Sasa Kalajdzic strahlt und wird von Mitspielern umarmt und geherzt
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WM-Held Saša Kalajdžić: „Ich habe die Welt nicht mehr verstanden“

Saša Kalajdžić stand nach drei Kreuzbandrissen jahrelang kaum auf dem Fußballplatz. Nun hat er Österreich zum größten WM-Erfolg seit 44 Jahren geköpfelt. Mit profil sprach er exklusiv darüber, wie man ein Jahrhundert-Tor erzielt, wenn einem nur ein paar Sekunden Zeit bleiben.

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Die Leidenszeit des Saša Kalajdžić schien kein Ende zu nehmen. Schulterluxation, Mittelfußbruch, drei Kreuzbandrisse. Jahrelang spielte der Mann kaum Fußball. Und auf einmal drohte auch die WM zum Flop zu werden. Kalajdžić saß hilflos auf der Ersatzbank, als Algerien gegen Österreich im alles entscheidenden letzten Gruppenspiel am vergangenen Sonntag das 3:2 erzielte, in der 93. Spielminute, wenige Sekunden vor dem Abpfiff. Das ÖFB-Nationalteam wäre damit ausgeschieden gewesen – zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Das geplante Heldenepos – der erste Aufstieg bei einer WM seit 44 Jahren – wäre wohl in einem nationalen Hickhack zu Ende gegangen.

Eigentlich hatte Algerien und Österreich das 2:2 zum Aufstieg genügt. So schoben die Kicker auch nur noch den Ball hin und her – und warteten offensichtlich auf den Schlusspfiff. Doch da war noch etwas im Hinterkopf der Algerier: die Schande von Gijon. Vor 44 Jahren schieden die Algerier bei der WM aus, weil Österreich und Deutschland sich auf einen Nichtangriffspakt geeinigt hatten, um ein Ergebnis zu verwalten, das beiden das Weiterkommen sicherte – auf Kosten der Afrikaner. Tagelang war das nun wieder Thema gewesen. „Ich rate ihnen, sich gegen Österreich zu revanchieren“, meinte Algeriens Ex-Teamspieler Lakhdar Belloumi.

So wurde die Schlussphase des Spiels zu einem Stresstest. Und Saša Kalajdžić vom Ersatzspieler zum Erretter einer ganzen Fußballnation. profil zeichnet das Córdoba dieser Generation mit Neo-Nationalheld Kalajdžić nach.

In den letzten 20 Minuten sah das Spiel nach einem Nichtangriffspakt aus. Sie verfolgten das von der Ersatzbank aus – mit welchem Gefühl?

Kalajdžić

Beide Mannschaften waren mit dem 2:2 weiter. Und wahrscheinlich gibt es keinen Trainer, der dann seinen Spielern sagt: Gebt das letzte Hemd, um ein Tor zu schießen. Da ist gesunder Hausverstand nötig. Jeder Fehler kann dich das Turnier kosten. Und dadurch nimmt man automatisch weniger Risiko.

Doch die Österreicher übertrieben es mit der Risikovermeidung. Sie überließen den Algeriern in den letzten 20 Minuten komplett den Ball. Die taten erst so, als würden sie sich damit ebenso zufriedengeben – ehe sie wenige Sekunden vor Abpfiff doch noch umschwenkten.

War die Taktik, das eigene Spiel komplett einzustellen und den Algeriern minutenlang den Ball zu überlassen, nicht etwas naiv?

Gerald Gossmann

Gerald Gossmann

Freier Journalist. Schreibt seit 2015 für profil kritisch und hintergründig über Fußball.