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Gesellschaft
05/02/2017

#brodnig: Re: AW: AW: AW: AW: Hilfe!

E-Mails und Drucker sind schlimme Erfindungen.

von Ingrid Brodnig

Mich fasziniert, wie fehleranfällig ausgerechnet jene Technik ist, die wir am häufigsten benutzen. Nehmen wir den Drucker - so ein Ding hat fast jeder bei sich zu Hause oder im Büro stehen. Obwohl sie zu den wichtigsten Gegenstände des Alltags gehören, streiken sie herausragend oft. Gefühlt würde ich behaupten, dass Bürodrucker nur in zwei Prozent der Fälle einwandfrei laufen - meist quälen sie uns damit, dass sich irgendwo ein Blatt Papier verheddert hat, der Toner ausgegangen oder ein kryptischer Fehler ("B 200") aufgetreten ist. Wer auch immer einen problemfreien Drucker erfinden sollte, verdient sofort den nächsten Nobelpreis.

Die Technik raubt uns Büroarbeitern unglaublich viel Zeit, die Grenzen zwischen Arbeit und Ruhephasen verschwimmen zunehmend.

Eine andere weit verbreitete Technologie ist die E-Mail - auch sie hat skurrile Schwächen. Der Philosoph Jean-Paul Sartre würde heute sagen: "Die Hölle, das sind die anderen, die einem Mails schicken mit dem Betreff ,Re: AW: AW: AW: AW: AW: AW: AW: Lustig'." Es ist unnötig, dass viele Programme noch immer den Nutzern einblenden, wie oft eine Mail beantwortet (Kürzel: "AW" und "Re") oder weitergeleitet ("Fwd") wurde. Nervig ist auch, dass einem viele Dienste nicht ermöglichen, zeitversetzt Nachrichten zu senden. Das wäre doch praktisch, wenn man abends den Kollegen etwas mailen könnte, sie es aber erst morgens weitergeleitet bekommen. Manche Programme bieten das an - aber längst nicht alle.

Zugegeben: Man könnte das jetzt Jammern auf hohem Niveau nennen. Wenn Papierstau und absurd lange Betreffzeilen zu den größten Ärgernissen zählen, hat man wohl einen relativ gefahrlosen Alltag. Doch dahinter steckt letztlich ein reales gesellschaftliches Problem. Die Technik raubt uns Büroarbeitern unglaublich viel Zeit, die Grenzen zwischen Arbeit und Ruhephasen verschwimmen zunehmend. Und wenn wir wieder einmal über den Drucker oder die E-Mail-Flut fluchen, dann womöglich deshalb, weil wir nicht mehr mit Sicherheit sagen können, ob wir noch Herr über die Maschine sind - oder umgekehrt.