Kerzen, die an die getötete Johanna G. erinnern sollen
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Fall Johanna G.: U-Haft gegen 30-jährigen Cobra-Beamten verhängt

Die Polizei bestätigte den Tod der 34-jährigen Johanna G. aus der Steiermark. Der mutmaßliche Täter ist ein 30-jähriger Cobra-Beamter. Gegen ihn wurde am Donnerstag U-Haft verhängt.

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Kaum hat das Jahr begonnen, sind in Österreich bereits zwei Frauen getötet worden. Die mutmaßlichen Täter sind Männer, mit denen sie in Beziehungen standen. Die Chronologie ist schnell erzählt, die Konsequenzen sind es nicht. Mittwochvormittag, kurz nach halb elf, bestätigt die Landespolizeidirektion Steiermark: Die seit vergangenem Freitag vermisste 34-jährige Johanna G. aus Tillmitsch ist tot. Mutmaßlich umgebracht von M., einem 30-jährigen Beamten der Spezialeinheit Cobra.

Tags darauf wird im niederösterreichischen Wilfersdorf eine weitere tote Frau gefunden. Die 36-Jährige wurde mutmaßlich von ihrem 47-jährigen Partner erdrosselt. Die Leiche hielt er tagelang im Keller des gemeinsamen Hauses versteckt. Beide Männer wurden festgenommen.

Noch während Ermittlungen zu den Fällen laufen, verschickt das Innenministerium ein E-Mail an „ausgewählte Medien“. Darin wird auf eine Studie verwiesen, die den Titel trägt: „Österreich ist kein Land der Frauenmorde“. Die Botschaft: Es habe im Vorjahr einen Rückgang bei Morden an Frauen in der Privatsphäre gegeben. Präventionsmaßnahmen würden wirken, polizeiliche Instrumente seien ausgebaut worden. Diese Informationen sind nicht falsch. Ihre Veröffentlichung just an diesem Tag wirkt aber pietätlos. Statistiken mögen Trends abbilden, sie sagen jedoch nichts über das konkrete Leid aus. Für die getöteten Frauen ist es unerheblich, ob sie Teil einer sinkenden Kurve sind.

Schwangerschaft als Motiv?

Sollten sich die bisherigen Erkenntnisse bestätigen, wäre Johanna G. der erste Femizid dieses Jahres. Die Ermittlungen rund um den Fall der 34-Jährigen laufen nach wie vor. Ein Motiv für die Tat könnte laut Ermittlern eine mögliche Schwangerschaft gewesen sein. Die 34-jährige Johanna G. lernte den 30-jährigen Beamten M. über die Dating-App „Tinder“ kennen. Seit vergangenem Herbst trafen sich die beiden regelmäßig. Der Mann befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Beziehung mit einer anderen Frau. Diese Tatsache verschwieg er. Über Monate hinweg. Die Beziehung zu Johanna G. existierte im Verborgenen, getragen von Treffen, Nachrichten, Halbwahrheiten.

Am Freitag, dem Tag ihres Verschwindens, schreibt Johanna G. einer Freundin, dass sie sich mit M. treffen werde. Eine kurze Nachricht, beiläufig formuliert. Später wird sie zu einem entscheidenden Puzzlestück in den Ermittlungen. In seiner ersten Einvernahme bestreitet der 30-Jährige, Johanna G. überhaupt gesehen zu haben. Er behauptet, seit Dezember keinen Kontakt mehr gehabt zu haben. Erst bei einer weiteren Befragung räumt er ein, bei ihr gewesen zu sein, bestreitet jedoch jede Verantwortung – er habe mit ihrem Verschwinden nichts zu tun. Unter dem wachsenden Druck bricht seine Version der Ereignisse schließlich auf, und er gesteht: Johanna G. ist tot. Er spricht von einem Unfall, von einem Treffen gegen 19 Uhr, von einem Moment, der aus dem Ruder gelaufen sei. Was davon die Wahrheit ist, wird nun die Justiz klären.

Sohn eines Polizisten

Als Johanna G. am Freitag verschwand, meldete ihre Mutter sie zuerst als abgängig. Später begleitete sie die Ermittler in die Wohnung ihrer Tochter und bemerkte sofort Kleinigkeiten, die ungewöhnlich waren: Das Geschirr war nicht abgewaschen, alltägliche Spuren eines normalen Tages fehlten – etwas, das sie stutzig machte, weil es nicht zu Johanna G. passte. Kurz darauf wurde ihr Umfeld befragt, und die Ermittlungen richteten sich bald auf den 30-jährigen Cobra-Beamten.

