Szenenbild aus Florentina Holzingers Oper "Sancta"
© Nicole Marianna Wytyczak
Szenenbild aus Florentina Holzingers Oper "Sancta"
Zeitgeist: mystisch. Was man von barocken Nonnen lernen könnte
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Alle glücklichen Familien ähneln einander, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich. Manche finden aber auch ganz besondere Auswege aus ihrer Misere. In Ágreda zum Beispiel, einem kleinen Bergdorf in der spanischen Provinz Kastilien und Leon, erlebte die Landadelige Catalina de Arana eines Nachts im Jahr 1615 eine Offenbarung: Im Traum befahl ihr Gott, ihr Haus in ein Kloster der Konzeptionistinnen vom Orden der Unbefleckten Empfängnis Mariens umzuwidmen. Sie selbst und ihre Tochter Maria sollten Nonnen ebendieses Klosters werden, während ihr Mann und die zwei Söhne in das Franziskanerkloster des heiligen Antonius in Nalda übersiedeln mögen. Der liebe Gott hatte es so gewollt, da konnte der liebe Herr Gatte nicht widersprechen.
Allerdings hätte auch die junge Maria, nunmehr Schwester Maria de Jesús, andere Pläne gehabt. Anstatt zu reisen und die Welt zu erkunden, wie sie es nach ausgiebigen naturkundlichen Studien gern gemacht hätte, war sie nun wohl oder übel an ihr Eigenheimkloster gebunden. Zu ihrem Glück entwickelte sie schon um 1620 ein Talent zur Bilokation, also der unerklärlichen gleichzeitigen Präsenz an mehreren Orten, was ihr zahlreiche Reisen in die Neue Welt ermöglichte, insbesondere zu den amerikanischen Ureinwohnern vom Volk der Jumano.
Maria de Jesús de Ágreda war beileibe nicht die einzige Ordensfrau des Frühbarock, die mit dieser speziellen Fähigkeit ausgestattet war. Auch die Karmeliterin Juana de Jesús Maria war von ihrem Kloster im nordspanischen Burgos mehrfach nach Süd- und Mittelamerika gestreamt und dort auch in Kontakt mit den Einheimischen getreten; die Dominikanerin Martina de los Angeles wiederum hatte 1632 nach eigenen Angaben von ihrem Kloster in Saragossa aus in die Schlacht von Lützen eingegriffen und dort eigenhändig den schwedischen König Gustav Adolf zur Strecke gebracht.
In der Regel war die Bilokation aber doch ein Mittel der Mission in entlegenen Weltgegenden, wie sie auch Maria de Jesús betrieb. Übrigens mit erstaunlichem Erfolg: 1626 wurden in der Franziskanermission von San Agustin im heutigen New Mexico mehrere Jumanos mit der Bitte vorstellig, zum katholischen Glauben übertreten zu dürfen. Eine junge Frau in blauem Gewand hätte sie von dieser Idee überzeugt. Später konnten sie die junge Maria auf einem Bild identifizieren, was deren Renommee im katholischen Spanien erheblich steigerte und ihr auch eine langjährige Brieffreundschaft mit dem spanischen Habsburger Philipp IV. einbrachte.
Nonnen-Memes und Klostersehnsucht
Heute ist Frau Maria de Jesús de Ágreda nur noch Eingeweihten ein Begriff, ihr Berufsstand erfreut sich aber, ganz aktuell, einer beachtlichen Popularität. Wir befinden uns wohl im Zeitalter der Nonne. Die drei rebellischen Augustiner-Chorfrauen aus dem Salzburger Kloster Goldenstein trafen den Zeitgeist mit ihrem publikumswirksamen Aufstand im vergangenen Herbst. Schon seit Monaten geistern Nonnen (oder als Nonnen Verkleidete) durch die Populärkultur. Das US-Magazin „Interview“ war mit seiner Frühjahrsausgabe 2024 vorausgeprescht. Deren Titelbild zeigte Pop-Superstar Rihanna stark geschminkt und in einer Art Habit (allerdings mit weit geöffneter Bluse). Es folgten Klosterfrauenauftritte der Popstars Rosalía und Lily Allen, ein viel besprochener „Saturday Night Live“-Sketch aus einem Konvent „in einem abgelegenen Teil von Österreich“, featuring Bad Bunny und Mick Jagger in Nonnen-Drag. In einer eigenen Liga spielen die skateboardenden Nonnen in Florentina Holzingers großer Oper „Sancta“.
