Szenenbild aus "Sancta": eine Nonne kniet in rotem LIcht auf der Bühne, hinter ihr ein Kamera-Kran
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Zeitgeist: mystisch. Was man von barocken Nonnen lernen könnte

Nonnen sind gerade omnipräsent, werden als Lifestyle-Idole und Social-Media-Heldinnen gefeiert. Warum? Zwei Historikerinnen gingen dem Phänomen auf die Spur und fragten sich, ob barocke Ordensfrauen gute Lebensratgeberinnen für die Gegenwart des Jahres 2026 sein könnten.

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Alle glücklichen Familien ähneln einander, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich. Manche finden aber auch ganz besondere Auswege aus ihrer Misere. In Ágreda zum Beispiel, einem kleinen Bergdorf in der spanischen Provinz Kastilien und Leon, erlebte die Landadelige Catalina de Arana eines Nachts im Jahr 1615 eine Offenbarung: Im Traum befahl ihr Gott, ihr Haus in ein Kloster der Konzeptionistinnen vom Orden der Unbefleckten Empfängnis Mariens umzuwidmen. Sie selbst und ihre Tochter Maria sollten Nonnen ebendieses Klosters werden, während ihr Mann und die zwei Söhne in das Franziskanerkloster des heiligen Antonius in Nalda übersiedeln mögen. Der liebe Gott hatte es so gewollt, da konnte der liebe Herr Gatte nicht widersprechen.

Allerdings hätte auch die junge Maria, nunmehr Schwester Maria de Jesús, andere Pläne gehabt. Anstatt zu reisen und die Welt zu erkunden, wie sie es nach ausgiebigen naturkundlichen Studien gern gemacht hätte, war sie nun wohl oder übel an ihr Eigenheimkloster gebunden. Zu ihrem Glück entwickelte sie schon um 1620 ein Talent zur Bilokation, also der unerklärlichen gleichzeitigen Präsenz an mehreren Orten, was ihr zahlreiche Reisen in die Neue Welt ermöglichte, insbesondere zu den amerikanischen Ureinwohnern vom Volk der Jumano.

Maria de Jesús de Ágreda war beileibe nicht die einzige Ordensfrau des Frühbarock, die mit dieser speziellen Fähigkeit ausgestattet war. Auch die Karmeliterin Juana de Jesús Maria war von ihrem Kloster im nordspanischen Burgos mehrfach nach Süd- und Mittelamerika gestreamt und dort auch in Kontakt mit den Einheimischen getreten; die Dominikanerin Martina de los Angeles wiederum hatte 1632 nach eigenen Angaben von ihrem Kloster in Saragossa aus in die Schlacht von Lützen eingegriffen und dort eigenhändig den schwedischen König Gustav Adolf zur Strecke gebracht.

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.