zudem den Klimawandel: Verschwindet zu viel Boden unter Asphalt, wird er zum Speichern von Wasser und CO2 unbrauchbar. Naturkatastrophen sind programmiert.

Die Umweltberatung sieht die Flächenversiegelung als eines der drängendsten ökologischen Probleme. Wird Boden "versiegelt", also mit einer wasserundurchlässigen Schicht abgedeckt, kann er laut Umweltbundesamt wichtige Funktionen nicht mehr erfüllen. Das erhöht die Hochwassergefahr vor allem in Kombination mit den sich aufgrund des Klimawandels häufenden Extremwetterlagen. Die Grundwasserbelastung steigt, da weniger Schadstoffe im Boden gefiltert werden. Der natürliche Wasserkreislauf ist gestört. "Unterirdische Versiegelungen" wie Tunnelbauten oder besonders tiefe Keller beeinflussen laut Umweltberatung außerdem das Strömungsverhalten des Grundwassers besonders in Hanglagen.

Während die Bevölkerung seit 2001 um nur neun Prozent zunahm, stieg der Flächenverbrauch um 25 Prozent. Der Grund dafür ist eine desaströs gescheiterte Raumplanung. Diese wird in Österreich seit jeher den Gemeinden überlassen, was den Wildwuchs auf der grünen Wiese fördert. Die Länder, die Bausünden eigentlich verhindern sollten, kontrollieren viel zu lasch. Dabei ist Bauland im Überfluss vorhanden. Würden wir weiterhin 44 Quadratkilometer pro Jahr zubetonieren, würden die bereits gewidmeten Flächen noch 16 Jahre reichen.

Der Verkehrsclub Österreich fordert angesichts der Hochwasserereignisse Entsiegelungsmaßnahmen insbesondere bei Pkw-Parkplätzen. In Österreich sind bereits rund 1240 Quadratkilometer durch Verkehrsflächen versiegelt, das entspreche der dreifachen Fläche Wiens, rechnete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) anhand Daten des Umweltbundesamts vor. 96 Prozent davon seien Straßen und Parkplätze.

VCÖ-Experte Michael Schwendinger fordert: "Wir brauchen sowohl eine raschere Reduktion der Treibhausgasemissionen als auch verstärkte Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen."

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