Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

#brodnig
06/01/2022

#brodnig: Spröde, aber gut so

Mit Videos über den Ukraine-Krieg zeigt das österreichische Bundesheer, dass Sachwissen im Internet doch reüssiert.

von Ingrid Brodnig

Ich hatte nicht damit gerechnet, aber in meinen Augen ist das Österreichische Bundesheer eine der interessantesten Informationsquellen zum Ukraine-Krieg. Regelmäßig lädt es auf YouTube neue Videos hoch, in denen etwa Oberst Markus Reisner (Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Militärakademie in Wiener Neustadt) Besonderheiten des Ukraine-Krieges erklärt.

Auf den ersten Blick sehen die Videos spröde aus: Ein Mann in grüner Militärkleidung steht vor einer PowerPoint-Präsentation und spricht über Waffensysteme und einzelne Gefechte. Aber diese Erklärvideos erzielen Hunderttausende, zum Teil sogar eine Million Abrufe. Verglichen mit einigen anderen Videos auf dem Bundesheer-Kanal, die einen Bruchteil dieser Klicks ernteten, sind das Reichweitenerfolge. Die Zahl der Abonnent:innen hat sich seit Einführung dieser Videoreihe verdoppelt. Aktuell folgen 85.000 Menschen dem Heer auf YouTube. 

Man lernt in den Beiträgen einiges. So erklärt Oberst Reisner, wie die ukrainische Artillerie moderne Technik einsetzt – etwa eine App namens Gis Arta, mit der die Standorte russischer Fahrzeuge und Stellungen einfach gemeldet werden können. Elon Musks Satellitensystem „Starlink“ kommt anscheinend ebenfalls zum Einsatz, indem es einen raschen Datentransfer ermöglicht. So gelingt es den ukrainischen Truppen immer wieder, russische Fahrzeuge oder Stellungen erfolgreich zu beschießen.

„Wir haben gesehen, dass man zum Ukraine-Krieg wirklich viel Informationen findet: über die humanitäre Katastrophe, über die politischen Aspekte. Aber weniger Information zum konkreten militärischen Geschehen. Da haben wir uns gedacht: Dann liefern wir diese Information ganz einfach“, sagt Oberst Alexander-Philipp Lintenhofer, Leiter des Online-Teams. Er betont auch: Die Videos sind bewusst technisch einfach umgesetzt – es gehe nicht darum, wie eine Hochglanz-Studioproduktion auszusehen, sondern authentisch militärische Aspekte zu vermitteln. 

Was mir besonders gefällt: Die Videos zeigen mir, wie wenig Ahnung ich von Heerestaktik habe. Das ist für mich eine der schönsten Seiten des Internets. Man kann online nicht nur Meinungsbeiträge finden oder reißerische Inhalte, sondern Sachbeiträge von Expertinnen und Experten. Bei Videos wie jenen vom Heer kann  man erahnen, wie komplex manch ein Thema in Wirklichkeit ist.