Barbara Kaufmann sitzt auf einem Sofa, hinter ihr ein Filmposter von The Shining
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Femizide in Österreich: Alltägliche Gewalt und kulturelles Erbe

Gedanken nach den Femiziden in Niederösterreich und der Steiermark: Wo beginnt das Morden? Wie ließe es sich verhindern? Was haben Verdi, Schundhefte und üble Witze damit zu tun? Die Autorin und Filmemacherin Barbara Kaufmann hat Antworten.

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Das sind die Nerven. Das bildest du dir nur ein. Das sind die Hormone. Warum bist du immer so empfindlich? Mit dir kann man nicht reden! Du hast das falsch verstanden.

Es sind ganz einfache, alltägliche Phrasen, millionenfach hingesagt, oft wohl ohne Hinter- oder sonstige Gedanken. Und doch steckt in diesen Sätzen etwas Furchtbares, in letzter Konsequenz sogar Tödliches. Denn der Weg, der zum Femizid führt, ist mit banalem Sexismus asphaltiert. Der Entscheidung, einer Frau das Leben zu nehmen, gehen andere Grenzüberschreitungen voraus. Ein Femizid ist kein „Familiendrama“, sondern die letzte Konsequenz einer frauenfeindlichen Kultur, die sich auch in solchen Phrasen äußert und reproduziert.

Die Filme- und Radiomacherin, Essayistin und Journalistin Barbara Kaufmann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen Strukturen, mit der großen und kleinen Gewalt an Frauen, die mal unsichtbar erscheint und mal nicht zu übersehen ist. Mit Entwertungen, die beim guten Rat für das folgsame Mädchen anfangen und beim sexistischen Witz über die eigene Ehefrau noch lange nicht aufhören. Es ist ein Alltag und eine Kultur, in der Frauen nicht für voll genommen und Grenzen nicht respektiert werden. Kaufmanns Grundfrage lautet: Wo beginnt das Morden? Wo sind die vielen kleinen und großen Grenzüberschreitungen zu finden, die Geringschätzungen und Auslöschungen, die dem Mord vorangehen?

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.