Eine junge Frau setzt sich eine Hormonspritze, um Eizellen entnehmen lassen zu können
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Ab April 2027 ist Frauen das Einfrieren von Eizellen endlich auch bei uns erlaubt. Doch viele Unsicherheiten müssen noch offen gelegt werden: Altersgrenze, Diskriminierung von Single-Frauen und die Aufklärung über den hohen Risikofaktor, dass die Babys später dennoch ausbleiben.

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Carina, 35 und Personalmanagerin in Berlin, sagt das, was sich durch alle Interviews mit Frauen ab Mitte bis Ende 30 durchzieht, die ihre Eizellen einfrieren wollen beziehungsweise das schon erledigt haben: „Es nimmt tatsächlich einen schweren Druck weg. Den Druck, den passenden Mann zu finden.“  Sie ist zurzeit und auch schon seit Längerem Single. Berlin ist bekanntlich die Hochburg von Singles und „situationships“, sprich: loser Beziehungen, die unter den „Nix-is-fix“-Faktor fallen. „Ich möchte mir nicht bei jedem Mann, mit dem ich zusammenkomme, sofort die Frage stellen: Kannst du mein Baby-Daddy sein?“ Erheblich gelitten hat sie unter den Informationsdefiziten, was „Social Egg Freezing“ betrifft: „Man fühlt sich dann schon sehr auf sich allein gestellt.“ Im Alter von 32 und 33 absolvierte sie insgesamt drei Runden der Eizellenentnahme, wobei die Ausbeute „stark von meinem Stresslevel abhing. Bei den ersten Runden war ich in einer toxischen Jobsituation, was sich dann auch entsprechend bei der Ausbeute niederschlug.“

Die Geburtenrate in Berlin befindet sich mit 1,2 Kindern pro Frau auf einem historischen Tiefstand. Akuter Handlungsbedarf zieht sich durch die gesamte westliche Welt, was die Politik zunehmend in Unruhe versetzt. Auch in Österreich ist die Kinderzahl auf ein Rekordtief von 1,3 pro Frau gesunken. 1980 waren es 1,65 Kinder, 2015 noch 1,49 Kinder. Ohne die starke Zuwanderung der letzten Jahre wäre die Geburtenrate noch deutlich niedriger. Das zeigen die Statistiken in Wien besonders krass. Dort liegt sie bei Frauen mit österreichischer Herkunft nur noch bei 1,0, bei Frauen mit Migrationshintergrund bei 1,45. Um eine Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten, wäre eine Geburtenrate von 2,1 notwendig.

In den Städten schlägt sich der höhere Anteil an Frauen mit Universitäts- und Maturaabschluss deutlich nieder. Sie bekommen im Vergleich zu anderen Bildungsschichten weniger Kinder. Und wenn sie Nachwuchs planen, dann deutlich später. Eine Studie der US-Universität Yale  bezeichnet dieses Phänomen als „mating-gap“, als Paarungs-Kluft. Als Ursache dafür  gilt das wachsende Bildungsgefälle zwischen Frauen und Männern: Frauen finden weniger leicht Männer, die ihrem Bildungsstatus entsprechen. „Es wäre falsch, diesen Frauentypus als ausschließlich auf ihre Karriere fokussiert zu bezeichnen“, sagt die Berlinerin Anne Hartmann. Sie ist Betreiberin einer Betreuungsagentur namens „Onni Care“ für „Social-Freeze“-Kandidatinnen und betreute wegen des Verbots in Österreich immer wieder auch „Gefrier-Pendlerinnen“ aus dem Nachbarland.  Es gehe vielmehr um „Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit“.  Frauen seien  „viel komplexer als die Klischees, die um sie kursieren“.

Noch ist „Social Freezing“ oder auch „Social Egg Freezing“ in Österreich  Neuland und erst nach einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs spätestens ab 1. April 2027 per Gesetz erlaubt.  

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 in der profil-Innenpolitik, davor bei Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber und KURIER. Seine Recherchen beschäftigen sich vor allem mit Zuwanderung, Bildung und Gesundheit.

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort