Restaurant „It’s amore“ auf der Donauinsel: Liebe ist es nicht
Wo früher auf der Wiener Donauinsel mal die „Sunken City“ war, ist in den vergangenen Wochen mit dem „Pier 22“ ein neues Freizeitareal in den Vollbetrieb gegangen: Neben den üblichen Bademöglichkeiten gibt es unter anderem Streetfood, zwei Kaffeehäuser, einen Bootsverleih und eine Fitnesszone, deren männliches, konsequent oberkörperfrei trainierendes Publikum womöglich vor allem nach einer ganz bestimmten Sache Ausschau hält: der Liebe natürlich.
Vielleicht sollten es die Herren einfach im neuen, zentralen Gastro-Betrieb des Piers probieren: Das italienisch ausgerichtete Lokal „It’s amore“ hat nicht umsonst einen Namen, der auch aus dem Repertoire der Schlagerbarden „Die Amigos“ stammen könnte. Davon abgesehen ist das von den Brüdern Dominik und Philipp Ercin betriebene Restaurant ein Hybrid aus Neu- und Wiederöffnung: Es existierte nämlich schon einmal dort, nur halt nicht in ganz so schön und modern. Das neue „Amore“ ist aber wirklich eine Augenweide mit tollem Ausblick auf die Neue Donau und die angrenzende Hochhaus-Skyline.
Irgendwann reicht der Ausblick zu Unterhaltungszwecken aber nicht mehr aus, die innere Sehnsucht nach einer Speisekarte wird einfach zu groß. Warum nimmt die eigentlich nicht gleich der Empfang mit? Vielleicht war der ja auch vom Ausblick abgelenkt.
Dass die Menschen am Nebentisch, die später gekommen sind, ihre Pizza schneller bekommen als wir unsere küchentechnisch anspruchslosen Vorspeisen, kann ich mir dann nicht mehr mit optischen Ablenkungen schönreden, also winken wir semiromantisch zum Service hinüber, dann wird’s kurz hektisch – und das Rinder-Carpaccio (Bild ganz oben) ist auch schon da.
Dieses ist hauchdünn und schwer in Ordnung, weicht aber keinen Deut von der tausendfach geübten Zusammenstellung mit Rucola, Tomaten und Olivenöl ab – muss es freilich auch nicht. Der vegetarische Antipasti-Teller (Bild oben) mit Gorgonzola, Büffelmozzarella, Grillgemüse, eingelegten Tomaten und Zwiebeln sowie einer Portion Rucola ist üppig bestückt und schmeckt tadellos.
Ungefähr eine Minute, nachdem die Vorspeisenteller abgeräumt wurden, bin ich für die Hauptspeise eigentlich noch nicht ganz bereit, aber gut, mit dem Timing hat man es heute hier einfach nicht so, dafür fehlt der davor noch extra feilgebotene Knoblauch auf der nach dem Betriebsleiter benannten „Dominiks Lieblingspizza“ (Bild oben). Nicht dramatisch, aber schön langsam nervt das hier alles doch ein wenig sehr. Die Pizza selbst tut das nicht: Der wertige Büffelmozzarella ist kalt und in rauer Menge vorhanden – dazu gibt es Pinienkerne, Basilikum, Parmesan, gelbe und rote Tomaten, Trüffelöl und eigentlich nichts zu beklagen.
Die Spaghetti Carbonara (Bild oben) mit schön knusprigem Guanciale, Eigelb und Grana sind vielleicht insgesamt ein wenig pampig geworden, sollte man aber mit der österreichischen Vorstellung von al dente gut leben können, darf die hausgemachte Pasta ebenfalls als gelungen bezeichnet werden.
Dann dauert es wieder, bis endlich das Dessert aufschlägt, das Winken und Warten hat sich aber definitiv gelohnt: Das hausgemachte Pistazien-Tiramisu (Bild oben) spielt in puncto Cremigkeit in einer eigenen Liga. Richtig großartig – unbedingt bestellen!
Als wir nach fast drei Stunden Aufenthalt schön langsam die Rechnung herbeisehnen, bin ich liebesmäßig eher unbefriedigt. Kulinarisch liefert das „It’s amore“ aber durchaus ansprechende Qualität im Rahmen bereits gut bekannter Selbstläufer-Speisen. Gepaart mit der schönen Atmosphäre und dem zwar unkoordiniert wirkenden, aber immerhin freundlichen Service ist das für ein Sommernachtsabenteuer absolut in Ordnung. Ich für meinen Teil habe aber für so langwierige Affären einfach keine Geduld. Tut mir leid, bin wieder in der Fitnesszone!
Stimmung: O du schöne Neue Donau
Empfehlung: Zeit haben
Preisverhältnis: Vorspeisen: 8–24 Euro, Pasta: 16–34 Euro, Fisch, Risotto, Fleisch: 26–44 Euro, Pizza: 13–29 Euro, Dessert: 9–12 Euro
It’s amore
Donauinsel, Pier 22
1220 Wien
itsamore.at
Mo–So 11–24 Uhr