Kylian Mbappe schüttet sich während eines Fußballspiels Wasser aus einer Trinkflasche auf den Arm
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Ein deutscher Weltmeister findet Schottenröcke super, ein puerto- ricanischer Popsänger oberösterreichische Vintage-Jacken. Und Österreich hat gegen Messi kein Leiberl. WM-Tagebuch, Woche 3.

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Philipp Lahm, Weltmeister von Brasilien (2014) und Bayer auf Lebenszeit, hat sich festgelegt: Er mag Schotten. In seiner Fußball-Kolumne „Ansichten eines Fußballers“ erklärte Lahm dieser Tage: „Ich könnte mir stundenlang Videos der Schotten im Internet ansehen.“ Zum Beispiel dieses: „In karierten Röcken zogen sie, Dudelsack spielend, durch Boston.“

Herr Lahm macht das natürlich nicht zum Spaß. Dieser Dudelsack ist politisch. Für Lahm symbolisierte die schottische Folklore in Massachusetts die Sommermärchenhaftigkeit dieser Weltmeisterschaft und dient ihm auch als Beleg dafür, dass die vielkritisierte Aufstockung des Turniers von 32 auf 48 Teilnehmer letztlich doch eine gute Idee war, weil: „Nach dem alten Modus hatten sie sich lange nicht mehr qualifiziert.“

Schottische Fußballfans spazieren durch Boston
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Lahm, der eigentlich als großer FIFA-Kritiker gilt, schoss dann freilich doch noch ein paar Schippel Infantinokritik hinterher, was zu der interessanten Situation führte, dass ein und derselbe Text im englischen „Guardian“ unter der Schlagzeile „Scottish fans’ friendly USA invasion exemplifies the joy of the World Cup“ erschien, in der deutschen „Zeit“ hingegen mit dem Titel: „Die WM wird verkauft – das raubt dem Fußball Glaubwürdigkeit“. Der erkenntnistheoretische Überbegriff für dieses Phänomen heißt übrigens: Unentschieden.

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.