Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
01/27/2020

#brodnig: Helden von heute

Warum ist es so leicht, Influencer zu hassen?

von Ingrid Brodnig

Es gibt Gruppen in unserer Gesellschaft, die werden besonders gern mit Spott versehen: Dazu zählen nicht nur Politiker oder Gebrauchtwagenverkäufer. Auch Influencer erleben ziemlich viel Häme. Influencer sind Menschen, die auf sozialen Medien eine große Gefolgschaft um sich versammeln und oft sogar davon leben können, dass sie auf Instagram/YouTube/Facebook beispielsweise Werbung für Produkte machen. Zum Job eines Influencers gehört, dass man stets neue Bilder für die digitale Präsenz produziert – aber manche Aufnahmen sind eher kurios. Berühmt ist eine Marketing-Aktion für Waschmittel-Hersteller Coral, bei der sich Influencerinnen in seltsamen Situationen mit dem Produkt zeigten. Man sah zum Beispiel eine Instagram-Userin im Bett mit ihrem durchtrainierten Beau – und auf der weißen Bettwäsche stand eine Flasche Coral (Wer nimmt Waschmittel nicht mit ins Schlafzimmer?).

Wir leben in einer Zeit, in der Selbstvermarktung eine zentrale Kompetenz geworden ist.

Nicht nur deplatzierte Produktplatzierungen sorgen für Häme. Mittlerweile ist es zum Sport geworden, heimlich Influencer zu fotografieren, wie sich diese in der Öffentlichkeit fotografieren lassen. Auf Instagram postet der Account „influencersinthewild“ Videos und Fotos von für das Smartphone posierenden Menschen. Man sieht junge Leute, die vor Sehenswürdigkeiten Handstände machen oder instagramtaugliche Posen einnehmen – und sich dabei aufzeichnen lassen. Leute machen sich also gern lustig darüber, wie sich Influencer oder Möchtegern-Influencer vor der Kamera in Szene setzen. Aber ich glaube, es gibt einen tiefer liegenden Grund, warum Menschen oft hämisch auf solche Netzprominenten reagieren: Wir erkennen darin eine peinliche Facette unserer Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der Selbstvermarktung eine zentrale Kompetenz geworden ist, in der viele von uns darauf achten, welches Bild wir für andere (offline und online) abgeben. Und das deutlichste Symbol für diese Ökonomie der Aufmerksamkeit, die uns alle umgibt, sind diese Influencer, deren Geschäftsmodell tatsächlich vor allem Gesehenwerden ist.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter [email protected] facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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