Das Bild zeigt zwei Marillenknödel
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Restaurant „Sekki“: Omas Marillenknödel auf leiwand

Zwei unkonventionelle Gastronomen haben das Lokal des Wiener Hotels „The Leo Grand“ übernommen: ein wilder Ritt.

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Du beißt rein. Wenn du mit deinen Zähnen durch die süßliche Kaugummi-Schicht gedrungen bist, quillt plötzlich ein Schwall Sirup heraus, der so sauer ist, dass er dir die Lippen nach innen faltet. Wenn wir nach der Schule, Ende der 1990er-Jahre, mal so richtig harte Mädels und Jungs sein wollten, dann gab es dafür nur ein Mittel: Der Kaugummi „Center Shock“ war im Kern derartig abenteuerlich sauer, dass er sich wie auf der Zunge getragene Rebellion anfühlte.

Das Bild zeigt das Hotel The Leo Grand in Wien von außen
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Meine Revoluzzer-Zeiten liegen jetzt schon etwas länger zurück, beim Eintreten in den wunderschön kitschigen Innenhof des Hotels „The Leo Grand“ im 1. Wiener Gemeindebezirk beschleicht mich deshalb ein dezent befremdliches Gefühl: Ausgerechnet hier sollen (noch bis Mitte August) die coolsten Gastro-People in Town die österreichische Küche mit der asiatischen verschmelzen? Lucas Shong (schenkte im „Café Kandl“ Weine aus, die man in Wien sonst nicht bekommt) und Jakob Bergholtz (stand unter anderem im „Loup Garou“ hinter dem Herd) wagen sich an eine österreichisch-asiatische Mischkulanz und füllen in ihrem Sommer-Pop-up „Sekki“ die zuckrige Hotel-Hülle mit einem leicht verrückten, positiv-widerborstigen Kern.

Das Bild zeigt Gemüse auf Eis und einen Ssamjang-Gewürzpaste
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Die beiden legen allen Ernstes (aber ich glaube, auch ein bisschen ironisch) damit los, dass sie ihre „Korean Crudités“ (Bild oben) auf einer riesigen Eisplatte präsentieren, so als wären es Gillardeau-Austern. Gurke, Kohlrabi, Salat, Radieschen und Apfelspalten werden da derartig unnötig bombastisch in Szene gesetzt, dass es eine reine Freude ist. Die scharfe koreanische Ssamjang-Gewürzpaste dazu macht süchtig und geht trotz des umfangreichen Gemüse-Angebots nicht so schnell aus.

Das Bild zeigt eine Rindssuppe mit Ei
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Die sehr intensive Rindsuppe zum „Viennese Onsen Egg“ (Bild oben) soll wohl Österreich repräsentieren, das wachsweich pochierte Ei wurde mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht in einer japanischen Quelle gegart. Sehr viel sehr grob gehackte Petersilie und Schnittlauch sowie ein paar Rindsgrammeln sorgen dafür, dass der Teller auch gut als Katerfrühstück durchgehen würde.

Das Bild zeigt eine Hühnerleber mit Schwarzbrot
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In eine ganz andere Ecke schielt die „Chicken Liver Crème Brûlée“ (Bild oben). Mit einer zünftigen Scheibe Schwarzbrot kommt dieser französische Küchenklassiker daher. Nur ist das hier halt kein Dessert, und deshalb gibt’s statt Vanillecreme eine herrliche Hühnerleber-Mousse. Die typische, abgeflämmte Zuckerglasur darf trotzdem nicht fehlen, wird hier aber anschließend auch gesalzen. Der Hammer.

Das Bild zeigt einen Kaspressknödel
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Noch eine Ecke zünftiger wird es dann mit dem Sekki-Kaspressknödel (Bild oben). Der wurde mit Käse des Wiener Star-Käsegeschäfts „Jumi“ hergestellt, angebraten und mit einer Pflaumen-Majo getoppt. Das funktioniert in etwa so, als würden Sie Ihren Käse in ein Chutney tunken und dabei richtig viel Spaß haben. Am Ende kommt, als wäre der Knödel halt doch eine normale Suppeneinlage, Schnittlauch drauf. Ja, warum eigentlich auch nicht?

Das Bild zeigt ein Earl Grey Panna Cotta
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Ein bisschen zu wenig wild treibt es dann die Earl-Grey-Panna-Cotta (Bild oben). Die Schwarztee-Milch-Mischung wird mit der Zeit leider zu einer etwas monotonen Angelegenheit. Spannender ist das aus Sahne und chinesischer Dattel gekochte Jujube-Eis, das Karamell- und Fruchtnoten mitbringt. Bei „Mimis Marillenknödel“ (Bild ganz oben) ist dann jedenfalls Schluss mit lustig: Frau Mimi ist Buchholzers Oma – und nach ihrem Rezept wurden die zwei mächtigen Marillenknödel auf dem Teller zubereitet. Ziemlich viel fluffiger Topfenteig umschließt das aktuell sehr beliebte Steinobst. Auffällig: Süß ist daran nicht viel. Dafür stellt der Service eine Schüssel Kristallzucker ein – nicht, dass so ein Knödel auch noch gesund wirken könnte!

Österreichische Küche, französische Küche, japanische Küche, koreanische Küche, Omas Küche – im „Sekki“ ist alles dabei. Und kommt in einem Ambiente daher, in das solche Spinnereien gar nicht so recht passen mögen. Genau das ist aber auch der Schmäh daran, und der geht voll auf. Am Ende, zur Rechnung, wird dann tatsächlich ein „Center Shock“-Kaugummi serviert. Der schmeckte im Vergleich zum vorher Gebotenen unglaublich langweilig.

Stimmung: Hip-Hop in der Oper
Empfehlung: den Dreiteiler zu Hause lassen 
Preisverhältnis: Vorspeisen 8–16 Euro, Hauptspeisen: 18–28 Euro, Dessert: 13–14 Euro

Sekki at The Leo Grand 
Bauernmarkt 1 
1010 Wien 
sekki.at
noch bis Mitte August Fr–So von 18–24 Uhr 

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.