Auf TikTok grassiert ebenfalls ein Nonnenkult, unter dem Schlagwort #NunTok finden sich da etwa die exaltierten Kurzvideos von Sister Mary Blaze, die für ihre über 700.000 Followerinnen kinky Choreografien aufführt. Genauso gern gesehen: ironisch inspirierende Nonnen-Memes, die Achtsamkeit und reines Gewissen verheißen, indem sie das einfache Leben des klösterlichen Daseins durchdeklinieren. Und ist der Algorithmus erst einmal auf die Spur gesetzt, gibt es kein Halten mehr.
Entrückt - Rosalia auf dem Cover ihres Albums "Lux"
© Sony Music
Entrückt - Rosalia auf dem Cover ihres Albums "Lux"
Mit einer Hinwendung zum Glauben oder besonderer Gottverbundenheit hat diese Nonnenhausse kaum je zu tun, mit der ausufernden Sinnsuche der Generationen X bis Z aber umso mehr. Die spanischen Historikerinnen Carmen Urbita und Ana Garriga haben diese neue, spekulative, oft wohl auch ironische Klostersehnsucht nun genauer erforscht.
Urbita und Garriga hatten während ihrer Doktoratsstudien in den USA („ein tägliches Martyrium“) sich selbst und ihre Lebensumstände immer wieder in ihrem Forschungsgegenstand – den Biografien und Schriften frühneuzeitlicher Nonnen – wiedererkannt. Daraus wurde ein erfolgreicher Podcast („Las hijas de Felipe“; leider nur auf Spanisch verfügbar) sowie kürzlich auch das Nachschlagewerk „Convent Wisdom“, Untertitel: „Wie Nonnen aus dem sechzehnten Jahrhundert dein Leben verändern können“ (die deutsche Übersetzung erscheint im Februar bei Gutkind).
Es geht in diesem Buch um die essenziellen Fragen und Probleme der Gegenwart, also um Mikroaggressionen und toxische Freundschaften, um die Verheerungen des Dating-Markts und der Influencer-Kultur, um Selbstverwirklichung und Fear of Missing Out, um unrealistische Mietpreise und Körperbilder. Und tatsächlich lassen sich zu all diesen Themen jahrhundertealte Klostergeschichten erzählen, einige davon eher kurios, manche aber doch einigermaßen lehrreich. Die Autorinnen sind nach jahrelangem Quellenstudium jedenfalls davon überzeugt, „dass eine Gruppe von Unbeschuhten Karmeliterinnen im Spanien des 16. Jahrhunderts die Feinheiten der zeitgenössischen Dating-Szene mit einer Finesse analysieren konnten, die keine Folge von ‚Sex and the City‘ je erreicht hat; dass eine im 17. Jahrhundert fastende italienische Klarissin dir mehr helfen könnte als jeder Body-Positivity-Guru; und dass Oprah Winfreys Karrieretipps nie mit den Lehren einer mexikanischen Hieronymitin zum Thema Vorgesetzten-Behandlung mithalten können.“
Carmen Urbita, Ana Garriga: Convent Wisdom
(deutsche Ausgabe ab Februar im Verlag Gutkind)
Autonome Frauengruppen
