Das Café Europa von außen
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Date in der Wiener Zollergasse: „Café Europa“ und „Café Liebling“

Die beliebten Tinder-Dating-Locations „Café Europa“ und „Café Liebling“ in der Wiener Zollergasse auf dem Prüfstand.

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Schmetterlinge im Bauch, ein Date steht bevor. Wir haben einander schon sehr oft geschrieben, und mein Gegenüber hat ein paar meiner stets geistreichen Witze sogar lustig gefunden – der Abend kann also nur zum Erfolg werden. Ein kleines Problem bleibt: Ich habe keine Ahnung, wo zum heiligen Valentin man heutzutage gut daten kann.

Die verzweifelte Umfeldrecherche ergibt: Die Zollergasse im 7. Wiener Gemeindebezirk soll sich unter Liebesuchenden größter Beliebtheit erfreuen – konkret geht es um zwei Lokale: das „Café Europa“ und das „Café Liebling“. Kleiner innerer Monolog, um mich in den Love-Modus zu versetzen: „Heute, Champion, heute bist du mal charmant und gut gelaunt!“

Ein paar Momente später, im „Café Europa“ (Bild ganz oben) angekommen, vergesse ich den lächerlichen Vorsatz schnell wieder. Der Herr Ober fragt, während ich noch stehend versuche, einen Platz für die Garderobe zu finden, was es denn zum Trinken sein darf. Es gibt in meinen Augen servicetechnisch kaum einen größeren Fehler, aber okay … locker bleiben! Insgesamt sind sie hier nämlich nett, bemüht und schnell. Die schlechte Laune verfliegt wieder – unser Tisch ist nämlich so klein, dass Körperkontakt in der Knieregion unvermeidbar wird.

Soho Sandwich mit Braterdäpfel
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Vor dem Date war ich übrigens noch schnell pumpen im Gym, und zwar, weil ich es mir wert bin – und keinesfalls für einen Moment wie diesen hier. Ich hätte mir das aber so oder so sparen können: Die vegane Trüffel-Majo im „Soho Sandwich“ (Bild oben) entwertet die Trainingseinheit innerhalb von Sekunden. Und zwar durch ihre pure Menge: Es wird hier so viel von dem Zeug verwendet, dass sogar ein nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannter Salat wie Rucola darin untergeht. Schade eigentlich, sonst gibt man sich nämlich durchaus Mühe: Die Zwiebel ist süßlich eingelegt, das Brot knusprig getoastet, und die angebratenen Portobello-Pilze sind gut mit Röstaromen ausgestattet.

Burger mit Braterdäpfel
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Die Zwiebel im Burger (Bild oben) meiner Valentina war dafür mit Sicherheit nicht eingelegt. Aber wir sehen das positiv: Da wir beide davon probiert haben, entsteht eine ganz wunderbare Mäukoarl-Gemeinsamkeit. Ernsthaft: Insgesamt war der Burger leider nur okay – das Bun ein bisschen trocken, der Käse ein bisschen hart, und ganz generell hätte er ein bisschen zeitgemäßer präsentiert werden dürfen.

Ein paar Tische weiter küssen sich zwei Menschen sehr leidenschaftlich. Die zwei sind wohl noch nicht so lange zusammen. Mehr Romantik gibt es hier heute nicht zu sehen. Eine Tür weiter, im „Liebling“ (Bild unten), geht es auch nicht besonders heiß her – und uns gehen langsam die Themen aus. Dann zerschneidet eine spontane Eingebung, die so nur ein wahrer Flirt-Gott haben kann, die ohrenbetäubende Stille: „Oiso … Ess ma no wos? Oder trink ma nur?“

Café Liebling von außen
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Wir essen also no wos, und tatsächlich scheint der Avocado-Dip auf den mit Käse überbackenen Nachos im „Liebling“ selbst gemacht zu sein. Er lässt allerdings jegliche Gewürzemotionen vermissen und wurde recht lieblos direkt auf die Chips geklatscht. Beim Essen wird klar, warum dieses Lokal so gern zur Kontaktaufnahme verwendet wird: Ein Tisch für zwei Personen bekommt nur eine Serviette – und wenn das nicht voll süß ist, dann weiß ich auch nicht mehr.

Der Amaretto Sour ist auch süß, er besteht aus ein bisschen zu viel Orangensaft und ein bisschen zu wenig Amaretto. Bei der sehr guten Spicy Margarita hätte es noch ein Salzlippen-Kuss sein dürfen – ich zumindest wäre dafür hier und heute bereit gewesen!

Nachos mit Käse und Avocado-Dip, Oliven, Amaretto Sour und Spicy Margarita
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„Ja, war nicht so meins“, heule ich beim Gehen auf unwiderstehliche Art und Weise los. Mein Date überrascht das nicht (aber wir haben auch ein bisschen geschummelt und sind nicht erst seit gestern fix zam). Dabei liegt meine Enttäuschung sicher nur an mir selbst. Dieses Standard-Gastroprogramm für zwischendurch finde ich halt einfach nicht so besonders prickelnd. Selber schuld. Also, „Liebling“ und „Europa“, wenn jemand bloß auf ein schnelles Date oder einen unkomplizierten After-Work-Drink aus ist, dann wird er oder sie sich bei euch ganz bestimmt wohlfühlen. Und wir können ja immer noch Freunde bleiben, gell?

Café Europa
Zollergasse 8, 1070 Wien 
cafeeuropa.at
Stimmung: Nach der Arbeit noch auf einen Spritzer gehen und dabei natürlich nicht über die Kollegenschaft lästern 
Preisverhältnis: Speisen: 2–15 Euro, Mixgetränke: 10–12 Euro

Café Liebling
Zollergasse 6, 1070 Wien 
instagram.com/cafeliebling 
Stimmung: Shabby-Chic-Bar mit beinah sauberen Kerzenständern 
Preisverhältnis: Snacks: 3–8 Euro, Mixgetränke: 9–11 Euro
 

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.