Der Skispringer Jan Hörl sitzt vor einer Werbewand auf einem Barhocker in heftigem Schneetreiben
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In der zweiten Woche erwiesen sich die Olympischen Spiele noch einmal als Lektion in Sachen Leben: Glück ist ein Stein aus Granit, und wer seine Ruhe haben will, geht am besten in den Wald.

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Mal ziehen sich die Sekunden wie trüber Schnee, mal verfliegen die Stunden, als würden sie von Renndrohnen getragen. Und dann passt man einmal kurz nicht auf, und 16 Jahre sind vergangen. Über das Vergehen und, ganz grundsätzlich, das Wesen der Zeit lässt sich bei den Olympischen Winterspielen sehr gut nachdenken, zum Beispiel während einer endlosen Windpause im Skisprungfinale, beim Tausendstelzählen in der Bobbahn, oder natürlich beim Skibergsteigen. Denn den teilnehmenden Athleten dieser neuen, auf verwirrende Weise zugleich asketischen und spritzigen Olympiadisziplin kommt es vermutlich deutlich länger vor als uns, wenn sie da mit Affenzahn einen verschneiten Hang in Bormio hinaufsprinten. Drei Minuten sind ein Tag.

So richtig abstrakt wurde der Lauf der Zeit aber am vergangenen Sonntag, als drei Herren im besten Sportfunktionärsalter ein Olympiasiegertreppchen in Antholz erklommen. Ganz oben kam der französische Biathlet Martin Fourcade zu stehen, er machte bei dieser Gelegenheit einen glücklichen, aber nicht den taufrischesten Eindruck. Das mag daran liegen, dass er seine sportliche Karriere vor ziemlich genau sechs Jahren beendet hat. Und nein, Legendenrennen sind immer noch keine olympische Disziplin. Tatsächlich stammt die Goldmedaille, die Fourcade da am Sonntag ereilte, aus dem Biathlon-Massenstart der Olympischen Spiele von Vancouver 2010. Darum waren auch seine Kollegen am Siegertreppchen – der Slowake Pavol Hurajt und der Österreicher Christoph Sumann – schon ein bisschen grau um die Schläfen. Der damalige Erstplatzierte, der Russe Jewgenij Ustjugow, war nach langem Prozess wegen Dopings disqualifiziert worden, weshalb Sumann und Kollegen nun in der Wertung nachrückten.

Die Ex-Biathleten Pavol Hurajt, Martin Fourcade und Christoph Sumann jubeln über ihre Olympia-Medaillen
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Über Dopingfälle bei den laufenden Spielen war zu Redaktionsschluss noch nichts bekannt (die kurz vor den Spielen verhängte Sperre der italienischen Biathletin Rebecca Passler wurde aufgehoben, Passler dann aber von ihrem Verband ohnehin nicht aufgeboten). Dafür gibt es ganz neue, zeitgemäße Möglichkeiten, sich olympisch zu disqualifizieren, zum Beispiel durch die Verwendung von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen im Skiwachs. Man kennt das Zeug auch unter der Abkürzung PFAS und unter dem Spitznamen „Ewigkeitschemikalien“. Neuerdings ist deren Verwendung auf der Unterseite von Schneesportgeräten aus Umweltschutzgründen und wegen Gesundheitsgefahr verboten, was einem japanischen Snowboarder und zwei koreanischen Skiläufern gleich einmal zum Verhängnis wurde.

„Woiwoi, i kun deitsch redn“

Das Ewigkeitsmetall Gold wiederum ist bei Olympischen Spielen schon seit jeher ein flüchtiges Element. Man kann immer damit rechnen, aber das heißt noch lange nicht, dass man es am Ende wirklich zwischen die Zähne bekommt. Heuer mussten das vor allem die österreichischen Skifahrer feststellen, in der heimischen Paradedisziplin verpufften doch einige nationale Hoffnungen. Insgesamt zählen die Spiele in Norditalien trotzdem zu den erfolgreicheren der Geschichte und dank Matěj Švancer auch zu den stilvollsten. Der österreichische Ski-Freestyler legte im Big Air eine Show für die Ewigkeit hin, geschlagen nur von dem norwegischen Überraschungssieger Tormod Frostad und einem jungen US-Amerikaner mit dem unschlagbaren Namen Mac Forehand.

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.