Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
09/01/2021

#brodnig: Die Hasslawine

In der Videospielszene wird ein Problem immer deutlicher: Hate Raids.

von Ingrid Brodnig

Wir reden sehr viel über Hass im Netz, der sich auf den besonders bekannten Plattformen Facebook und Twitter ereignet. Wichtig ist aber auch, dass man hinschaut, welche anderen Sites gröbere Probleme mit hasserfüllter Rede haben. Zum Beispiel die Streaming-Plattform Twitch, auf der sich Leute beim Videospielen filmen und dies für die Gaming-Community übertragen. Dort passieren „Hate Raids“, auf Deutsch: Hassüberfälle.

Dabei stürmen andere User den Chat einer Person, die gerade ein Videospiel streamt, und fluten den Chat mit aggressiven Botschaften. Hier kommt bisweilen eine Mischung aus Mensch und Maschine zum Einsatz: In manchen Fällen müssen das also gar nicht alles reale Menschen sein, die reihenweise Herabwürdigungen posten. Es kann sich um Bots handeln, also ferngesteuerte Accounts, die von besonders gut organisierten, aggressiven Usern betrieben werden.

Diese Störaktionen betreffen besonders Streamer, die einer Minderheit angehören. Den Personen  werden dann massenweise Kommentare geschickt, etwa, dass ihr Kanal jetzt dem Ku-Klux-Klan gehöre. Für betroffene User sind solche Hate Raids belastend: Normalerweise freut man sich, wenn Leute den eigenen Stream ansehen, aber in solchen Fällen kriegt ein User oder eine Userin nur Aufmerksamkeit, um sie oder ihn dann zu demütigen. Es mehrt sich die Kritik an der Plattform Twitch, die dem Online-Konzern Amazon gehört, dass sie zu wenig gegen solche aggressiven User mache. Dazu passend gibt es den Hashtag #TwitchDoBetter. Mittlerweile kam es sogar  zum Aufruf, die Plattform am 1. September zu meiden – also eine Art Boykott.

Ich erzähle das so genau, weil ich eines verdeutlichen möchte: Wenn wir über Hass im Netz reden, dann werden meistens Beispiele von Facebook oder Twitter gebracht, manchmal auch YouTube. Die Gefahr ist, dass weniger bekannte Plattformen beziehungsweise Plattformen, auf denen eher Jugendliche aktiv sind, weniger Aufmerksamkeit bekommen – und damit auch der gesellschaftliche Druck auf sie geringer ist, genügend Schutz für die Opfer solcher Aktionen zu bieten. Wenn die Community anfängt, mit Hashtags und Boykottaufrufen zu reagieren, lässt das erahnen, wie groß der Leidensdruck unter den Betroffenen geworden ist.

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