Der derzeit beliebteste Deutsche Österreichs, ÖFB-Cheftrainer Ralf Rangnick, trug zu den bisherigen Partien des Nationalteams keine Landestracht, sondern Shirts und Sakkos in gedeckten Farben. Folklore ist ihm höchstens privat ein Anliegen, beruflich beharrt er auf einer gewissen Ernsthaftigkeit. Dass die schottischen Fußball-Männer mit ihrer eher desperaten Vorrunde und entsprechend niedrigem Score im Schneckenrennen der Drittplatzierten einen österreichischen Aufstieg wahrscheinlicher gemacht haben, ist dem Teamchef wohl trotzdem nicht entgangen.
Der regierende Pop-Weltmeister Bad Bunny wiederum stammt nicht aus einem fußballspielenden Land – Puerto Rico ist Baseball-Country – und trug bei seinem jüngsten Konzert in Düsseldorf deshalb auch kein Messi-Trikot, sondern eine Trainingsjacke des Eisstockvereins ESV Hilkering. Die Ortschaft gehört zur Gemeinde Hartkirchen, Bezirk Eferding, was man dank des rasch einsetzenden Medieninteresses jetzt mindestens im ganzen Land weiß. ESV-Obfrau Maria Roithmayr erklärte dem „Standard“, dem ORF Oberösterreich und der „Krone“, dass ihr Verein in den 1990er-Jahren „etwa 20 bis 30“ bunte Adidas-Jacken „vorn mit dem Logo der Raiffeisenbank und hinten mit dem Schriftzug des ESV Hilkering“ beflockt habe. Roithmayr hatte auch gute Nachrichten für Vintage-Jäger: „Es kursieren noch einige. Die Teile haben eine gute Qualität, sie sind quasi unverwüstlich.“ Bitte legen Sie diese Meldung unter dem Hashtag „Puerto Raika“ ab.
Die WM-Dressen des Nationalteams 2026 werden in ein paar Jahren vielleicht nicht ganz so exklusiv, aber möglicherweise trotzdem noch legendär sein, nämlich als Relikte aus einer Zeit, in der man im Sommer noch Fußball spielen konnte, wenn auch, natürlich, mit ausreichend Trinkpausen. Im europäischen Frühsommer wird das 40-Grad-Ziel gerade fast flächendeckend erreicht, im ganzjährig hitzigen Dallas sorgt eine pompöse Klimaanlage für angenehme Betriebstemperatur im 80.000er-Stadion. Die Hydration Breaks – oder wie die Schotten sagen: Tea Time – müssen natürlich trotzdem durchgeführt werden, Zeit ist schließlich Geld, werden inzwischen aber auch konsequent ausgebuht. Österreich hatte zum Match gegen Lionel Messi in Dallas leider keinen Zaubertrank eingepackt, weshalb der argentinische Kapitän trotz gewohnt zurückhaltender Laufleistung (laut offizieller Matchstatistik: 7,8 Kilometer, 63 Prozent davon unter 7 km/h) für die Kicker aus Österreich nicht zu fassen war. „Magical Messi“ („Guardian“), vulgo „Der Stehgeiger“ („Süddeutsche Zeitung“), feierte an diesem 22. Juni also schon einmal seinen 39. Geburtstag vor und beschenkte die Welt (ausgenommen Österreich) mit zwei unfassbaren (für Österreich: unhaltbaren) Toren und sich selbst mit dem ersten Platz im ewigen WM-Torschützenranking – übrigens genau am 40. Jahrestag der magischen fünf Minuten des Diego Maradona, in denen dieser den Engländern im WM-Viertelfinale 1986 per „Hand Gottes“ einschenkte und gleich auch noch das „Tor des Jahrhunderts“ nachschob.
Miraculix Mbappé ist Herrn Messi in der All-Time-Torschützenliste trotzdem immer noch knapp auf den Fersen, zeitgenössischen WM-Torjägern spielt die von Philipp Lahm gefeierte Exotendichte natürlich in die Karten. Dafür musste Frankreich im Match gegen den Irak ausnahmsweise keine Trinkpause einlegen, weil das Wetter in Philadelphia von sich aus für eine Werbeunterbrechung von mehr als zwei Stunden (und einen unerschütterlich durch die Nacht moderierenden Herbert Prohaska) sorgte.
Ein ähnliches Schicksal droht auch an diesem Wochenende: In der Nacht von Samstag auf Sonntag findet das entscheidende Vorrundenspiel der Österreicher gegen Algerien zur moderatorenfeindlichen Uhrzeit um 4 Uhr früh statt. Immerhin gibt es im Aufwärmprogramm den jetzt schon klassischen und auf TikTok sicherlich zu Recht gehypten WM-Kracher Kongo gegen Usbekistan zu sehen (Anstoß ist bereits um 1.30 Uhr). Das Ösi-Finale wird übrigens in Kansas City ausgetragen, also im schönen Missouri, wo Marihuana nicht nur für medizinische Zwecke legal konsumiert werden darf, sondern auch zum Spaß. Falls sich Lahms Lieblingsfans also auch dieses Match live geben sollten (und warum sollten sie nicht?), steht das Ergebnis schon fest: Schotten: dicht.