Kubikov: Fasten, Handys, Selbsthilfe-Apps

Kubikov

Kubikov

Eine Selbstgesprächstherapie.

Fasten, fasten, fasten!, ruft Kubikov und simuliert einen akuten Brechreiz: Nach Jahrzehnten unbeugsamer säkularer Basisarbeit haben wir es endlich geschafft, die Religion aus unserem Alltag zu verbannen, um sie durch die Hintertür dann doch wieder verschämt hereinzubitten. Gott, wie armselig! – Aber, wende ich vorsichtig ein, hast du nicht selbst am Aschermittwoch gelobt, bis auf Weiteres deinen geliebten Wermut abzusetzen? – Nur jeden zweiten, blafft Kubikov: Und deshalb springe ich jetzt gleich zum dritten. Ein kalter Entzug wäre meiner sensiblen Gesundheit ohnehin nicht zumutbar. Andererseits – er stützt sich bedeutungsvoll auf seinen linken Ellbogen, was er immer tut, wenn er im Begriff ist, etwas weiter auszuholen – andererseits hat der Detox-Ansatz durchaus seinen Reiz.

Ich habe vor vier Tagen mein Smartphone abgedreht und mir ein Nokia 3310 besorgt, das brandneue natürlich. Du glaubst es nicht: Man kann damit nur SMS verschicken und telefonieren! Ich habe seit Juli 2002 nicht mehr telefoniert. Mit wem auch? – Mit wem hast du denn im Juli 2002 telefoniert?, frage ich entgeistert. – Kubikov denkt nach: Mit meinem damaligen Snake-Partner wahrscheinlich. Er wog 120 Kilo, fastete jedes Jahr ausgiebig und legte dabei im Schnitt 15 bis 20 Pfund zu. Aber seine Kurznachrichten hatten geradezu metaphysische Qualitäten. Später programmierte er Selbsthilfe-Apps für Übergewichtige und wurde damit schwerreich – schwer reich sozusagen, hehe. Vielleicht habe ich seine Telefonnummer noch irgendwo. Wen sollte ich auch sonst anrufen?

Dieser Artikel stammt aus dem profil Nr. 10 vom 6.3.2017. Das aktuelle profil können Sie im Handel oder als E-Paper erwerben.