Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
09/08/2021

#brodnig: Arschlöcher unterwegs

Menschen werden im Internet nicht unfreundlicher – sondern unfreundliche Personen werden dort bloß sichtbarer, besagt eine Studie.

von Ingrid Brodnig

Warum sehen wir online so viele aggressive Kommentare? Seit Jahren gibt es verschiedene Antworten auf diese Frage. Eine davon lautet, dass das Medium Internet unfreundliches Verhalten begünstige, weil es beispielsweise das Gefühl der Anonymität gibt und man sein Gegenüber nicht sieht, was verbale Entgleisungen begünstige.

Jedoch existiert auch ein anderer Erklärungsansatz, nämlich dass streng betrachtet Menschen online nicht unfreundlicher werden, sondern dass unfreundliche Menschen umso stärker im Internet in Erscheinung treten. Die Politologen Alexander Bor und Michael Bang Petersen von der Universität Aarhus in Dänemark haben eine „Konnektivitäts-Hypothese“ dazu aufgestellt: Sie gehen davon aus, dass manche Menschen generell aggressiv auftreten – und dass solche Personen ihr unangenehmes Verhalten sowohl offline in politischen Debatten als auch online ausleben. Sie haben zu dieser Fragestellung acht Untersuchungen in den USA und Dänemark durchgeführt, dabei rund 8000 Studienteilnehmer befragt bzw. ihr Verhalten beobachtet.

Leute, die angeben, online feindselig bei politischen Debatten aufzutreten, geben häufig an, offline auch derartig zu diskutieren. Die Forscher kommen zum Ergebnis, „dass feindselige Personen (…) eine signifikant höhere Reichweite online erzielen, dass sie einfacher ihre Opfer anvisieren können und ihr Verhalten dabei breiter sichtbar ist.“ Die Untersuchung deutet darauf hin, dass aggressives Verhalten (wie z. B. Leute einzuschüchtern) für manche eine Strategie ist, um Status zu erlangen. Aggression bringt Aufmerksamkeit. Und während die Forscher beobachteten, dass solche unangenehmen Zeitgenossen ihre unangenehmen Verhaltensmuster sowohl online und offline auslebten, konnten sie sehen, dass sich Personen mit netteren Umgangsformen aus manchen Online-Debatten eher zurückzogen.

Das Problem ist demnach nicht unbedingt das Internet an sich, sondern dass aggressive Leute das Internet für umso mehr Sichtbarkeit nutzen können. Oder wie der Psychologe Adam Grant die Forschungsergebnisse auf Twitter zusammenfasste: „If you’re an asshole online, you’re probably an asshole in person too.“

 

 

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