Ingrid Brodnig: Mach mich abhängig!

Ingrid Brodnig: Mach mich abhängig!

Warum ich mehr Internet-Verbindung will – und nicht weniger.

Die Gegenwart ist eine konstante Enttäuschung – zumindest wenn man ein Technikfreak ist wie ich. Der digitale Wandel passiert einfach zu langsam. Ständig ist von großartigen digitalen Revolutionen die Rede, die uns angeblich bevorstehen – aber genau genommen bleiben die Tools unspektakulär.

Nehmen wir die Idee des „Internet of Things“ – dass alle Geräte bald mit dem Internet verbunden sein werden. Fährt man in Zukunft mit dem Auto nach Hause, schaltet sich automatisch die Fußbodenheizung ein. Wacht man in der Früh auf, signalisiert das Smartphone der Kaffeemaschine: „Bereite schon mal den Kaffee vor!“

Ich weiß: Viele Menschen sehen die Vernetzung all unserer Gerätschaften als dystopischen Albtraum an. Ich hingegen freue mich auf diese Zukunft – die menschliche Evolution ist gekennzeichnet vom Streben nach mehr Bequemlichkeit. Und ein komplett vernetzter Haushalt ist extrem praktisch. Ja, ich will in der Früh aufstehen und den frisch gerösteten Kaffee riechen – ohne einen Finger dafür gerührt zu haben!


Wo bleiben die Jetpacks, mit denen wir in die Arbeit fliegen?

Leider sind wir aber meilenweit von dieser Vision entfernt. Wirklich „smart“ sind viele neue Produkte nicht: Nespresso bietet um 199 Euro eine Kaffeemaschine an, die per Bluetooth mit dem Handy kommuniziert. Man kann via App die Einstellungen der Maschine ändern und den Kapselvorrat überprüfen. Doch das entscheidende Feature fehlt: Der Nutzer kann nicht per Smartphone die Maschine starten – wer in der Früh im Bett liegt, hat keinen Zugriff auf das Gerät, kann keinen Frühstückskaffee per Klick herunterlassen.

Wir leben in viel zu analogen Zeiten! Wo bleiben die Jetpacks, mit denen wir in die Arbeit fliegen? Wo die superintelligenten Roboter, die irgendwann gegen uns Menschen rebellieren? Wir schreiben das Jahr 2017 – und die beeindruckendste Technik, die wir mit uns führen, sind Smartphones, denen ständig die Batterie ausgeht.

brodnig.ingrid@profil.at