Appgereist: Geht durch Apps die Spontanität beim Reisen verloren?

Appgereist: Geht durch Apps die Spontanität beim Reisen verloren?

Viele von uns fahren wie Cyborgs in den Urlaub - ausgestattet mit viel Technik und Apps. Eine Kolumne über das Reisen in Zeiten des Internets.

Zugegeben: Ich bin ein bisschen extrem in meiner Urlaubsplanung. Ehe ich eine Reise buche, wird dazu jedes Detail im Internet recherchiert. Bei Google Maps lege ich eine Route an, trage auf dem Kartendienst fein säuberlich alle Zwischenstopps ein. Auf dem Vergleichsportal booking.com suche ich die besten Hotels und prüfe zusätzlich mit der App „Foodspotting“, bei der User ihre Essensbilder hochladen, ob sich gute Restaurants in der Nähe des Hotels befinden. Am Ende fließen all diese Informationen in eine Software namens „TripIt“ ein, eine Art Terminkalender für den modernen Reisenden. Und ich bin nicht die Einzige, die all das macht.

Viele fahren wie Cyborgs in den Urlaub, ausgestattet mit Smartphone, Navi, eBook-Reader, Tablet und etlichen Metern an Ladekabeln. Ein Rundruf auf Twitter zeigte, wie populär (und inflationär) Urlaubs-Apps auch in Österreich sind. Interessieren Sie sich für Schiffe und würden gerne wissen, welcher Tanker oder welche Yacht gerade an Ihnen vorbeirauscht? Diese Info liefert die Smartphone-App „MarineTraffic“. Machen Sie gerne Mountainbike-Touren und wollen auf den Höhenmeter genau wissen, wo Sie unterwegs waren? Dafür bietet sich „Runtastic Altimeter“ an. Oder wollen Sie lieber Kalorien zu sich nehmen, anstatt sie zu verbrennen? Die App „Osterie d’Italia“ führt durch die schönsten italienischen Gasthäuser.


Es ist fast schon peinlich, wie oft ich mich trotz Navi schon verirrt (und letztlich Neues entdeckt)

Es gibt gewiss auch die Gegenbewegung: jene Offline-Urlauber und Smartphone-Verweigerer, die meinen, die Geräte würden die Magie des Reisens vernichten. Ihnen ist das zu durchgeplant, zu durchgetaktet. Nichts werde dem Zufall überlassen und keiner lasse sich mehr treiben. Statt mit Einheimischen zu reden, würden wir Google befragen. Statt uns in verwinkelten Gassen zu verirren und Unerwartetes zu finden, würden wir starr aufs Smartphone blicken.


Da geht es um etwas viel Simpleres: um Vorfreude

Kulturpessimistischer Unsinn, mit Sicherheit. Ich habe es oft ausprobiert und bin immer wieder an meiner eigenen Planungsresistenz gescheitert. Es ist fast schon peinlich, wie oft ich mich trotz Navi schon verirrt (und letztlich Neues entdeckt) habe oder wie häufig ich spontan meine eigenen Reisepläne verworfen habe, weil mir irgendeine Bar dann doch zu gut gefiel.

Die Technik nützt uns Menschen, manchmal nervt sie uns auch – nur eines kann sie bisweilen nicht: den Faktor Mensch miteinberechnen. Wenn wir also minutiöse Urlaubsplanungen am Computer oder Handy machen, bedeutet dies nicht die Unterjochung der Menschheit durch die Maschinen. Da geht es um etwas viel Simpleres: um Vorfreude. Zwar ist man noch nicht am Strand, aber die App ist der definitive Beweis, dass es bald so weit sein wird.