Powerlunch

Drei Gänge mit … Michael Fleischhacker

Michael Fleischhacker galt lange als der beste oder zumindest kontroversiellste Leitartikler und Chefredakteur des Landes. Jetzt moderiert er Talkshows auf Servus TV und beweist, dass man darüber nicht zwingend verbittern muss.

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Michael Fleischhacker ist ein mutiger Mensch, man kann es gar nicht anders nennen. Wir sitzen in einem Wirtshaus mitten im 8. Bezirk, in einem Lokal, in das wir sehr zufällig gestolpert sind. „Nguyen’s Pho House“, Fleischhackers ursprünglicher Vorschlag, hatte geschlossen, und jetzt bestellt er in der „Frommen Helene“, ohne lange in die Karte zu schauen. Die Karte ist ein Telefonbuch. Fle, wie er unter Journalisten heißt, ist also entweder Schnellleser oder er will seine Zeit nicht mit Sinnlosigkeiten wie einer Speisekarte vergeuden. Ist ihm am Ende ein bisschen egal, was er isst? „Internatsschüler“, sagt Fleischhacker nur. Das ist die Umschreibung für „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“ und ein Hinweis darauf, dass er mit zu viel Angebot nicht umgehen kann. Mir imponiert das, also bitte zweimal Menü eins, vegetarisch mit Suppe, und bis ich das bedauere, wird es noch zehn Minuten dauern, denn dann stehen die sogenannten Bärlauch-Erdäpfelnockerl in warmer Kräuteroberssauce (9,80 Euro) auf dem Tisch.

Internatsschüler haben es wirklich nicht leicht.

Michael Fleischhacker wirkt entspannt und gut erholt, kein Vergleich mit anderen Print-Chefredakteuren, die gegen Auflagen- und Bedeutungsverluste ankämpfen müssen. Graue Haare kennt er nur aus der Werbung und von ehemaligen Mitarbeitern, er macht viel Sport, sagt er.

Michael Fleischhacker also: Der ehemalige „Presse“-Chefredakteur ist heute das intellektuelle Aushängeschild von Servus TV. Seit einigen Jahren moderiert er im Fernsehsender von Red Bull, und er macht das so, dass es gar nicht wenige Menschen für eine Mutprobe halten, sich zu ihm in die Sendung zu setzen. Fleischhacker kann durchaus unangenehm sein: Wenn jemand seiner Meinung nach Blödsinn sagt, dann weist er darauf hin, wobei seine Definition von „Blödsinn“ nicht immer Common Sense ist. Vor allem am Höhepunkt von Covid: Bei Fleischhacker saßen damals gerne Leute, die anderswo als „Schwurbler“ bezeichnet wurden, der umstrittene Mediziner Sucharit Bhakdi zum Beispiel, aber auch andere, die gegen so ziemlich alles waren, was mit Covid zu tun hatte, gegen Lockdowns genauso wie Massentests und die Impfpflicht. Argumentiert wurde das damit, dass der Sender ausgewogen sein wollte. Manche Sendungen waren dann so ausgewogen, dass sie fast kenterten.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.