Urbita und Garriga porträtieren ihre historischen Heldinnen als gewiefte Unternehmerinnen, beinharte Selbstvermarkterinnen, vormoderne Influencerinnen und subversive Widerstandskämpferinnen. Unter anderem haben sie auch die oben beschriebene Geschichte der bilozierenden Maria aus Ágreda ausgegraben. Ihre eigentliche, große Heldin ist aber Teresa von Ávila (1515–1582). Gleich in mehreren Kapiteln – das Buch behandelt unter anderem die Themenkomplexe Körper, Liebe, Geld und Ruhm – wird das Leben und Wirken der spanischen Heiligen da vorbildhaft für eine zeitgemäße Lebensführung beschrieben. So nahm sich die früh verwaiste Teresa das schlechte Beispiel ihrer unter der Care-Arbeit für zehn Kinder zugrunde gegangenen Mutter Beatriz zu Herzen, verabschiedete sich vom Heiratsmarkt und gründete 1562 nach mehreren Jahren in einem großen Karmeliterkonvent ihr eigenes Kloster für eine kleine Gruppe von 13 Frauen – „frei von der Tyrannei der Reproduktion“, schreiben Urbita und Garriga, die hier ein wichtiges Lifestyle-Ideal am Werk sehen: die Gründung autonomer Frauengruppen, die sich von den Zumutungen der Außenwelt abschotten und konsequent ihr eigenes Projekt vorantreiben. Teresa, die im Umgang mit kirchlichen Gönnern und Geldgebern sehr geschickt war, sollte in weiterer Folge nicht nur etliche Wunder vollbringen, sondern insgesamt 17 Frauenklöster nach ihrem eigenen Regelwerk gründen. „Dieser sture Widerstand gegen gewisse gesellschaftliche Normen ist möglicherweise ein Faktor, warum die Nun-Core-Ästhetik ein derartiges Revival erfährt“, meinen Urbita und Garriga.
Heilige Katharina von Siena
Katharina von Siena (1347-1380): Vorreiterin einer ganzen Essstörungs-Bewegung („Heilige Anorexie“)
© APA-Images / akg-images/Akg-Images/APA-Images
Heilige Katharina von Siena
Katharina von Siena (1347-1380): Vorreiterin einer ganzen Essstörungs-Bewegung („Heilige Anorexie“)
Einige wichtige Lektionen könne man auch von der mexikanischen Hieronymitin Juana Inés de la Cruz (1648–1695) lernen. Auch deren Ruhm hat ihre Lebenszeit überdauert, heute ist sie etwa auf mexikanischen 200-Pesos-Scheinen und in einer seifenopernhaften Netflix-Serie („Juana Inés“) zu bewundern. Kein Wunder: „Fast alles, was sie in ihrem Leben machte, war Teil einer sorgsam geplanten Aktion zur Marktführerschaft am Feld des christlichen Exzeptionalismus.“ Juana Inés war – als Autorin, Intellektuelle und mutmaßliche Geliebte der spanischen Vizekönigin in Mexiko – eine Figur großen öffentlichen Interesses und sehr effektiv im Umgang mit ihren Vorgesetzten. Im Konflikt mit dem Bischof von Puebla, der einen Text von ihr gegen ihren Willen veröffentlicht hatte, behielt Juana Inés mit einem offenen Brief die Oberhand, der in der Einleitung schmeichlerisch, in weiterer Folge unterwürfig und im folgenden Gegenschlag dann ungeheuer direkt war – um am Ende wieder zu tun, als wäre nichts gewesen. Man könnte diese Depesche wohl gut als Coaching-Grundlage für einen Erstbesuch im Oval Office des Donald Trump heranziehen.
„Heilige Anorexie“ und prämodernes „Girldinner“
„Convent Wisdom“ behandelt aber nicht nur mit überirdischem Selbstvertrauen gesegnete Ordensschwestern, sondern auch solche, die mit eitler Selbsttäuschung oder toxischen Beziehungen zu kämpfen hatten und eher negativ beispielhaft wirken. Man lernt auch von den Fehlern anderer. Oder von deren Essstörungen.
