© Walter Wobrazek

Gesellschaft
08/11/2017

Irreführende Inhalte

Halbwahrheiten versetzen User in Rage.

von Ingrid Brodnig

Jede Woche präsentiert profil hier einen von sieben Typen von Fehl- und Desinformation im Internet. Diesmal werden Meldungen mit irreführenden Inhalten erklärt. Viele unseriöse Berichte im Internet sind nicht komplett erfunden, sie haben einen realen Kern, der aber mit falschen Behauptungen angereichert wird. Ein Beispiel lieferte die österreichische Zeitung "Wochenblick" im Frühjahr 2017. Sie behauptete online: "Merkel hofft auf zwölf Millionen Einwanderer." Im Text hieß es dann: "Man muss es heute schon aus britischen Medien erfahren: Es gibt ein geheimes Papier der deutschen Bundesregierung, welches die Masseneinwanderung nach Deutschland feiert."

Die Geschichte hat einen wahren Kern: Der Staat Deutschland ließ eine Demografiebilanz erstellen, in der auch verschiedene Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung nachzulesen sind. Ein einwanderungsstarkes Szenario rechnet mit 300.000 Migranten pro Jahr – bis zum Jahr 2060 gerechnet, wären das tatsächlich mehr als zwölf Millionen Menschen. Das sagt die rechte Zeitung in ihrem Text auch – jedoch ist die Geschichte irreführend aufbereitet. Beginnen wir beim Titel: Angela Merkel hat niemals gesagt, dass sie auf zwölf Millionen Einwanderer "hofft": Diese Aussage hat ihr eine britische Boulevardzeitung in den Mund gelegt, der "Wochenblick" zitiert genau genommen dieses Revolverblatt. Falsch ist außerdem, dass das Papier "geheim" sei und Medien nichts berichtet hätten: Die Demografiebilanz der deutschen Regierung kann jeder unter demografie-portal.de herunterladen. Mehr als ein Monat vor dem "Wochenblick" haben schon Medien wie der "Spiegel", die "Rheinische Post", der "Focus", die "Welt" darüber berichtet – hier verkauft das rechte österreichische Blatt eine alte Meldung als empörende Neuigkeit. Die Methode wirkt: Der "Wochenblick" erzielte mehr als 25.000 Likes, Kommentare oder Shares mit diesem Beitrag.

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