Ermittler vermuten, dass eine mögliche Schwangerschaft das Motiv für die Tat gewesen sein könnte. Nach Angaben der Polizei hatte Johanna G. in ihrem Umfeld über eine Schwangerschaft gesprochen. Ob sie tatsächlich schwanger war, bestätigten die Behörden bisher nicht. Laut profil-Informationen gehen die Ermittler davon aus, dass der mutmaßliche Täter von dieser Information wusste. Die Obduktion soll nun klären, ob Johanna G. tatsächlich schwanger war. Polizei und Staatsanwaltschaft Graz hielten sich bis Redaktionsschluss mit weiteren Details zurück; das vollständige Ergebnis der Obduktion lag nicht vor.

Bis zu jenem Tag galt der 30-jährige M. als unauffällig. Bekannte beschreiben ihn als engagiert, ehrgeizig, sportlich. 2016 trat er in den Polizeidienst ein, 2021 wechselte er zur Cobra. In seinem Heimatort im Südosten der Steiermark war er bekannt. Aufgewachsen auf dem alten Familienanwesen, einem ehemaligen Bauernhof, lebte er mit Eltern und Großeltern unter einem Dach. Zumindest nach offiziellen Angaben war dies seine Hauptmeldeadresse. Kampfsport gehörte zu seinem Alltag, Wettkämpfe und Sportshows brachten ihm Anerkennung, Beifall, Status in der Gemeinde. Ein Bild von Erfolg und Disziplin, das lange unangefochten blieb. Die Familie des Tatverdächtigen ist in der Gemeinde gut vernetzt. Der Vater selbst Polizist, die Mutter und Geschwister im Ort engagiert. Zuletzt hielt sich M. offenbar seltener dort auf. Am Dienstag kehrte er zurück, um den Ermittlern zu zeigen, wo sich die Leiche von Johanna G. befand. Auf dem Grundstück seiner Familie. Wie genau sie dorthin kam, bleibt vorerst offen. Komplizen habe es keine gegeben, heißt es.

Mehrere Hundert Schuss Munition

Bei einer Hausdurchsuchung stoßen die Polizistinnen und Polizisten auf mehrere Schusswaffen und mehrere Hundert Schuss Munition. Hinzu kommen zwei entwendete Dienstwaffen: eine Glock aus der Polizeidienststelle Halbenrain in der Steiermark und eine Trainingswaffe vom Cobra-Standort Wiener Neustadt. Details, die nicht nur den konkreten Fall betreffen, sondern grundsätzliche Fragen aufwerfen: nach internen Kontrollen, nach dem Umgang mit Waffen, nach institutioneller Verantwortung. Laut Polizei sollen die entwendeten Waffen bereits im Zeitraum 2019/20 der Staatsanwaltschaft Graz gemeldet worden sein. Daraufhin wurden offenbar Ermittlungen aufgenommen.
Gegen den 30-jährigen Cobra-Beamten M. wurde am Donnerstag Untersuchungshaft verhängt. Er befindet sich derzeit in der Justizanstalt Graz-Jakomini.

In Niederösterreich, im Bezirk Mistelbach, wurde inzwischen ein weiterer mutmaßlicher Femizid bekannt. Ein 47-Jähriger soll seine 36-jährige Partnerin nach einem Streit erdrosselt und die Leiche im Erdkeller der gemeinsamen Wohnadresse versteckt haben. Die Tat soll sich bereits am 5. Jänner ereignet haben. Am Dienstag gestand der 47-Jährige einem Bekannten, was er getan hatte. Dieser informierte daraufhin die Polizei. Bei einer ersten Einvernahme zeigte sich der Verdächtige vollumfänglich geständig. Er wurde festgenommen und befindet sich derzeit in der Justizanstalt Korneuburg.

Der Artikel wurde aktualisiert.

Hilfe in Krisensituationen

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Männernotruf: 0800 / 246-247
Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): Kontaktadressen aller Frauenhäuser in Österreich
Opfer von Gewalt können in jedem Bundesland Gewaltschutzzentren aufsuchen, auch ohne Anzeige: 0800 / 700-217

Polizei: Ansprechpartner für Personen, die Gewalt erleben oder wahrnehmen. Polizei-Notruf: 133
Kriminalprävention des Landeskriminalamts Wien: persönliche Beratung unter 0800 / 216-346
Onlineberatung HelpChat „Halt der Gewalt“: täglich 18–22 Uhr, freitags 9–23 Uhr

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.