Privat finanzierte Kunsträume boomen seit eineinhalb Dekaden

International agieren sie mittlerweile auf Augenhöhe mit öffentlichen Institutionen.

Es wird eng für die öffentlich finanzierten Museen: Während ihre Ankaufsbudgets tendenziell sinken, steigen die Marktpreise für bedeutende Kunstwerke stetig. Manche Mäzene entscheiden sich deswegen dafür, die schwächelnden Häuser zu unterstützen und ihre Schätze der Öffentlichkeit zu schenken. Manche Sammler, wie etwa der 2010 verstorbene Rudolf Leopold, lassen sich im Gegenzug dafür ein Museum bauen. Andere finanzieren ein solches aus eigenem Vermögen.

Das ist zwar nichts ganz Neues: Bereits 1939 ließ Solomon R. Guggenheim seine New Yorker Architekturikone von Frank Lloyd Wright errichten, der Käsemillionär Knud W. Jensen eröffnete 1958 sein Louisiana Museum nahe Kopenhagen, das Galeristen- und Sammlerehepaar Marguerite und Aimé Maeght baute 1964 seine weitläufige Anlage an der Côte d’Azur, und rund 20 Jahre später präsentierte der Londoner Werbeguru Charles Saatchi seine Galerie der Öffentlichkeit.

Erst seit den späten 1990er-Jahren aber boomen die privaten Kunsträume wirklich. „Das Verhältnis zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Museen hat sich seit der Jahrtausendwende insofern merklich verändert, als private Sammlungen nicht mehr als Kooperationspartner, sondern als eigenständige und ebenbürtige Kunstinitiativen öffentlich auftreten“, schreibt Gerda Ridler, Direktorin des Oberösterreichischen Landesmuseums, in einer der wenigen Publikationen über das Phänomen („Privat gesammelt – öffentlich präsentiert: Über den Erfolg eines neuen musealen Trends bei Kunstsammlungen“).

Einige Jahre vor Karlheinz Essl öffnete die international weitaus bedeutendere Fondation Beyeler in Riehen bei Basel einen spektakulären Neubau von Renzo Piano – man präsentiert dort rund 250 Werke von Edgar Degas und Paul Cézanne, Claude Monet und Henri Matisse, Max Ernst und Francis Bacon – und nutzt den weitläufigen Park für Skulpturenausstellungen. Erst im März 2013 wurde die Errichtung eines anderen Sammlermuseums mit Schweizer Wurzeln abgeschlossen: In Rio de Janeiro lud die hochkarätige Daros Collection, die von der Zürcher Industriellendynastie Schmidheiny aufgebaut wurde und deren Schwerpunkt auf lateinamerikanischer Kunst liegt, zur Eröffnung ihrer neuen Räumlichkeiten in einem ehemaligen Waisenhaus.
Der Trend erreichte mittlerweile die Ukraine (Viktor Pinchuk), Russland (Dascha Schukowa) und Australien (David Walsh); und selbstverständlich verfügen auch in den USA zahlreiche Mäzene (Eli Broad, Peter Brant, Mera und Donald Rubell) über eigene Präsentationsräumlichkeiten. Deutschland scheint von derartigen Häusern geradezu übersät zu sein: Julia Stoscheks einstige Fabrikshalle in Düsseldorf, Chris-tian Boros’ imposanter Kunstbunker in Berlin, Thomas Olbrichts „ME Collectors Room“, ebenfalls in der Hauptstadt, das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, Reinhold Würths Schauraum in Schwäbisch Hall und Ingvild Goetz’ Ausstellungsraum in München sind nur einige jener Schauplätze, die öffentlich finanzierte Museen ergänzen.

In Österreich taten es bis dato immerhin zwei Sammler den Essls nach und errichteten neue Räumlichkeiten für ihre Kunst: Der Industrielle Herbert Liaunig ließ 2008 von der Architektengruppe querkraft einen lichtdurchfluteten Riegel in die Kärntner Landschaft bauen, und erst im Vorjahr eröffnete der oberösterreichische Unternehmer Heinz Angerlehner seine umgebaute Fabrikshalle in Wels. Beide präsentieren vorwiegend
österreichische Kunst.