Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
04/17/2019

#brodnig: Mutige Facebook-Alternative Openbook

Ein neues Netzwerk will Facebook ablösen – ich sage: gefällt mir.

von Ingrid Brodnig

Als Facebook ein frisch gegründetes Start-up war, hingen in den Büroräumlichkeiten Poster mit Slogans wie „Fortune favors the bold“. Das Glück sei demnach mit den Mutigen. Die Poster behielten recht – die Website von Mark Zuckerberg ist zu einem Weltimperium herangewachsen. Glück brauchen jetzt eher seine Konkurrenten, wenn sie sich gegen den blauen Riesen durchsetzen wollen. Viele Onlinedienste haben es probiert, sich als Alternative zu Facebook zu etablieren. Sie hießen Ello oder Discord und scheiterten. Doch nun gibt es einen neuen Anlauf: Das Netzwerk Openbook befindet sich gerade in der Testphase.

Wird Openbook zum Widersacher Facebooks heranwachsen? Wir wissen es nicht – rein statistisch stehen die Chancen schlecht.

Sein Code soll für alle lesbar und somit transparent sein, es will auf Werbung und das Tracking seiner Mitglieder verzichten. Bisher finanziert es sich über Spenden, die es von Unterstützern im Web zusammengetragen hat. Ich gehöre auch dazu. Ich habe zehn Euro gezahlt und kann seither einen ersten Blick auf die Anfangsversion der Website werfen. Was sieht man dort? Ehrlich gesagt ein sehr kleines Netzwerk, das eher wie ein familiäres Treffen von internetaffinen Menschen anmutet. Auf Openbook kann man sich mit Freunden und Bekannten vernetzen – sofern diese dort schon unterwegs sind.

Es gibt auch schon eine Gruppe für Journalisten, wobei diese überschaubar ist. Wir sind aktuell vier Mitglieder in der Gruppe. Das verdeutlicht, wo das Projekt in seiner Entwicklung steht, wie unklar seine Zukunft ist. Wird Openbook zum Widersacher Facebooks heranwachsen? Wir wissen es nicht – rein statistisch stehen die Chancen schlecht. Facebooks zentraler Vorteil ist, dass es schon mehr als zwei Milliarden Nutzer hat. Die schiere Anzahl seiner User erhöht den Wert eines sozialen Mediums. Netzwerkeffekte nennen Ökonomen das. Und trotzdem gefällt mir, dass der junge Programmierer Joel Hernández in den Niederlanden ausprobieren will, ob eine Alternative zu Facebook noch möglich ist, und dass er ebenfalls unerschrocken ist. Ich wünsche ihm jedenfalls, dass das Glück einmal mehr mit den Mutigen ist.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter [email protected] facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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