Christopher Knett
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„Wie Ronaldo“: Christopher Knett über seine Zeit als Fußballstar im Iran

Den Tormann Christopher Knett kennt in Österreich kaum jemand – aber im Iran ist er ein Superstar. Die Geschichte eines Wieners zwischen verpönten Tattoos, verhafteten Mitspielern und der Frage, ob eine Diktatur der richtige Ort ist, um ans große Geld zu kommen.

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Christopher Knett hatte keine Zeit, lange zu überlegen. Alles musste schnell gehen. Fünf Jahre ist das nun her; der Tormann, damals 30 Jahre alt, hatte sich gerade bei Vertragsverhandlungen verpokert und war arbeitslos in Wien, als das Telefon klingelte. Ein iranischer Berater war dran, der ihm ein unerwartetes Angebot unterbreitete – aus dem Iran. „Wie, aus dem Iran?“, fragte Knett ungläubig. „Da gehe ich sicher nicht hin!“

Seine Frau warf schnell die Internet-Suchmaschine an – und war erschrocken. In dem Land gilt die Scharia, das islamische Recht. Todesstrafe, Folter, Unterdrückung sind Alltag. Frauen werden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Doch der Mann am Telefon hatte ein gutes Argument. Knett könne dort viel Geld verdienen, sagte er. Wie viel, fragte Knett. Sehr viel! Zwei Tage später saß der Wiener im Flugzeug. Allein. Er wollte sich erst einmal ein Bild von Land und Leuten machen. „Ist das möglich mit der Familie? Und kann ich das verantworten?“

Dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Ein Riesenempfang in der Millionenstadt Isfahan, Fans am Flughafen, viele neue Instagram-Follower. „Ich bin behandelt worden, als wäre ich ein Superstar, der gerade zu Real Madrid wechselt“, erzählt Knett. „Da habe ich gesagt: Ich mache das einfach, ohne viel darüber nachzudenken.“

 Ich bin behandelt worden, als wäre ich ein Superstar, der gerade zu Real Madrid wechselt.

Christopher Knett

über seine Ankunft in Isfahan

Der Iran war schon vor dem Krieg ein ungewöhnliches Transferziel. In der Fußballwelt gilt eigentlich Saudi-Arabien als Kicker-Schlaraffenland. Auch dort werden Spieler mit Luxus überhäuft – und stehen zwischen Hinrichtungen und eingeschränkten Frauenrechten vor der Wahl: zwischen Millionen und Moral. Doch es gibt einen Unterschied. Die Saudis suchen den Kontakt zum Westen, wollen mit Sportstars das Image ihres Landes aufpolieren. Im Iran dagegen regiert ein wenig kalkulierbares Regime, dem die Meinung der Welt egal ist. Die eigenen Landsleute werden unterdrückt, Demonstranten getötet und Fußballhelden im Land festgehalten. Knetts Frau und seine Mutter hatten große Bedenken. Ist das der richtige Ort, um sich vom großen Geld locken zu lassen?

Illustration zeigt Christopher Knett im Torwartdress überlebensgroß in einem Stadion stehend
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„Allahu akbar“

Heute, fünf Jahre später, ist Knett wieder zurück in Österreich. Drei Jahre lang lebte er mit seiner Familie im Iran. Der 35-Jährige – bullige Statur, blondes Haar, am ganzen Körper tätowiert – ist ein freundlicher Mann, der im profil-Gespräch locker drauflos plaudert. Er erzählt Geschichten von verschwundenen Mitspielern, blutigen Ritualen, wegretuschierten Tattoos. Und einem Weg, den vor ihm noch kein österreichischer Fußballer gewagt hat.

„Wenn man noch nie im Iran war, stellt man sich das so vor, als ob man in die Steinzeit zurückreisen würde“, sagt Knett. Als er im Flugzeug saß, wusste er nicht, worauf er sich einlässt. Er sah vor allem das viele Geld. Am Tag nach dem großen Empfang am Flughafen setzte er die Unterschrift unter einen hoch dotierten Vertrag bei seinem neuen Klub, dem Sepahan FC. Danach wurde er in sein Luxusappartement gebracht, in einem Wolkenkratzer, genannt Golden Tower. Viel Prunk, prächtige Pools, fünf Schlafzimmer, zwei Balkone, ein eigener Chauffeur, dazu ein Sicherheitsmann vor der Tür. Knett fühlte sich wie in einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Drei Wochen später holte er seine Frau und die beiden Kinder nach.

Gerald Gossmann

Gerald Gossmann

Freier Journalist. Schreibt seit 2015 für profil kritisch und hintergründig über Fußball.