schwedisches Curling-Duo Isabella und Rasmus Wranå steht am Eis und ist kurz davor, sich zu umarmen
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So geht Olympia: Milano/Cortina überzeugt auf ganzer Linie

Olympia in Italien, Woche eins: fliegende Vuvuzelas, fremdgehende Biathleten und weinende Influencer. Milano/Cortina hat vom Start weg geliefert.

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Geständnisse aus dem Olymp: In ihren Memoiren erinnerte sich die junge Marilyn Monroe an die Zeit vor der Unterzeichnung ihres ersten Filmvertrags 1948, es war offenbar nicht immer leicht. Aber: „Wenn ich in Hollywood nachts aus dem Fenster schaute, dachte ich immer: Bestimmt sitzen jetzt Tausende Mädchen so allein da wie ich und träumen davon, ein Filmstar zu werden. Aber darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Ich träume am härtesten.“

Im Milano Speed Skating Stadium auf dem Mailänder Messegelände, dem Hollywood des Eisschnelllaufs, übernahm die Niederländerin Jutta Leerdam dieser Tage – also pünktlich zum Start der 25. Olympischen Winterspiele – die Monroe-Doktrin. Sie träumte einfach am härtesten und stand also nach dem olympischen 1000-Meter-Lauf mit Goldmedaille am Siegerinnenpodest, was das auch gut abgehärtete Lächeln ihrer Landsfrau und Konkurrentin Femke Kok, die trotz neuem olympischen Rekord nur Zweite geworden war, sichtlich an den Rand der Vereisung brachte.

Die niederländische Eisschnellläuferin Jutta Leerdam ist den Tränen nahe, kurz nach ihrem Goldmedaillen-Lauf in Mailand
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Dafür war Leerdams Lebensgefährte, der US-amerikanische Influencer Jake Paul, ganz schön aufgelöst, beinahe flogen ihm die Löcher aus dem Käse, aber jedenfalls die Tränen in den Vollbart. Immerhin trug er kein Make-up, das deswegen zerlaufen hätte können. Leerdams Schminke war leider überhaupt nicht wasserfest, die sportliche Leistung der niederländischen Vorzeige-Athletin aber ohne Zweifel mindestens so herausragend wir ihr Zug zur Selbstvermarktung. 

Und am Ende ist ihr, die als professionelle Influencerin jeden Trend beim Schopf ergreift, auch noch die Medaille vom Band gerutscht. Zum Glück lief gerade ein Insta-Reel. Erfahrene Olympioniken hatten da längst zum vorsichtigen Feiern aufgerufen, insbesondere beim Herumspringen bei der Siegerehrung knallt nämlich das italienische Edelmetall gern in den Schnee (und fällt dort dank frühlingshafter Temperaturen derzeit zum Glück eher weich).

Kaputte Medaillen, fiese TV-Spots

Schon am zweiten Wettbewerbstag fühlt sich die US-Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson bei ihrer Pressekonferenz zu dem Warnhinweis genötigt: „Springt bloß nicht damit!“ Auch Johnsons Medaille war zuvor kaputtgegangen, wurde vom Veranstalter aber anstandslos umgetauscht. Das italienische Organisationskomitee erklärte sich offiziell für zerknirscht, unter Umständen liegt ein Produktionsmangel im Verbindungsteil von Medaillenband und -scheibe vor, möglich ist aber auch schlichtes Behördenversagen: Offenbar fordert eine gesetzliche Vorschrift eine Sollbruchstelle in der Olympiatrophäe, die verhindern soll, dass Medaillenträgerinnen und -träger von ihrem Anhängsel erwürgt werden. 

Vielleicht sind die Teile aber auch einfach zu schwer, je nach Material wiegen sie zwischen 420 und 506 Gramm. Und bevor jetzt jemand auf den Edelmetallkurs schielt: Die Goldmedaillen bestehen vorwiegend aus Silber und sind mit Gold überzogen, das bei Siegerehrungen beliebte Daraufherumbeißen erscheint insofern nicht ratsam, wir warten diesbezüglich aber noch auf Auskunft von Breezy Johnson.

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.