Anno 1677 tritt die gerade 16-jährige Veronica Giuliani in das Kloster der Klarissen-Kapuzinerinnen in Città di Castello, Umbrien, ein. Schon bald entwickelt die Novizin eine aus heutiger Sicht einigermaßen verstörende Ernährungspraxis, die zwischen hungerstreikartigem Fasten und dem Verzehren von Verdorbenem, Exkrementen und Tierkadavern changiert. Ihre Motivation? Mutmaßlich die Nachahmung berühmter Vorläuferinnen, was zu jener Zeit tatsächlich eine vernünftige Karriere-Entscheidung darstellte: „Veronica hat genug Geschichten von Heiligen gehört, um zu wissen, welche Punkte ein Mädchen abhaken musste, um zu beweisen, dass es übernatürlich begnadigt ist.“ Für Veronica war das IT-Girl to follow die Heilige Katharina von Siena (1347–1380), die der jungen Nonne in einer Vision erschienen ist – und die selbst eine große Hungerkünstlerin war und Generationen von Nonnen dazu anstiftete, sich der „Heiligen Anorexie“ zu verschreiben. Allerdings hat Veronica es geschafft, sich in ihrer karrieristischen Selbstdisziplinierung auch ein subversives Element zu bewahren – und sich den Erwartungen ihrer kirchlichen Vorgesetzten letztlich zu entziehen: Ohne Vorwarnung beschloss sie, wieder mit den anderen Nonnen zu essen und zum Zeichen ihrer mystischen Verbindung bloß noch täglich fünf Tropfen einer heiligen Flüssigkeit zu trinken, die aus ihrer linken Brust austrat – ein echtes „#Girldinner“, wie Urbita und Garriga sagen. Geschadet hat es den Ambitionen Veronicas übrigens nicht: Schon 1839 wurde sie von Papst Gregor XVI. heiliggesprochen.
Heilige Teresa von Avila
Teresa von Ávila (1515–1582): sturer Widerstand gegen manche gesellschaftliche Norm – und ein Talent für Levitation
© Mondadori via Getty Images/Mondadori Portfolio via Getty Images
Heilige Teresa von Avila
Teresa von Ávila (1515–1582): sturer Widerstand gegen manche gesellschaftliche Norm – und ein Talent für Levitation
Tatsächlich war die Motivation, durch mystische Akte in Richtung Heiligenstatus zu wirken, in Mittelalter und früher Neuzeit weit verbreitet. Die Heilige Teresa von Ávila war da keine Ausnahme, ihr spiritueller special effect war die Levitation, die ihr immer wieder unterkam (und die die Aktionskünstlerin Marina Abramović in ihrer Arbeit „The Kitchen – Hommage to Saint Therese“ sehr anschaulich nachvollzogen hat, aktuell zu bewundern in der großen Abramović-Retrospektive in der Wiener Albertina Modern).
Solche Kunststücke konnten freilich – in Verbindung mit strenger Diät, trancehaften Verkrampfungen und einem ansonsten eher sitzenden Lifestyle – auf Dauer zu einem gesundheitlichen Problem werden: 1713 ergänzte der italienische Mediziner Bernardino Ramazzini sein Standardwerk über die Krankheiten bestimmter Berufsgruppen um ein Kapital über den „Schutz der Gesundheit von Nonnen“: „Lesen und Singen mögen die Lungen trainieren, aber nicht den gesamten Körper.“ Teresa von Ávila beschreibt in ihrer spirituellen Autobiografie sehr genau, wie anstrengend ihre gottgewollten Erhebungen sein konnten.
Juana Ines de La Cruz
Juana Inés de la Cruz (1648–1695): Autorin, Intellektuelle – und Meisterin der geschliffenen Chef-Abwehr
© De Agostini via Getty Images/DeAgostini/Getty Images
Juana Ines de La Cruz
Juana Inés de la Cruz (1648–1695): Autorin, Intellektuelle – und Meisterin der geschliffenen Chef-Abwehr
Auch Maria de Jesús de Ágreda (die fernreisende Spanierin) erwies sich als flugfähige Nonne und wurde in ihrer Hochphase 1620 bis 1623 zu einer echten Publikumsattraktion mit Hunderten Zuschauern, die die bewusstlos schwebende Nonne oft aus Neugier hin- und her gepustet haben sollen (so beschreibt es jedenfalls ihr Biograf, der Bischof José Jiménez Samaniego).
