Höhenrausch: Die höchsten Berge der EU

Deutschland: Zugspitze (2962m)

Deutschland: Zugspitze (2962m)

Der Journalist Wolfgang Machreich bestieg die höchsten Berge aller 28 EU-Staaten. Sein Buch bietet skurrile Überraschungen.

Die Idee kam ihm beim Radfahren. Nicht schon wieder auf den Großglockner oder Großvenediger, dachte der aus dem Salzburger Pinzgau stammende Journalist Wolfgang Machreich und setzte sich ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte die höchsten Berge aller 28 EU-Staaten besteigen, vom 4810 Meter hohen Mont Blanc bis zum 170 Meter niederen MØllehØj in Dänemark.

Daraus entstand das Buch "EU-Gipfel. 28 Höhepunkte Europas, auf die man stehen muss“. Machreich, der seit einigen Jahren als Sprecher der grünen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek Höhen und Tiefen der europäischen Politik verfolgt, schildert darin bizarre Gipfel-Erlebnisse. So finden die heftigsten Auseinandersetzungen über die höchsten Erhebungen ausgerechnet in den flachsten EU-Ländern statt. In Dänemark entschied eine staatliche Kommission über den seit 150 Jahre andauernden Streit, welcher Hügel nun wirklich der höchste sei: Es ist mit 170,86 Metern der MØllehØj, denn der lange als höchster dänische Gipfel geltende Yding SkovhØj wurde offiziell um einige Zentimeter gekürzt, weil bei der Messung das auf der Kuppe liegende Grab aus der Bronzezeit abgezogen wurde. Auch die Steine, die dänische Bergsteiger hinaufschleppten, gelten nicht.

Mit 560 Metern bietet auch der Luxemburger Kneiff keine alpinen Hochgefühle. Ein kleiner, weißer Stein am Rande einer stark befahrenen Fernstraße bezeichnet die höchste Erhebung im Großherzogtum. Und auch in den drei baltischen Ländern stehen Höhenräusche nur auf dem Wunschzettel: Immerhin zieren die Gipfel des Stuur Munamägi (318 Meter) in Estland oder des Gaizinkalns (311 Meter) in Lettland imposante Aussichtswarten. Die estnische erinnert an einen Leuchtturm, die lettische musste wegen Baufälligkeit gesprengt werden.

Bei den höheren Gipfeln sind die Aufstiegsrouten schweißtreibender. Der französische Mont Blanc ist als Monte Bianco mit 4810 Metern auch gleichzeitig Italiens höchster Berg, obwohl der Verlauf des Gipfelgrates noch immer umstritten ist. Machreich bestieg ihn daher nicht nur von Chamonix aus, sondern auch über die beschwerlichere Südroute auf italienischer Seite, die 1890 schon ein gewisser Achille Ratti gewählt hatte, der später als Papst Pius XI. Karriere machen sollte. Kulinarisch ist die italienische Seite ohnehin lohnender: Die auf 3070 Meter liegende Gonella Hütte bietet abends dreigängige Gourmet-Menüs, Weine aus dem Aostatal und einen "wunderbaren Espresso“.

Österreich: Großglockner (3798m)

Österreich: Großglockner

(3798m)

Frankreich/Italien: Mt. Blanc/Monte Bianco (4810m)

Frankreich/Italien: Mt. Blanc/Monte Bianco

(4810m)

Derzeit gibt es in der EU nur drei Berge mit einer Höhe über 3000 Meter: Mont Blanc/Monte Bianco (4810 Meter), der Großglockner (3798 Meter) und der spanische Pico del Teide (3718 Meter) auf Teneriffa. Doch der Vulkan gehört eigentlich geografisch zum afrikanischen Kontinent.

Am gefährlichsten für Machreich verlief der Gipfelsieg auf dem rumänischen Moldoveanu. Den trapezförmigen Berg wollte er mit Skiern bezwingen, aber ein Schlechtwettereinbruch ließ den letzten Aufstieg vom Nebengipfel um 17 Höhenmeter nicht zu. Erst zwei Jahre später sollte er den Karpaten-Gipfel erstürmen. Für Machreich eine lohnende Mühsal: "Es ist einer der schönsten Berge Europas.“

Zu den schwierigsten Touren zählt Machreich den Gerlachspitz/Gerlachovsky stit (2655 Meter) in der slowakischen Hohen Tatra. Der letzte Anstieg bietet zweieinhalb Stunden pure Kletterei, und eigentlich darf der Berg nur mit Führer bezwungen werden, was Machreich ablehnte. Der Gipfel hieß bis 1918 Franz-Joseph-Spitze, von 1949 bis 1959 aber trug er - ähnlich wie Bulgariens Musala - den Namen Stalins.

Zu den skurrilen Bergtouren zählt der 1952 Meter hohe Olympos auf Zypern. Den letzten Zutritt zum Gipfel verhindert eine Radarstation im militärischen Sperrgebiet der britischen Armee. Angeblich liefert diese nun Informationen über die IS-Truppen in Syrien.

Machreich hat schon für die allfällige Aufnahme weiterer EU-Länder vorgesorgt: Gipfel auf dem Westbalkan oder der Ararat im Osten der Türkei stehen auf dem Programm. In seinem beruflichen Alltag im EU-Parlament haben ihm seine Gipfelsiege schon oft zur Kontaktaufnahme geholfen. "Wenn ich einem Bulgaren sage, dass ich auf dem Musala war, oder einem Iren, dass ich die "Devil’s ladder“ des Carrauntoohil bezwungen habe, erntet man sofort Bewunderung. Es ist der ideale Anfang für einen Smalltalk.“

1. Dänemark: Møllehøj (170,86 m)
2. Malta: Dingli Cliffs (253 m)
3. Litauen: Aukštojas (294 m)
4. Lettland: Gaizinkalns (311 m)
5. Estland: Suur Munamägi (318 m)
6: Niederlande: Vaalserberg (323 m)
7. Luxemburg: Kneiff (560 m)
8. Belgien: Signal de Botrange (694 m)
9. Ungarn: Kékestetö (1014 m)
10. Irland: Carrauntoohil (1041 m)
11. Finnland: Haltitunturi (1324 m)
12. Großbritannien: Ben Nevis (1344 m)
13. Tschechien: Snezka/ Schneekoppe (1602 m)
14. Kroatien: Dinara (1831 m)
15. Zypern: Olympos (1951m)
16. Schweden: Kebnekaise (2104 m)
17. Portugal: Ponta da Pico (2355 m), Azoren
18. Polen: Rysy (2499 m)
19. Rumänien: Moldoveanu (2544 m)
20. Slowakei: Gerlachovski Stit (2655 m)
21. Slowenien: Triglav (2864 m)
22. Griechenland: Olymp/Mytikas (2918 m)
23. Bulgarien: Musala (2925 m)
24. Deutschland: Zugspitze (2962 m)
25. Spanien: Pico del Teide (3718 m), Teneriffa
26. Österreich: Großglockner (3798 m)
27./ 28. Frankreich/Italien: Mt.Blanc/Monte Bianco (4810 m)

Wolfgang Machreich: EU-Gipfel. 28 Höhepunkte Europas, auf die man stehen muss. Traveldiary.de Reiseliteratur-Verlag 200 Seiten, 15,30 Eur