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Zwischen zwei Espressos mal schnell ein Sachbuch schreiben

Ein Wiener Unternehmen hat eine neue KI-Plattform ins Leben gerufen, mit der sich Sachbücher in wenigen Stunden schreiben lassen. Ein Selbstversuch.

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An einem Dienstagmorgen schrieb ich unlängst ein Buch, zwischen dem ersten und zweiten Espresso, von neun bis zehn Uhr. Es gibt neuerdings

Tage, die mit dem Vorhaben beginnen, ein Sachbuch abzufassen – und damit enden, ein in wenigen Stunden generiertes PDF davon in Druckqualität lesen zu können. Aber eins nach dem anderen. Bericht von einem Selbstversuch im Schnellschreiben in drei Kapiteln.

Die Plattform

Hannes Steiner, 53, ist ein Verleger alter Schule, den die Zukunft des Büchermachens umtreibt. Steiner war Schwimmathlet und Wasserballer. Man kann sagen, er lässt Gelegenheiten ungern davonziehen. 2003 gründete der promovierte Jurist den Ecowin Verlag, den er später an Red Bull verkaufte. „Hannes Steiner ist ein echter Story-Junkie“, ist auf einem Bücherportal zu lesen. „Hannes, folge immer deinen Träumen!“, soll ihn der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho ermuntert haben. Von Bestsellern wird hier noch die Rede sein, weniger allerdings vom König der Kalendersprüche.

An einem Montagmorgen sitzt Steiner, wacher Blick hinter großen Brillengläsern, in einem Wiener Kaffeehaus und spricht über Fledermäuse. „Es gibt Menschen, die sich leidenschaftlich den Fledermauspopulationen in urbanen Räumen widmen“, sagt Steiner. „Ein hochspannendes Sachbuchthema – aber eines, das im klassischen Verlagsbetrieb oft schwer unterzubringen ist.“ Nicht nur die Fledermaus-Community darf inzwischen hoffen.

An diesem Punkt kommt Steiners 2018 gegründete Storytelling-Plattform „Story.one“ ins Spiel, die vor drei Jahren um das Tool „Human Centric KI-Publishing“ erweitert wurde, das Steiner gemeinsam mit einer Expertengruppe des maschinellen Lernens als eine Art KI-Triebwerk entwickelt hat: Es verwandelt seit Kurzem Podcasts, Artikelsammlungen, Manuskripte, Tonaufnahmen, Interviews im Handumdrehen in Sachbücher, angeleitet vom sogenannten „Story Editor“ auf story.one.

Nutzerinnen und Nutzer von „Story One“ bezahlen 50 Euro für die ersten Schritte der Bucherstellung. Viele der bislang angefertigten Story-One-Titel hangeln sich vom Abseitigen zum Wesentlichen: Von „IEC 60601-Familie und der Weg zum Weltmarkt“ zum Thema der elektrischen Sicherheit medizinischer Geräte über „Was Liebe bedeutet“ bis „Ein Gespräch mit dem Universum“. Angemessen die Anleitung „Mensch bleiben im KI-Zeitalter“.

„Alle können ein Buch schreiben“, frohlockte letzthin die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Das könnte die Sachbuchbranche deutlich verändern.“

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.