„Nepo-Nonnen“ und heiliges Merchandising
Natürlich hatten es im Hochbarock nicht alle Nonnen nötig, mit derart unwürdigen mystischen Kunststücken für ihr Fortkommen zu sorgen. Bisweilen war der Weg ins Himmelreich von Geburts wegen mit Kuchen gepflastert. „Wie uns die Nepo-Nonnen des 17. Jahrhunderts daran erinnern, dass Meritokratie ein Mythos ist“, betiteln Urbita und Garriga ein Kapitel, in dem zwei Österreicherinnen prominent figurieren: Die Klarissin Sor Ana Dorotea de la Concepción, geboren 1611 als Anna Dorothea von Österreich, illegitime Tochter von Kaiser Rudolf II., war anno 1622 von Wien ins Kloster der Königlichen Unbeschuhten (Descalzas Reales) in Madrid gegangen, wo ihre Tante, Sor Margarita de la Cruz, alias Erzherzogin Margaretha von Österreich, lebte und eine schon damals legendäre Sammlung von rund 300 lebensnah gestalteten Jesuskindlein-Figuren betreute. Auch Ana Dorotea genoss im Madrider Kloster ein höfisches Leben samt eigener Dienerinnenschaft und machte ihrerseits die Konstruktion des unschätzbar wertvollen barocken Altars Unserer Lieben Frau von Guadalupe in der Hauskapelle des Klosters zu ihrem pet project.
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen (1098–1179): ein ausgeprägtes Gespür für Selbstvermarktung
© Heritage Images/Getty Images/Fine Art Images/Heritage Images/Getty Images
Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen (1098–1179): ein ausgeprägtes Gespür für Selbstvermarktung
Echtes klösterliches Unternehmertum repräsentierte dagegen die Benediktinerin und stilprägende Mystikerin Hildegard von Bingen (1098–1179), der es gelang, gegen den Widerstand ihres Abts Kuno ihr eigenes Kloster in Rupertsberg zu gründen („ein Kloster für sich allein“, wie die Autorinnen in Anspielung auf Virginia Woolf schreiben). Dort trieb sie die möglichst massenhafte Verbreitung ihrer Schriftensammlung „Scivias“ voran: Die Rupertsberger Nonnen vervielfältigten in aufreibender Handarbeit das Werk, um ihm Geltung in den spirituellen Zentren Europas verschaffen zu können – mit bis heute durchschlagendem Erfolg. Überhaupt blühte hinter Klostermauern schon vor Hunderten Jahren ein heller Sinn für Öffentlichkeitsarbeit, inklusive zielgruppenspezifischer Merchandising-Angebote: Die spanische Franziskaner-Terziärin Juana de la Cruz (1481–1534) erreichte mit einem ausgefeilten Fastenregime, regelmäßigen Levitationen und anderen mystischen Ekstasen eine große Fangemeinde bis hin zu Kaiser Karl V. und wurde schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt, konnte aber beim besten Willen nicht alle Fan-Anfragen bezüglich möglicher Reliquien bedienen. Die Lösung war regelrecht himmlisch: Juana ließ eine ganze Kiste voller Rosenkranz-Perlen von ihrem Schutzengel in den Himmel erheben, wo sie von Jesus höchstpersönlich gesegnet und anschließend wieder retourniert wurden, um auf Erden ihr wohltätiges Wirken zu entfalten. Tatsächlich sollen sie alle möglichen Leiden (von Gicht bis Hämorrhoiden) geheilt und gegen Dämonen oder plötzliche Unwetter geholfen haben, und wurden so zu einem der begehrtesten Fanartikel des 16. Jahrhunderts. Besonderes Feature: Per Kontaktübertragung konnten auch gewöhnliche Rosenkranz-Perlen von den juanitischen Exemplaren mit Wunderkräften angesteckt werden.
Versuchen Sie das einmal mit Ihrem Taylor-Swift-Armband.
Sebastian Hofer
schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.