Investigativjournalist Hans Weiss schrieb seine Autobiografie: „Aufgedeckt“
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Die abenteuerliche Lebensgeschichte des Investigativ-Journalisten Hans Weiss

Als Bestsellerautor und Journalist legte sich Hans Weiss unerschrocken mit der Pharmaindustrie und der Psychiatrie an. In seiner Autobiografie ermittelt der Vorarlberger nun gegen sich selbst.

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Hätte er damals, als er 17 Jahre alt war, der Kirche nicht auf Nimmerwiedersehen gesagt, wäre Hans Weiss heute wohl Pfarrer oder Mönch. Gott und Teufel waren in seiner Kindheit allgegenwärtig und allmächtig. „Ich habe mir ausgerechnet, dass ich in fünf Jahren rund 2000 Mal die Kirche besucht habe“, schreibt Weiss in seiner soeben erschienenen Autobiografie, die den Titel „Aufgedeckt“ trägt: „Das reicht für ein ganzes Leben.“ Eine Kindheitserinnerung aus seinem Vorarlberger Heimatdorf Hittisau im Bregenzerwald, ein gutes Dreivierteljahrhundert ist das her.

Mit Korruption, Komplott und Kungelei hatte der Autor und Journalist zeitlebens zu schaffen. Die allerschlimmste Sünde widerfuhr ihm gleichwohl als Kind. Weiss schreibt in „Aufgedeckt“: „Wenn ich unkeusche Gedanken hatte und dann, ohne vorher zu beichten, die Heilige Kommunion empfing, also die Hostie und den Leib Jesu schluckte, war das ein Gottesraub. Und so etwas konnte man nicht beichten. Diese Sünde blieb an einem kleben.“

Mit 17 verschwand die Religion schließlich sang- und klanglos aus seinem Leben. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass sich Weiss stattdessen die Rolle des Aufklärers erkämpft hat, zum Teil mit harten Bandagen. „Aufgedeckt“ ist kein Fall von romantischer Rückschau. Der Untertitel gibt den Ton dieser von schwächelndem Selbstbewusstsein keineswegs angekränkelten Lebenserinnerungen vor: „Ermittlungen gegen mich selbst.“ Weiss durchmisst im Stakkato die Stationen seines Lebens, fern von Beschönigung und Verschleierung. Er hat viel erlebt und noch viel mehr zu erzählen. 1600 Seiten umfasste das Manuskript von „Aufgedeckt“. 280 davon haben sich in das fertige Buch gerettet.

Weiss hat viel Feindschaft erlebt, sehr oft und sehr gern für öffentlichen Wirbel gesorgt, nicht selten in explizit politischen Dimensionen. Giordano Bruno, der im Jahr 1600 in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, begleitet Weiss seit Jugendtagen. Der italienische Philosoph wurde von der Kirche massakriert, weil er sich weigerte, seine Ideen von der Unendlichkeit des Weltalls zu widerrufen. „Man sagt die Wahrheit, ganz einfach“, resümiert Weiss an diesem Märznachmittag in einem Wiener Kaffeehaus, untermalt von Fingerknöchelklopfen. Ende der Diskussion. Man darf sich den Investigativreporter Weiss als Dampflok vorstellen, die ihrem Ziel mit aller Wucht entgegenrollte. Nachzugeben wäre ihm wie Verrat an seinen Überzeugungen erschienen.

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.