Gesellschaft

On wednesdays, we wear pink: Die Macht der „Mädchenfilme“

Das Jahr 2023 hatte „Barbie“, 2024 bekommt „Mean Girls“. Weshalb „girly“-Filme momentan so erfolgreich sind, was sie anders machen und warum wir sie brauchen.
Eva  Sager

Von Eva Sager

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Jetzt wird es kurz ein bisschen kompliziert. „Mean Girls“, das ist der neueste Film zum Broadway-Musical „Mean Girls“, das eigentlich einmal das Musical zum Film „Mean Girls“ aus 2004 war, der ursprünglich von einem Ratgeberbuch für Eltern inspiriert wurde, das bei aggressiven Teenager-Mädchen helfen sollte. Jetzt bloß nicht aufgeben; Sie wissen schon: „That was so fetch“, „On Wednesdays we wear pink“ oder „I'm not like a regular mom, I'm a cool mom!“ Nicht? Lindsay Lohan, Amanda Seyfried, Rachel McAdams? Die Szene mit der Winter-Talent-Show und dem „Jingle Bell Rock“-Tanz? 

Nun gut, ein kurzer Rückblick. Im Jahr 2004 ist die Komödie „Mean Girls“ (auf deutsch „Girls Club – Vorsicht bissig!“) zum ersten Mal erschienen. Geschrieben hat sie die amerikanische  Komödiantin Tina Fey, Sie kennen Sie vielleicht von der amerikanischen Comedyshow „Saturday Night Live“. Es geht um die 16-jährige Cady Heron, die ihr ganzes Leben in Afrika verbracht hat, ihre Eltern sind Zoologen, und nach ihrem Umzug in die USA zum ersten Mal eine öffentliche Schule besuchen muss. Dort freundet sie sich mit den Außenseitern Janis und Damian an und beschließt, die Schulclique, „The Plastics“, angeführt von der gefürchteten Regina George, zu infiltrieren. Begleitet von jeder Menge High-School-Drama und Liebeskummer verliert Cady dabei jedoch ein wenig ihre Moralvorstellungen aus den Augen. Spoiler: Zum Schluss geht es trotzdem gut aus. 

Erfolg in Pink

In den letzten 20 Jahren hat sich „Mean Girls“ einen popkulturellen Sonderstatus erarbeitet. Dutzende Filme referenzieren auf die Teenie-Komödie, in Ariana Grandes Pop-Song „Thank U, Next“ werden ganze Szenen aus ihr nachgespielt, ständig gehen Audioausschnitte des Films auf TikTok viral und sogar Barack Obama postete ein Foto seines Hundes Bo mit der Bildunterschrift „Bo, stop trying to make fetch happen“; eine Anspielung auf einen Sager von Regina George zu einer ihrer Untergebenen, die das Wort „fetch“ gerne als Synonym für „cool“ in der Schule etablieren möchte („that’s so fetch!“). 2017 folgte dann die Musical-Produktion, unter anderem für den Broadway, ebenfalls geschrieben von Tina Fey, die nun 20 Jahre nach dem Erscheinen des Originals als Musical-Film in die Kinos kommt, genauer am 25. Januar 2024.

„Mean Girls“ hat eben schon damals richtig gemacht, was großen Produktionen wie „Barbie“ heute Erfolg beschert. Statt sich über die Lebensrealitäten von Mädchen und Frauen per se einfach nur lustig zu machen und alles als peinlich zu titulieren, was ihnen Spaß macht, lacht man mit ihnen, und zwar auf eine ziemlich kluge Art und Weise. Make-up, pinke Kleider, Taylor Swift Songs – Trends und Phänomene, denen man gesamtgesellschaftlich oft etwas herablassend begegnet, werden nicht versteckt, sondern stolz vor sich hergetragen. Diese Diskussion haben wir zuletzt immer wieder bei Greta Gerwigs Spielfilm “Barbie” geführt. Unter anderem veröffentlichte „Die Chefredaktion“ dazu einen Kommentar mit dem Titel „Was Mädchen mögen, finden alle anderen aus Prinzip scheiße“ und auch profil beobachtete das Phänomen bei den Taylor Swift-Fans - Stichwort: „Weil es offenbar keinen größeren Irrtum gibt, als junge Frauen mit einer Leidenschaft für Popmusik, macht man sich gerne darüber lustig.“

Auch „Mean Girls“ hat in seiner neuesten Form das Potential, diese Debatte weiter anzuheizen. Der Film handelt nämlich nicht nur von einer Schule, deren mächtigste Personengruppe Girls in pinken Outfits sind („on wednesdays, we wear pink“), sondern ist noch dazu ein Musical, Tanznummern inklusive. 

Sein Vorteil: Allzu ernst nimmt sich dabei niemand. Schauspielerin Reneé Rapp (Regina George) meinte erst kürzlich in einem Interview: „It was fun, but it was just silly. Like, we made like a musical of a movie that was already a musical based off a movie. Like, we’re not out here curing cancer. We’re just having fun.“ („Es hat Spaß gemacht, aber es war einfach albern. Wir haben ein Musical aus einem Film gemacht, der bereits ein Musical war, das auf einem Film basiert. Wir sind nicht hier, um Krebs zu heilen. Wir haben einfach Spaß.“)

Es ist wichtig, auch der weiblichen Albernheit eine zentrale Perspektive zu geben. Feminismus bedeutet eben auch bedeutet, hin und wieder einfach nur Spaß haben zu dürfen.

Das fasst den Reiz der „Mädchenfilme“ recht gut zusammen. Manchmal darf man, muss man ein bisschen „funny“ sein, vielleicht sogar ein bisschen peinlich. Schließlich ist spätestens seit „Barbie“ allen klar, dass man damit recht gut Geld verdienen kann. Dass es wichtig ist, auch der weiblichen Albernheit eine zentrale Perspektive zu geben. Und dass Feminismus eben auch bedeutet, hin und wieder einfach nur Spaß haben zu dürfen.

Die Kritik daran? Dem klassischen Mädchenfilm wird meistens vorgeworfen, sexistische Stereotypen gesellschaftlich zu zementieren, anstatt sie herauszufordern. So trägt Margot Robbie als Barbie ausschließlich High-Heels und Regina George in „Mean Girls” besonders gerne pink. Eine ihrer Freundinnen, Karen Smith, ist sogar der Inbegriff der naiven und blöden Schönheit. Das, was früher als reaktionär, oft sogar frauenfeindlich, gegolten hat, wird nun in vielen Fällen umgedreht. „Sexy“, „dumm“, „pink“ - Atrritubite des „hyper-weiblichen“ quasi reframed. Junge Mädchen holen sich damit das zurück, von dem sie sich einst distanzieren sollten. 

Dementsprechend: On wednesdays, we wear pink!

Eva  Sager

Eva Sager

schreibt über Gesellschaft und Gegenwart.