Olympische Dinge: Was Sie über die Spiele in Mailand wissen sollten
Wer fährt mit?
116 Bewerbe in 16 Disziplinen werden in Milano-Cortina insgesamt ausgetragen, aus Österreich werden 115 Sportlerinnen und Sportler (52 Frauen, 63 Männer) nach Italien fahren. Die meisten von ihnen stammen aus Tirol (41) und Salzburg (21); nur das Burgenland hat keine aktiven Sportler im olympischen Team. Die jüngste Teilnehmerin – Snowboard-Freestylerin Hanna Karrer – feiert am Tag der Eröffnung ihren 18. Geburtstag; ihre Teamkollegin Claudia Riegler (Snowboard Alpin) wird mit 52 Jahren die älteste österreichische Teilnehmerin sein. 53 Athletinnen und Athleten sind zum ersten Mal dabei, acht haben dafür schon eine Goldmedaille zu Hause hängen: Stefan Brennsteiner, Anna Gasser, Alessandro Hämmerle, Jan Hörl, Benjamin Karl, Stefan Kraft, Michael Matt und Kathi Truppe.
Wer wird was gewinnen?
Der Rodel-Olympiasieger von Pyeongchang, David Gleirscher, hat die interne Qualifikation des österreichischen Rodelteams nicht bestanden. Das will etwas heißen. Die Rodler zählen insgesamt zu den heißesten Medaillenkandidaten bei Olympia, der neue Doppelsitzer-Bewerb bei den Frauen ist klar im Visier der Weltcup-Seriensiegerinnen Selina Egle und Lara Kipp. Auch Janine Flock im Skeleton ist nach ihren Weltcup-Siegen in Winterberg und St. Moritz trotz rezenter Gehirnerschütterung alles zuzutrauen. Die österreichischen Skispringerinnen und Skispringer werden sich hinter den Geschwistern Domen und Nika Prevc aus Slowenien die Plätze ausmachen, im alpinen Skilauf hat vor allem Julia Scheib – und unter glücklichen Umständen auch Kitzbühel-Sieger Manuel Feller – Medaillenambitionen. Im Snowboardbereich sind mit Benjamin Karl, Sabine Payer und Jakob Dusek aktuelle Weltcup-Sieger im Team, und Johannes Lamparter fährt überhaupt als Weltcup-Gesamtführender in der Nordischen Kombination nach Predazzo.
Schaffe ich es rechtzeitig von der Herrenabfahrt zum Snowboard-Big-Air-Finale?
Das könnte sich, wenn es die Straßenverhältnisse zulassen, tatsächlich ausgehen. Beide Bewerbe finden am kommenden Samstag (7. 2.) im Olympia-Cluster „Veltlin“ statt, und mit der lokalen Buslinie 1072 ist man von Bormio (Herrenabfahrt) schon in einer knappen Stunde in Livigno (Big Air). Nicht alle Veranstaltungen werden sich so einfach miteinander kombinieren lassen. Insgesamt wird es bei den norditalienischen Spielen fünf Gebiets-Cluster und sechs Olympische Dörfer geben, zwischen den namenstiftenden Austragungsorten Mailand (Eishockey, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf) und Cortina d’Ampezzo (Curling, Bob, Rodeln, Skeleton, Ski Alpin) liegen gut fünf Autostunden; Bormio (Ski Alpin, Skibergsteigen) ist von Cortina sogar mehr als fünf Stunden entfernt. Es werden wohl die Spiele der langen Wege, wobei die Veranstalter lieber von den ersten „dezentralisierten Winterspielen“ der Geschichte sprechen.
Cortina d’Ampezzo – da war doch was?
Tatsächlich waren da unter anderem schon einmal Olympische Winterspiele, nämlich im Jahr 1956. Österreich schickte damals 50 Sportler und zehn Sportlerinnen nach Italien, darunter bis heute klingende Namen: Toni Sailer wurde mit drei Goldmedaillen zum Superstar der Spiele, auch Anderl Molterer holte sich mit Silber im Riesenslalom und Bronze in der Abfahrt entsprechende Lorbeeren; Hermann Mayr hingegen konnte als 39. im 15-Kilometer-Langlauf die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Insgesamt wurden damals 24 Wettbewerbe (17 Männer-, sechs Frauen-, ein Mixed-Wettbewerb) in vier Sportarten ausgetragen – und erstmals auch im TV ausgestrahlt.
Warum werden Salzburger Fußball-Fans am 6. Februar wahrscheinlich nostalgisch?
Die Eröffnung der Winterspiele im Mailänder San-Siro-Stadion – vulgo Giuseppe-Meazza-Stadion – wird bei österreichischen Fußballfans eines gewissen Alters (Ü40) und einschlägiger Herkunft (Salzburg) starke Erinnerungen wecken. An ebendieser Stelle verlor am 11. Mai 1994 die damalige Austria Salzburg im Finale des UEFA-Cups gegen Inter Mailand denkbar knapp mit 1:0. Zur olympischen Eröffnungszeremonie anno 2026 werden freilich nicht Heimo Pfeifenberger oder Wolfgang Feiersinger aufgeigen, sondern der italienische Tenor Andrea Bocelli und die US-amerikanische Popsängerin Mariah Carey, die, wie der Kreativdirektor der Veranstaltung, Marco Balich, versichert, „ein wunderschönes Lied singen und viele von uns verzaubern“ wird. All we want for Olympia is this.
Wo gibt es in Mailand das beste Risotto?
Die Experten von „Slow Food“ empfehlen in der Hauptstadt der Lombardei die (tatsächlich entzückende, aber nicht unbedingt auf Risotto fokussierte) Trattoria Mirta an der Piazza San Materno und die (ambientemäßig etwas herausfordernde, aber kulinarisch hochkarätige) Osteria del Treno bei der Piazza della Repubblica. Immer wieder als bestes Risotto der Stadt gehandelt wird jenes im Ristorante Ratanà, das direkt am botanischen Garten BAM liegt (und etwas höherpreisig ausfällt), eine anerkannte Institution in Sachen Ossobucco con Risotto alla Milanese ist die Antica Trattoria della Spesa gegenüber der Fondazione Feltrinelli. Und dann wäre da noch die international stark nachgefragte Trattoria Trippa bei der Porta Romana, die der globalisierte Foodie-Hype zwar teilweise ein bisschen überfordert, aber: Dabeisein ist alles!
Warum ist das Eishockeyfeld in Mailand so umstritten?
Wegen einer Pause im Spielkalender der nordamerikanischen Profiliga NHL können deren Stars endlich wieder an einem olympischen Turnier teilnehmen – zum ersten Mal seit Sotschi 2014. Das gibt allen teilnehmenden Nationen die Chance, aus dem Vollen zu schöpfen, am vollsten schöpfen die USA und Kanada, die Superstars wie Nathan MacKinnon oder Sidney Crosby aufbieten werden (und leider nicht die Stars der gerade sehr beliebten Gay-Hockey-Serie „Heated Rivalry“). Umso strenger blickten transatlantische Beobachter auf die Ausstattung der olympischen Eishockey-Arena Santagiulia in Mailand, die tatsächlich mit Ach und Krach kurz vor den Spielen fertiggestellt wurde und in den ersten Testspielen noch eine – gelinde gesagt – verbesserungsfähige Eisfläche aufbot. Um die Situation zu glätten – und den millionenschweren Beinen aus Amerika gesundheitsgefährdende Löcher zu ersparen –, wurde der Eis-Guru Don Moffatt von den Colorado Avalanche angeheuert.