Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
06/30/2021

#brodnig: Aufpassen, Amazon!

Eine neue Postenbesetzung macht Hoffnung, dass die USA große Digitalkonzerne strenger kontrollieren werden.

von Ingrid Brodnig

Man merkt, dass in den USA nun ein anderer politischer Wind weht: Ich meine damit nicht nur, dass der amtierende Präsident Joe Biden es anders als sein Vorgänger schafft, nicht gefühlt jeden Tag Beleidigungen oder Falschmeldungen öffentlich zu verbreiten. Ich meine darüber hinaus auch die Postenbesetzungen des Weißen Hauses.

Der Demokrat Biden machte nun die Rechtswissenschafterin Lina Khan zur Vorsitzenden der Federal Trade Commission (FTC), der US-amerikanischen Wettbewerbsbehörde. Das ist bemerkenswert, weil Khan auch eine renommierte Kritikerin der Macht von Digitalkonzernen ist. Khan ist Associate Professor der Columbia University - bekannt wurde sie vor ein paar Jahren mit einem wissenschaftlichen Aufsatz, in dem sie sich für eine strengere Aufsicht der Marktmacht Amazons aussprach. Dieses wissenschaftliche Paper stellt einen wichtigen Kipppunkt in der US-Wettbewerbsrechtsdebatte dar.

Einst hatten die Vereinigten Staaten ein strenges Kartellrecht, doch das änderte sich in den vergangenen Jahrzehnten: Wirtschaftsliberale Hardliner setzten sich durch - man trat den großen amerikanischen Konzernen in der Regel nicht mehr zu nahe. Die Idee dahinter war: Solange Konsumenten billige Preise zahlen, wird die immense Marktmacht einzelner Unternehmen nicht zu kritisch beäugt. Doch ein Riese wie Amazon führt vor, dass eine solche Politik auch Schattenseiten hat: Einerseits bietet Amazon oft sehr günstige Preise, andererseits besteht die Gefahr, dass andere Anbieter durch Amazons Größe und Amazons strategisches Vorgehen zunehmend ums Überleben kämpfen müssen - und in weiterer Folge der Wettbewerb und die Auswahl für die Konsumenten leiden.

Kleinere Händler werfen Amazon unfaire, wettbewerbsschädliche Praktiken vor, der Konzern streitet das ab. Deutlich ist jedenfalls, dass in mehr und mehr Ländern über die Macht und die Geschäftspraktiken von Digitalkonzernen diskutiert wird. Es ist noch unklar, was die Ernennung Lina Khans in der Praxis bedeuten wird - ob nun strenger geprüft wird, ob große Internetunternehmen unfaire Taktiken einsetzen, um zu Quasimonopolen heranzuwachsen.

Auf jeden Fall ist es ein spannender erster Schritt, dass Joe Biden ausgerechnet eine der profiliertesten Kritikerinnen von Big Tech in so einer wichtigen Position einsetzt.

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